SQL Server 2017 soll intelligenter werden

Microsoft baut KI in seine neue Datenbank ein

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Noch im laufenden Jahr soll eine neue Version des SQL Server auf den Markt kommen. Microsoft konzentriert dabei seine Entwicklungsanstrengungen vor allem darauf, KI-Funktionen direkt in die Datenbank zu integrieren.

Microsoft beschleunigt seinen Datenbanktakt. Zuletzt kamen neue Releases des SQL Server im Zwei-Jahres-Rhythmus heraus, die aktuelle Version, der SQL Server 2016, hatte erst im vergangenen Jahr ihren Auftritt. Nun soll bereits im laufenden Jahr - vermutlich gegen Ende 2017 - das nächste Release, der SQL Server 2017, auf den Markt kommen. Im Rahmen der Online-Konferenz "Data Amp" haben die Microsoft-Verantwortlichen erste Einzelheiten zu ihrem neuen Datenbank-Release verraten.

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Eine Reihe von Video-Tutorials zum SQL Server 2016 finden Sie online auf der Website der COMPUTERWOCHE unter:

SQL Server 2016 - Reporting Services Web Portal

SQL Server 2016 - Operational Analytics in Echtzeit

T-SQL für Einsteiger - Visual Studio und SQL Server Management Studio

DISTRIBUTE Blockchain

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Joseph Sirosh, Vice President in Microsofts Data Group, nannte als zentrale Neuerung des kommenden Datenbanksystems in erster Linie zusätzliche Features für Künstliche Intelligenz (KI), die direkt in die Datenbank integriert seien. Damit würden Deep-Learning-Fähigkeiten wie Bilderkennung, Sprachanalysen sowie andere KI-Aufgaben rund um unstrukturierte Daten in den SQL Server 2017 implementiert. Ziel sei es, Machine-Learning- (ML-)Prozesse, die normalerweise außerhalb der Datenbank in einem separaten System abgearbeitet werden, zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Mehr als eine Datenbank

"Der SQL Server ist jetzt nicht mehr nur ein Datenbank-Managementsystem (DBMS)", sagte Sirosh und charakterisierte das nächste Release als eine Art intelligente Datenbasis für Unternehmen. Der SQL Server 2017 sei das erste RDBMS (Relational Database Managementsystem), das Datenbank und KI in einem System verknüpfe, so der Microsoft-Manager.

Joseph Sirosh, Vice President in Microsofts Data Group, bezeichnete den kommenden SQL Server 2017 als intelligente Datenbasis für Unternehmen.
Joseph Sirosh, Vice President in Microsofts Data Group, bezeichnete den kommenden SQL Server 2017 als intelligente Datenbasis für Unternehmen.

Für den weiteren Ausbau der entsprechenden Features erweitert der weltgrößte Softwarekonzern zudem die Unterstützung von Entwicklungsumgebungen. Neben der Programmiersprache R, die speziell für die Entwicklung statistischer Auswertungen ausgelegt ist und die erstmals im SQL Server 2016 implementiert wurde, soll das kommende Release nun auch Python als zusätzliche Programmierumgebung unterstützen. Über eine Python/R-Schnittstelle ließen sich außerdem anspruchsvolle Deep-Learning-Jobs direkt aus dem SQL-Server auf - sofern verfügbar - speziell für KI-Anwendungen optimierten NVIDIA-GPU- (Graphic Processing Unit) Compute-Einheiten ausführen.

On-Premise- und Cloud-Versionen rücken näher zusammen

Neben der klassischen On-Premise-Datenbank hat Microsoft auch sein Cloud-Angebot hinsichtlich des nächsten SQL Server ausgebaut. Das betrifft in erster Linie die Kompatibilität zwischen On-Premise- und Cloud-Versionen. Der Softwarehersteller hatte bereits in den vergangenen Versionen daran gearbeitet, die Kompatibilität seiner Datenbank-Versionen für die beiden Betriebswelten zu verbessern. Allerdings gab es bis zuletzt immer noch Lücken und Unterschiede. Das soll sich nun mit den "Azure Managed Instances" ändern. Das Hybrid-Angebot aus Platform as a Service (PaaS) und Infrastructure as a Service (IaaS) soll Funktionen, die bis dato nur on-Prmeise zur Verfügung standen, nun auch in der Cloud ermöglichen. Beispielsweise sollen künftig auch in der Cloud Abfragen über verschiedene Datenbanken möglich sein.

Darüber hinaus hat Microsoft eigenen Angaben zufolge die Reporting Services (SSRS) und Analysis Services (SSAS) im neuen SQL Server erweitert und verbessert. Beispielsweise würden die Reporting Services künftig auch On-Premise-gespeicherte Power-BI-Berichte mit einbeziehen können. Auch für die Analysis Services könnten Anwender künftig eine breitere Palette an Datenquellen anbinden. Ein weiteres neues Cloud-Angebot ist der "Azure Data Lake". Darin soll sich jeder Typ von Daten ablegen lassen. Anwender könnten so beliebig viele Daten und Files speichern. Gegen diese strukturierten oder unstrukturierten Daten könnten Nutzer zudem SQL-Abfragen laufen lassen.

Neu im SQL Server 2017 ist die Integration einer Graph Database Engine. Damit sollen sich neben klassischen relationalen Datenstrukturen auch andere Beziehungen zwischen verschiedenen Datenobjekten besser darstellen und verarbeiten lassen, gerade wenn es sich um weniger strukturierte Daten handelt. Verbessert wurde laut Microsoft-Ankündigung auch das Management von Datenabfragen. Mit Hilfe der "Adaptive Query Optimization" im SQL Server 2017 sollen sich die Ablaufumgebungen - und -prozeduren für Abfragen optimieren und damit die Leistung des Gesamtsystems verbessern lassen.

Datenbank-Migration in die Cloud in fünf Schritten

Der SQL Server 2017 liegt aktuell in der Version Community Technology Preview (TCP) 2.0 vor. Die neue Microsoft-Datenbank soll unter Windows, Linux sowie in Docker-Containern in Linux- und Mac-Umgebungen laufen. Anlässlich der Vorstellung des neuen Datenbank-Release präsentierte Scott Guthrie, Executive Vice President für die Microsoft Cloud and Enterprise Group einen speziellen "Migration Service": On-Premise-Versionen des eigenen SQL Server wie auch anderer Datenbanken - Guthrie nannte an dieser Stelle explizit Produkte des Wettbewerbers Oracle - sollen sich im Rahmen eines weitgehend automatisierten Workflows in eine Azure SQL Database überführen lassen.

Mit einem speziellen Migrationsservice will Scott Guthrie, Executive Vice President für die Microsoft Cloud and Enterprise Group, Oracle Kunden abspenstig machen.
Mit einem speziellen Migrationsservice will Scott Guthrie, Executive Vice President für die Microsoft Cloud and Enterprise Group, Oracle Kunden abspenstig machen.
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In fünf Schritten könnten sich sämtliche Daten inklusive der dahinterliegenden Schemata migrieren lassen, hieß es. Danach müssten Anwender nur noch die Verlinkung der an der Datenbank hängenden Applikationen modifizieren und die Anwendungen funktionierten sofort mit der in die Cloud migrierten Datenbank, so das Versprechen Microsofts. Eine anschließende Demo zeigte allerdings nur ein Migrationsszenario im Rahmen der eigenen Microsoft-Datenbankwelt. Ob sich eine Oracle-Datenbank genauso reibungslos in einen Microsoft Azure SQL Server in der Cloud verwandeln lässt, blieb offen.