Amazon, Microsoft, IBM und SAP

Blockchain as a Service – das bieten die wichtigsten Player

Thomas Joos ist freiberuflicher IT-Consultant und seit 20 Jahren in der IT tätig. Er schreibt praxisnahe Fachbücher und veröffentlicht in zahlreichen IT-Publikationen wie TecChannel.de und PC Welt.
Blockchain-Technologie wird auch für Business-Anwender immer interessanter. Lesen Sie, welche Provider Blockchain as a Service bereits anbieten, was die Dienste leisten und worauf Unternehmen bei der Auswahl achten sollten.

Um Blockchain für eigene Anforderungen zu nutzen, brauchen Unternehmen keine komplizierte Serverinfrastruktur im eigenen Netzwerk. Namhafte Anbieter wie Amazon, Microsoft, Oracle und SAP stellen die notwendige Infrastruktur für Blockchain als Cloud-Dienst zur Verfügung (Blockchain-as-a-Service, BaaS).

Provider wie Amazon, Microsoft und SAP bieten Blockchain-Services als Dienste auf ihren Cloud-Plattformen an.
Provider wie Amazon, Microsoft und SAP bieten Blockchain-Services als Dienste auf ihren Cloud-Plattformen an.
Foto: whiteMocca - shutterstock.com

Blockchain-Infrastrukturen ermöglichen Anwendungen, mit denen sich Transaktionen ausführen lassen, ohne dass es einer zentralen Stelle für die Prüfung bedarf. Dadurch kann über ein Peer-to-Peer-Netzwerk jeder Beteiligte Zugriff auf sein Kontobuch, auch "Ledger" genannt, nehmen. Das Kontobuch enthält die Transaktionen im entsprechenden Blockchain-Netzwerk. Da die Transaktionen einem definierten Muster entsprechen, können diese durch andere Anwender und deren Kontobücher zuverlässig verifiziert werden.

Unternehmen können damit nicht nur eigene Blockchain-Währungen generieren, sondern auch für den internen Zahlungsverkehr oder für die Verwaltung der Logistik auf Blockchain-Technik setzen.

Blockchain in Amazon Web Services

Als einer der größten Cloud-Anbieter der Welt bietet natürlich auch Amazon in seinem Cloud-Arm Amazon Web Services (AWS) Dienste im Bereich Blockchain an. AWS ermöglicht den Aufbau einer Blockchain-Infrastruktur, und das in wenigen Minuten. Dabei können Unternehmen ein eigenes Netzwerk aufbauen, das entweder auf Ethereum oder auf Hyperledger Fabric basiert.

Die Open-Source-Blockchain Hyperleger wird auch von den meisten anderen Blockchain-as-a-Service-Anbietern genutzt. Dadurch können Unternehmen, die Blockchain-as-a-Service nutzen wollen, auf AWS setzen. Bezahlt werden müssen nur die Ressourcen, die für die Blockchain-Infrastruktur in AWS genutzt werden kann.

AWS stellt Blockchain-as-a-Service über AWS Blockchain Templates zur Verfügung.
AWS stellt Blockchain-as-a-Service über AWS Blockchain Templates zur Verfügung.
Foto: AWS

Mit AWS Blockchain-Vorlagen (Templates) können Unternehmen ohne großen Aufwand Blockchain-Netzwerke erstellen und betreiben. Beim Erstellen eines Blockchain-Netzwerkes durch AWS Blockchain-Vorlagen werden automatisch alle notwendigen Ressourcen in AWS erstellt und konfiguriert.

Oracle Blockchain Service

Auch Oracle bietet in seiner Cloud-Lösung "Oracle Cloud" die Möglichkeit, B2B-Aktionen In Form von Blockchain-as-a-Service zu nutzen. Bei Oracle wird ebenfalls die komplette Infrastruktur in der Cloud bereitgestellt. Unternehmen müssen nur die Ressourcen buchen und bezahlen, die sie für Blockchain in der Oracle-Cloud nutzen wollen. Oracle Blockchain Service kann im internen Cloud-Netzwerk genutzt werden, aber natürlich auch zusammen mit Lieferanten und Kunden im Unternehmen. Lokale Serveranwendungen lassen sich an den Clouddienst anbinden.

