Smart Contracting gehört die Zukunft

Falscher Hype um Blockchain

Tillmann Braun ist freier Journalist und Kommunikationsberater für non-profit Organisationen und Unternehmen. Sein Fachgebiet sind innovative IT-Lösungen für die Vernetzung von Menschen und Maschinen. Zu seinen Spezialthemen gehören intelligente (Heim-)Netzwerke, Machine-to-Machine-Kommunikation, Mobile Payment, IT-Strategien und vielfältig einsetzbare Kommunikationssysteme.
Den Begriff Blockchain kennt man vor allem in Verbindung mit der Krypto-Währung Bitcoin. Doch auch in anderen Bereichen könnte die Technologie deutliche Vorteile bringen – vor allem, wenn es um den schnellen Abschluss von Verträgen geht. Ein Allheilmittel als omnipotente Datenbank ist Blockchain dagegen eher nicht.
Blockchain: Hype und Realität
Blockchain: Hype und Realität
Foto: enzozo - shutterstock.com

In regelmäßigen Abständen werden neue Technologien gehypt, ohne die es angeblich keine Zukunft mehr gibt. Umso wichtiger wird in diesen Zeiten die Faustregel, dass man nie aus Technologiegründen etwas im eigenen Unternehmen ändern sollte. Stattdessen muss der tatsächliche Nutzen im Vordergrund stehen. Neue Technologien können dabei das Mittel zum Zweck sein. Ein Selbstzweck oder gar ein Allheilmittel sind sie jedoch keinesfalls.

Der Hype-Zyklus für Technologien nach Gartner
Der Hype-Zyklus für Technologien nach Gartner
Foto: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Gartner_Hype_Cycle.svg

Die ineffizienteste Datenbank der Welt

Obwohl Blockchain für die Krypto-Währung Bitcoin bereits seit längerer Zeit genutzt wird, steigt die Bekanntheit der disruptive Technologie in letzter Zeit sprunghaft an. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Blockchain immer häufiger als revisionssichere und unveränderbare Ablagemethode für sämtliche Daten und Informationen angesehen wird. Doch einige Experten sehen darin lediglich die erste Evolutionsstufe von Blockchain.

"Blockchain ist per Design die ineffizienteste Datenbank der Welt", sagt Sascha Hellermann vom Beratungsunternehmen Cocus. Ziel müsse vielmehr sein, sinnvolle und nützliche Use Cases zu finden und zu entwickeln, die das volle Potenzial von Blockchain für das jeweilige Unternehmen erschließen. Losgelöst betrachtet sei Blockchain sogar uninteressant und auch nicht wirklich neu.

"Letztlich gibt es zwei valide Anwendungsfälle", so Sascha Hellermann. "Einmal als Basis für Krypto-Währungen wie Bitcoin etwa für mobiles Bezahlen, und einmal im Bereich Smart Contracting. Im Smart Contracting liegt die Zukunft der Technologie, da sie automatisierte Verträge ermöglicht und die Bezahlung gleich über eine Krypto-Währung mit abgewickelt werden kann. Blockchain schafft so letztlich eine Plattform, die sowohl bei bekannten als auch bei unbekannten Partnern die Erfüllung von Verträgen garantiert", nennt Sascha Hellermann die wichtigsten Vorzüge.

Vertragsabschlüsse in Echtzeit – Manipulation ausgeschlossen

Während sich Blockchain als Grundlage für Krypto-Währungen bereits profiliert und etabliert hat, ist der Einsatz im Bereich des Vertragswesens bislang noch wenig verbreitet. Das könnte sich bald ändern. Denn dank Blockchain können Verträge und komplette Verwaltungsaufgaben günstiger, sicherer und leichter nachvollziehbar werden – und vor allem schneller.

Anstatt Dokumente wie Bestellungen und Auftragsbestätigungen hin und herschicken zu müssen, können Verträge selbst über Ländergrenzen hinweg per Blockchain quasi in Echtzeit abgeschlossen werden. Schließlich basiert Blockchain auf einem mitunter weit vernetzten Peer-to-Peer-System, in dem sämtliche Aktionen überprüft, bestätigt sowie in Blöcken zusammengefasst und miteinander verkettet werden. Informationen in dieser Informationskette aus Blöcken (daher der Name Blockchain) sind unveränderlich und somit wie in Stein gemeißelt – und Manipulationen somit ausgeschlossen.

Verträge, die per Blockchain dokumentiert sind, können also auch Jahrzehnte später noch nachvollzogen werden. Kommen neue Informationen hinzu, werden diese nicht ausgetauscht, sondern vielmehr linear hinzugefügt. Da sämtliche Informationen im Netzwerk an vielen verschiedenen Stellen abgesichert sind, ist es nicht möglich, dass diese verloren gehen, wenn es an einer Stelle zu ungewolltem oder auch absichtlich herbeigeführtem Datenverlust kommt.

Drei Arten von Blockchain für unterschiedliche Bedürfnisse

Wo und wie oft die Daten abgespeichert sind, hängt davon ab, welche der drei Arten von Blockchains verwendet wird. Bei privaten Blockchains bleibt alles im eigenen Unternehmensnetzwerk, weshalb sich diese Anwendungsart in erster Linie für Tests eignet, bevor weitreichender Projekte angegangen werden.

Erstreckt sich das Netzwerk über mehrere Parteien wie beispielsweise die kompletten Vertragspartner eines Unternehmens, spricht man von einem Konsortium. Ratsam ist in diesem Fall, dass die abgespeicherten Informationen nicht allen Parteien zugänglich sind, sondern je nach Bedarf durch Passwörter geschützt werden. Für die meisten Unternehmen weniger interessant sind so genannte "Public Blockchain", bei denen die Daten im weltweiten Netzwerk abgespeichert sind.