Blockchain

Das neue Business Collaboration Tool

28.06.2017
Von  und
Lucas Mearian ist Senior Reporter bei der Schwesterpublikation Computerworld  und schreibt unter anderem über Themen rund um  Windows, Future of Work, Apple und Gesundheits-IT.


Florian Maier beschäftigt sich mit diversen Themen rund um Technologie und Management.
Wir nennen Ihnen vier Beispiele dafür, dass die Blockchain der neueste Schrei in Sachen Business Collaboration ist.

Die Blockchain ist in aller Munde und bereits in vielen Branchen Gegenstand von mehr oder weniger weit fortgeschrittenen Projekten oder Testphasen. Das liegt hauptsächlich am - technologisch bedingten - hohen Sicherheitsniveau der dezentralen Technologie. Und daran, dass nebenbei die Kosten reduziert und neue Einnahmequellen erschlossen werden können.

Blockchain - Das neue Business-Collaboration-Tool
Blockchain - Das neue Business-Collaboration-Tool
Foto: whiteMocca - shutterstock.com

David Schatsky vom Beratungsunternehmen Deloitte glaubt, dass die Vielseitigkeit der große Pluspunkt der Blockchain-Technologie ist, wenn es darum geht, sich an bestimmte Geschäftsanforderungen anzupassen. "Welchen Einfluss die Blockchain auf Unternehmen in allen Branchen haben wird, wird dennoch noch nicht ganz verstanden", so Schatsky. Und zeigt sich damit auf Linie mit einer aktuellen Deloitte-Studie. Schenkt man dieser Glauben, wird die Blockchain-Technologie in diesem Jahr zu einem zentralen Businessthema in vielen Branchen.

Dazu hat das Beratungshaus 308 Blockchain-kundige Entscheider auf Senior-Executive-Level zum Thema befragt. Die Teilnehmer stammten aus Unternehmen und Organisationen mit einem jährlichen Umsatz von mindestens 500 Millionen Dollar. Die Ergebnisse: Für viele steht die Blockchain tatsächlich weit oben auf der Prioritätenliste:

  • 36 Prozent glauben, dass die Blockchain das Potenzial besitzt, den Systembetrieb zu verbessern - entweder durch sinkende Kosten oder höhere Geschwindigkeit

  • 37 Prozent sehen die Sicherheits-Features der Blockchain als ihren wesentlichen Vorteil an

  • 24 Prozent sind der Überzeugung, die Technologie begünstige die Etablierung neuer Geschäftsmodelle und Einnahmequellen

"Ehrlicherweise muss man sagen", kommentiert Schatsky, "dass in der Industrie bis zu einem gewissen Maße immer noch Verunsicherung herrscht über das tatsächliche Potenzial der Technologie. Zwar steht die Blockchain bei mehr als einem Viertel der Teilnehmer unter den Top Fünf der Prioritäten, aber immerhin ein Drittel hält die Technologie für ‚overhyped‘".

Diejenigen, die die Blockchain bereits einsetzen, berichten hingegen von einer völlig neuen Form der Unabhängigkeit. Die Möglichkeit, sowohl Daten als auch Geld auf sichere Art und Weise übertragen zu können, schafft eine völlig neue Geschäftsdynamik.

Die Blockchain macht einen Großteil der Buchhaltung überflüssig. Letztgenannte kann insbesondere bei Transaktionen unter Beteiligung mehrerer Parteien kompliziert werden. Das revolutionäre Potenzial von Blockchain kann also gar nicht unterschätzt werden, wie Saurabh Gupta vom IT-Service-Provider Genpact weiß: "Blockchain und das Konzept der dezentralen Datenbank könnten eine Methode bieten, die Buchhaltung der gesamten Geschäftswelt zu integrieren."

Smart Contracts statt Mittelsmann

Die Blockchain-Technologie ermöglicht automatisierte Geschäftsverträge (sogenannte "Smart Contracts"). Die Peer-to-peer-Datenbank erfasst zunächst die Vertragsbedingungen und prüft dann anhand der auf einzelne Knoten verteilten Daten, ob diese Bedingungen erfüllt sind und eine Zahlung autorisiert werden kann.

Vor kurzem haben IBM, AIG und die Standard Chartered Bank ein Pilotprojekt angekündigt, um einen der komplexesten Vertragstypen der Versicherungsbranche zu modernisieren: eine multinationale Police.

Dazu erstellten die Unternehmen ein Master-Exemplar, das in Großbritannien geschrieben wurde und drei Versicherungspolicen aus den USA, Singapur und Kenia in einen Smart Contract integriert. Die Basis bildet eine Blockchain-Technologie, die eine gemeinsame Sicht auf die Daten der Police sowie die Dokumentation in Echtzeit ermöglicht.

Dabei ist die Lösung so aufgebaut, dass mehrere Parteien - zum Beispiel Broker, Regulatoren oder Auditoren - über das Netzwerk effektiver und effizienter zusammenarbeiten können - sagt IBM. Demnach können alle Parteien gleichermaßen auf die Daten und Dokumentation zugreifen, um jederzeit sinnvolle Entscheidungen auf Grundlage vertrauenswürdiger Daten treffen zu können. Die Vorteile der Blockchain-Technologie treten an dieser Stelle klar hervor:

  • Die Fähigkeit, Ereignisse und Zahlungen, die mit der Police in Zusammenhang stehen, in den jeweiligen Ländern nachvollziehbar zu machen

  • Keine der Parteien kann die erfassten Daten verändern, löschen oder ohne Zustimmung der anderen darauf zugreifen.

  • Reduziertes Risiko für Fehler und Betrug durch hohes Transparenz-Level

Blockchain-basierte Smart Contracts können auch dazu genutzt werden, Zahlungen zwischen Finanzinstituten zu automatisieren. Accenture stellte kürzlich in einem Report fest, dass sich die Infrastruktur-Kosten von acht der zehn weltgrößten Investment-Banken im Schnitt um 30 Prozent reduzieren ließen. In Zahlen ausgedrückt beliefe sich das jährliche Einsparpotenzial für jede dieser Banken auf circa acht bis zwölf Milliarden Dollar.

Zahlungen, deren Freigabe und Vergleiche sind neben dem Aktienmarkt die Bereiche unter den Financial Services, die mit Ineffizienzen gespickt sind, weil jede Organisation ihre eigenen Daten vorhält und mit den anderen darüber Rücksprache halten muss, in welcher Prozessphase sie sich gerade befinden. Ein Vergleich nimmt deshalb in der Regel zwei Tage Bearbeitungszeit in Anspruch. Auf der anderen Seite zwingen Zahlungsverzögerungen die Banken, Geld beiseite zu legen, das ansonsten investiert werden könnte.

Durch die Fähigkeit, Daten in Echtzeit mit allen anderen Organisationen über die Blockchain-Datenbank teilen zu können, entfällt der Prozess der Beratung und Rückversicherung beinahe komplett und sorgt laut Accenture so für effizientere und effektivere Prozesse.