Gartner blickt in die Zukunft

10 disruptive Technologietrends für 2019

31.10.2018
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Trend 4: Digital Twins

Beim Digital Twin handelt es sich um ein digitales Pendant eines real existierenden Gegenstands oder Systems. Bis 2020 werden weltweit mehr als 20 Millionen Sensoren und Endpunkte vernetzt sein, prognostiziert Gartner. Damit würden auch mehrere Milliarden digitale Zwillinge entstehen. Die ersten Implementierungen seien noch relativ einfach gestrickt, so die Auguren. In Zukunft aber würden Unternehmen die Fähigkeiten der Digital Twins immer weiter verbessern, um beispielsweise Daten zu sammeln und zu visualisieren, hinterlegte Regeln anzuwenden und auf veränderte Anforderungen zu reagieren.

Digital Twin: Unternehmen werden künftig auch digitale Zwillinge ihrer eigenen Organisation entwickeln, prognostiziert Gartner.
Digital Twin: Unternehmen werden künftig auch digitale Zwillinge ihrer eigenen Organisation entwickeln, prognostiziert Gartner.
Foto: metamorworks - shutterstock.com

Auch beim Thema Digital Twins sieht Gartner schon die nächste Evolutionsstufe kommen. Unternehmen würden künftig auch digitale Zwillinge ihrer eigenen Organisation entwickeln. Solche dynamischen Softwaremodelle könnten dabei helfen, Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten und Abläufe auf eine verbesserte Reaktionsfähigkeit zu trimmen.

Trend 5: Empowered Edge

Der Begriff Edge umfasst in diesem Kontext Endgeräte unterschiedlichster Art, die entweder von Menschen genutzt werden oder in die Umgebung eingebettet sind. Das sogenannte Edge Computing, teilweise auch als Fog Computing bezeichnet, beschreibt eine Topologie, in der die Datensammlung und -verarbeitung näher zu diesen Endpunkten wandert. Damit wird insbesondere der Netzwerk-Traffic zu zentralen IT- oder Cloud-Systemen verringert. Gartner betont, dass sich es dabei weniger um eine neue Architektur handele. Vielmehr würden sich klassische zentralisierte Cloud-Computing- und Edge-Computing-Ansätze künftig ergänzen.

Lesen Sie dazu auch: Läutet Fog Computing das Ende der Cloud ein?

Die Analysten rechnen damit, dass Edge Devices in den kommenden fünf Jahren immer leistungsfähiger werden. Dazu würden nicht nur neue Storage- und Compute-Komponenten beitragen, sondern auch spezialisierte KI-Chips, die die Einsatzmöglichkeiten erweitern. Die extreme Heterogenität der entstehenden IoT-Welten und die in der Regel langen Lebenszyklen von Industriesystemen machten die Verwaltung andererseits schwieriger. Verbesserungen seien aber mit ausgereiften 5G-Mobilfunksystemem zu erwarten. Insbesondere die Kommunikation der Edge Devices mit zentralen Servern werde dann robuster funktionieren.

Trend 6: Immersive Experience

Sogenannte Conversational Platforms verändern die Art und Weise, wie Menschen mit der digitalen Walt interagieren, beobachtet Gartner. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Technologien wie Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR), die sich auf unsere Wahrnehmung digitaler Umgebungen auswirkt. Die Kombination aus veränderter Interaktion und Wahrnehmung führe zu einer umfassenden "Immersive User Experience".

"Die Entwicklung geht weg von individuellen Geräten und fragmentierten Benutzerschnittstellen", erklärt Cearley den sperrigen Begriff. Die Zukunft gehöre einer multimodalen Benutzerfahrung, die über unterschiedlichste Kanäle laufe. Menschen seien in diesem Szenario von hunderten Edge Devices umgeben, darunter klassische mobile Rechner, Wearables, Automobile oder auch Sensoren. Multikanalfähig werde die Interaktion zwischen Mensch und Technik, weil künftig alle menschlichen Sinne und Sensorfähigkeiten der Computer etwa für Hitze oder Feuchtigkeit einbezogen würden. Die Räume, die uns umgeben, definieren demnach künftig den Computer. Anders gedrückt: Unsere Umgebung wird selbst zum Computer.

Trend 7: Blockchain

Blockchain-Technologien haben das Potenzial, ganze Branchen zu verändern, urteilen die Gartner-Experten. Das auch unter dem Begriff Distributed Ledger gehandelte Konzept, das digitale Transaktionen in Peer-to-Peer-Netzwerken unter Ausschluss von Intermediären erlaubt, berge eine ganze Reihe von Vorteilen. Beispielsweise könnten Unternehmen damit komplexe Transaktionen effizienter, sicherer und zu geringeren Kosten abwickeln.

Lesen Sie dazu auch:

Blockchain as a Service - das bieten die wichtigsten Player

Pilotprojekte gibt es mittlerweile auch in Deutschland reichlich, im Produktivbetrieb hat sich aber bislang kaum eine Blockchain-Implementierung bewährt. "Aktuelle Blockchain-Technologien und -Konzepte sind unausgereift, schlecht verstanden und in größeren geschäftskritischen Umgebungen noch unerprobt", kommentiert Cearley. Doch trotz vieler ungelöster Probleme sollten IT-Entscheider das disruptive Potenzial im Auge behalten und schon jetzt anfangen, die Technik zu evaluieren, selbst wenn sie in den nächsten Jahren noch keinen praktischen Einsatz planen.