Digitaler Zwilling

Was ist dran am Digital-Twin-Hype?

Mark Alexander Schulte verstärkt seit 2011 das IDC-Team in Frankfurt. Der studierte Betriebswirt ist mit der Durchführung von kundenspezifischen Consulting-Projekten sowie der Erstellung von Studien betraut. Als Analyst konzentriert Schulte sich insbesondere auf die Themen Enterprise Mobility, Internet of Things, Industrie 4.0 sowie Social Enterprise Collaboration und steht dabei im engen Austausch mit allen Akteuren des Marktes. Schulte ist Autor zahlreicher Artikel und wird regelmäßig in der einschlägigen Wirtschafts- und Fachpresse zitiert.
Digital Twins haben sich zu einem der heißesten Themen in der Fertigung entwickelt: Sie bringen Innovation und Entwicklung voran, verbessern die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette und ermöglichen einen unterbrechungsfreien Betrieb der vernetzten Produkte und Anlagen.

Digitale Zwillinge oder auch virtuelle Stellvertreter können eingesetzt werden, um eine Vielzahl von Aufgaben in der Produktion zu bewältigen, unter anderem auch für hochkomplexe, kundenspezifische Produkte und damit verbundene Produktionsanlagen. Mithilfe von Daten und Prozessen aus mehrstufigen Lieferketten, Wartungs- und Serviceplänen sowie der Betriebsumgebung werden digitale Zwillinge ständig mit den neuesten Informationen über die vergangene, aktuelle und zukünftige Leistung und den Zustand von Produkten, Einrichtungen und Anlagen versorgt.

Simulation einer Autoproduktionsanlage mit Robotern und einem Digital Twin am Siemens-Stand auf der Hannover-Messe 2018
Simulation einer Autoproduktionsanlage mit Robotern und einem Digital Twin am Siemens-Stand auf der Hannover-Messe 2018
Foto: Alexander Tolstykh - shutterstock.com

Da sich Engineering, Fertigung und Service über ein breites externes Ökosystem von Partnern und Kunden erstrecken, stellt sich natürlich die Frage, wie man am besten über diese komplexen Prozesse und Ressourcen hinweg kommunizieren kann. Da die Produkte und Anlagen immer häufiger mittels IoT miteinander verbunden sind, wird es möglich, Performance und Auslastung besser zu überwachen und zu kontrollieren. Wie lassen sich Daten aber am besten erfassen, zusammenführen, simulieren und analysieren, um eine herausragende Qualität und ein außergewöhnliches Kundenerlebnis zu gewährleisten?

Die Lösung ist die Bereitstellung von Inhalten und Informationen, die durch die zunehmende Zusammenarbeit und Konnektivität im Unternehmen und der Wertschöpfungskette entstehen, in digitalen Zwillingen. Der Vorteil ist, dass je nach Bedarf verschiedene Arten von digitalen Zwillingen gibt, die in einem Unternehmen eingesetzt werden können: von einem einfachen Modell für die frühen Phasen der Collaboration und Visualisierung bis hin zu einem vollständigen, mehrstufigen Modell für Produkte oder Anlagen zur kontinuierlichen Betriebs- und Leistungsoptimierung.

Digitale Zwillinge als Schlüssel zur digitalen Transformation

Während die Industrie ihre Geschäftsprozesse weiterhin digital transformiert und auf eine erweiterbare, offene Plattform verlagert, die innerhalb und außerhalb des Unternehmens sowie zwischen IT- und OT-Prozessen funktioniert, werden flexible, digitale Zwillinge zu einem entscheidenden Werkzeug, um konsistente Kommunikation, Zusammenarbeit, Interaktion und Betriebsabläufe über ein digitales Netzwerk zu erreichen.

Aus Sicht von IDC gibt es drei wichtige Argumente für den Einsatz von digitalen Zwillingen in der Produktion:

  • Das Verständnis und die Prognosen über die Leistung und den Betrieb von Anlagen und Produkten können verbessert werden

  • Durch das IoT und die Visualisierung von Daten und Analysen lassen sich positive Geschäftsergebnisse erzielen

  • Die IT/OT-Integration ermöglicht eine holistische Sicht auf Produkte, Assets und Anlagen in Echtzeit

Die spätestens seit der Hannover Messe ausgebrochene "Digital Twin"-Mania hat dazu geführt, dass das produzierende Gewerbe auch hierzulande anfängt, die Vorteile digitaler Zwillinge zu erkennen: klare Kommunikation, schnelle Abwicklung, umfassende Transparenz, präzise und effiziente Reaktion auf Nachfragen, die Monetarisierung von IoT-Daten, einen vorausschauenden, proaktiven Service sowie eine engere Zusammenarbeit mit den Kunden sind gute Argumente, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir von IDC verfolgen die Entwicklung im Markt natürlich weiterhin und halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden. (mb)