Oracle bietet in seiner Cloudl-Lösung ebenfalls Blockchain-as-a-Service an.
Oracle bietet in seiner Cloudl-Lösung ebenfalls Blockchain-as-a-Service an.
Foto: Oracle

Oracle Blockchain Service erstellt, ähnlich wie AWS Blockchain-Vorlagen, automatisch alle Ressourcen in der Oracle-Cloud, die für das Blockchain-Netzwerk notwendig sind. Dazu gehören virtuelle Computer, Container, Speicher sowie die Verwaltung der Identitäten und alles weitere. Wenn der Blockchain-Dienst erstellt ist, haben Unternehmen Zugriff auf eine komplette Blockchain-Plattform, inklusive aller notwendigen Funktionen wie Mitgliedservice, Peerknoten, Bestellservice, REST-Proxy und einiges mehr. Verwaltet wird der Blockchain-Service über die webbasierte Admin-Konsole.

Der Dienst kann auch zusammen mit Partnern genutzt werden. Dazu bietet Oracle die Erstellung von Hybridnetzwerken an, mit denen sich auch Server außerhalb der Oracle-Cloud anbinden lassen. Serverinstanzen können darüber hinaus auch in der Oracle Public Cloud bereitgestellt werden.

IBM Blockchain Platform mit Hyperledger

IBM bietet mit IBM Blockchain Platform einen Cloud-dienst in der IBM-Cloud an, mit dem sich ein hochsicheres Blockchain-Netzwerk erstellen lässt. IBM bezeichnet seine Plattform als Marktführer, den bereits hunderte Unternehmen nutzten. Ein prominentes Beispiel ist der amerikanische Handelsriese Walmart. Auch Nestlé und Unilever setzen die Blockchain-Plattform von IBM für eigene Technologien ein, zum Beispiel, um die Sicherheit zu verbessern.

IBM Blockchain Platform nutzt Funktionen, die aus dem Hyperledger-Fabric-Framework entstanden sind und das Hyperledger-Composer-Blockchain-Tool nutzen. Beide werden von der Linux Foundation als Open-Source-Software zur Verfügung gestellt. Es stehen APIs zur Verfügung, mit denen sich die Blockchain-Technologie auch in eigene Anwendungen des Unternehmens integrieren lassen. IBM verspricht, dass sich die eigene Blockchain-Technologie schnell und einfach integrieren lässt, auch von Entwicklern, die in diesem Bereich noch nicht spezialisiert sind.

IBM stellt auch die eigene Sicherheit seiner Blockchain Platform heraus. Die Plattform bietet die Sicherheitskategorie FIPS140-2 Level 4. Außerdem hat IBM keinerlei Zugriff auf die Blockchain-Daten.

Blockchain in Microsoft Azure mit Azure Blockchain Workbench

Microsoft bietet Blockchain als Dienst in Microsoft Azure an. Entwickler können in diesem Bereich mit modularen und vorkonfigurierten Netzwerken arbeiten. Microsoft nutzt Blockchain in Microsoft Azure selbst, um zum Beispiel die Lizenzierung für Xbox-Spiele zu optimieren.

In Microsoft Azure stehen über den Azure Marketplace auch verschiedene Blockchain-Dienste von Drittherstellern zur Verfügung.
In Microsoft Azure stehen über den Azure Marketplace auch verschiedene Blockchain-Dienste von Drittherstellern zur Verfügung.
Foto: Microsoft

Mit Azure Blockchain Workbench lassen sich Apps, die auf Blockchain setzen, schneller und einfacher erstellen. Die verschiedenen Szenarien, die Unternehmen mit Blockchain darstellen wollen, können mit Bordmitteln in Microsoft Azure erstellt und konfiguriert werden. Wer auf Blockchain in Microsoft Azure setzt, kann die verschiedenen Dienste in Microsoft Azure in die eigene Blockchain-as-a-Service-Infrastruktur mit einbinden.

Dazu gehören auch Dienste zur Bereitstellung von Big Data, virtuelle Server, leistungsstarke Speicherdienste und sichere Netzwerke, auch ins eigene Rechenzentrum. Zur Identitätsverwaltung kann auf Azure Active Directory gesetzt werden. Die Schlüssel für die Verschlüsselung können wiederum in Azure Key Vault gespeichert werden.

Im Azure Marketplace lassen sich dazu auch verschiedene Dienste von Drittanbietern dazu buchen. Dazu gehören Corda, Ethereum und Hyperledger Fabric. Einige große Unternehmen wie Nestlé und 3M setzen auf Technologien in Microsoft Azure Blockchain Workbench.

Azure Blockchain Workbench hilft dabei, eigene Blockchain-Anwendungen zu erstellen. Auch hier ergibt sich der Vorteil, dass durch die Assistenten in Azure Blockchain Workbench die notwendigen Ressourcen in Microsoft Azure automatisiert erstellt und konfiguriert werden können.

Google arbeitet an eigener Blockchain-Lösung

Auch Google arbeitet derzeit an einer eigenen Blockchain-Lösung, die vermutlich im eigenen Cloud-Dienst bereitgestellt werden soll. Google gehört zu den größten Investoren in Unternehmen, die sich mit Blockchain auseinandersetzen. Zu den Firmen, die Google unterstützt, gehören der dezentrale Cloudspeicher Storj und die Handelsplattform für Kryptowährungsderivate LedgerX. Auch Veen wird unterstützt. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Blockchain vor allem für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Im Gegensatz den großen Konkurrenten IBM, Oracle und Microsoft hat Google derzeit aber noch kein Blockchain-as-a-Service-Angebot auf dem Markt.

SAP Leonardo Blockchain as a Service

SAP bietet mit SAP Leonardo Blockchain as a Service, auch SAP Cloud Platform Blockchain genannt, ebenfalls einen Cloud-Dienst an, mit dem sich Blockchain in der Cloud nutzen lässt. Auch hier kann der Zugriff von jedem Gerät aus erfolgen, ohne dass im eigenen Netzwerk Hardware notwendig ist.

SAP bietet mit Cloud Platform Blockchain die Blockchain-Technologie als Dienst in seiner Cloud-Plattform an.
SAP bietet mit Cloud Platform Blockchain die Blockchain-Technologie als Dienst in seiner Cloud-Plattform an.
Foto: SAP

Leornado baut auf Hyperledger auf, ähnlich wie die IBM Blockchain Platform. Genutzt werden kann Leornado über SAP Cloud Service. Der Dienst kann auch in Internet-of-Things-Infrastrukturen (IoT) eingesetzt werden, zum Beispiel für Micro-Payments. Hier können an das Internet angebundene Geräte Kaufaktionen ausführen, die über die Blockchain abgerechnet werden. Der Vorteil beim Einsatz der SAP Cloud Platform Blockchain besteht darin, dass in einem gemeinsamen Ökosystem verschiedene Dienste zusammengefasst werden können, also zum Beispiel Blockchain und Internet-of-Things-Geräte.

HPE R3 - Blockchain auf Corda-Basis

HPE bietet Blockchain-as-a-Service auf Basis von Corda an. Corda ist ein spezialisiertes Kontobuch für Finanzinstitute zur Abwicklung von Finanztransaktionen. Auch in Microsoft Azure kann Corda genutzt werden. Corda setzt auf die Mission Critical Server Services von HPE auf, um Unternehmen Stabilität und Skalierbarkeit zu bieten. So lassen sich verteilte Ledger-Anwendungen in die Produktion bringen.

Huawei bietet Blockchain-Service-Plattform auf Basis von Hyperledger

Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei will ebenfalls Blockchain-as-a-Service zur Verfügung stellen. Auch dieses Angebot basiert auf Hyperledger, einem Open-Source-Blockchain-System, das seit 2015 von der Linux Foundation zur Verfügung gestellt wird. Als Basis für den neuen Dienst dient die Huawei-Cloud.