Für den Digitalisierungsschub

Weiterbildung – jetzt erst recht!

Kommentar  23.10.2020
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Prof. Dr. Volker Gruhn ist Mitgründer und heute Aufsichtsratsvorsitzender der adesso AG. Außerdem hat er den Lehrstuhl für Software Engineering an der Universität Duisburg-Essen inne. Gruhn forscht unter anderem über mobile Anwendungen und Cyber-Physical Systems.
Die Pandemie sorgt für einen Digitalisierungsschub, heißt es. Ein Selbstläufer wird das ohne entsprechende, berufliche Weiterbildung jedoch nicht.
Die Coronakrise hat die Bedeutung einer durchdigitalisierten Gesellschaft vor Augen geführt. Damit der gegenwärtige Schub anhält, braucht es Menschen, die Digitalisierung mit ihrem Know-how erst ermöglichen und vorantreiben.
Die Coronakrise hat die Bedeutung einer durchdigitalisierten Gesellschaft vor Augen geführt. Damit der gegenwärtige Schub anhält, braucht es Menschen, die Digitalisierung mit ihrem Know-how erst ermöglichen und vorantreiben.
Foto: Blue Planet Studio - shutterstock.com

In der Pandemie hält die IT den Laden am Laufen, konstatierten wir vor einigen Monaten mitten im Lockdown. Wie elementar gut ausgebaute IT-Infrastrukturen und effiziente Softwareanwendungen für die Zusammenarbeit von Menschen sind, die sich von einem Tag auf den anderen nicht mehr persönlich begegnen können, wurde glasklar. Die Coronakrise hat die Bedeutung einer durchdigitalisierten Gesellschaft vor Augen geführt. New Work, die Neugestaltung von Wertschöpfungsprozessen im globalen und digitalen Zeitalter, avanciert in diesem Krisenjahr zum Top-Thema.

Von einem "Digitalisierungsschub" ist daher allenthalben die Rede. Damit der auch gelingt, steht nun der weitere Ausbau der Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Egal, ob in Unternehmen oder in der öffentlichen Verwaltung - wir benötigen die digitale Transformation in all unseren Prozessen und auf allen Ebenen unserer Wirtschaft. Teamarbeit in Unternehmen ist ohne funktionierende IT, digitale Plattformen und Kollaborations-Tools undenkbar geworden. An vielen Stellen werden die Versäumnisse der letzten Jahre auf diesem Gebiet schmerzhaft deutlich.

Falsche Signale in der Krise

Dabei ist die Technologie die eine Seite der Medaille, auf der anderen sind es die Menschen, die die Digitalisierung mit ihrem Know-how erst ermöglichen und vorantreiben. Dafür braucht es heute mehr denn je einen massiven Ausbau unserer Weiterbildungslandschaft - für neue Qualifikations- und Zukunftsprofile von Fach- und Führungskräften in der Wirtschaft. Die Dynamik und Innovationsgeschwindigkeit in der Digitalisierung sind hoch, die Technologieentwicklung verläuft exponenziell - das Wissen der Beschäftigten in den Unternehmen dagegen hinkt hinterher. Auch das Wissen um die Beschaffenheit der Qualifikationsprofile der Zukunft - als Treiber von Digitalisierung und Innovation - ist in den wenigsten Unternehmen umfassend vorhanden. Lebenslanges Lernen: so aktuell wie nie!

Dazu passt so gar nicht, dass die Pandemie offenbar zu einer gravierenden Vernachlässigung von Personal- und Organisationsentwicklungsmaßnahmen führt. Laut der aktuellen Berufsfeldstudie 2020 des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) geraten in vielen Unternehmen entsprechende Maßnahmen zum Stillstand. Jedes zweite Unternehmen schränkt demnach aktuell seine Weiterbildungsbudgets ein, bei den Großunternehmen gar über 60 Prozent.

Für den erwünschten Digitalisierungsschub unserer Gesellschaft ist dies definitiv das falsche Signal. Jetzt, gerade in der Krise, sollte an Weiterbildung nicht gespart werden. Dazu ist der Bedarf unserer Wirtschaft an Digitalisierungs-Know-how einfach zu groß. In der BPM-Umfrage konstatiert jeder zweite Personalmanager Fortbildungsbedarf zum Thema Digitalisierung. Hinzu kommt: Beschäftigte verfügen aktuell aufgrund der Wirtschaftssituation über mehr und flexiblere Zeit. Es ist das Gebot der Stunde, diese Zeit sinnvoll in wettbewerbsentscheidende Weiterbildung zu investieren.

Was Weiterbildung heute braucht

Die Politik hat dies schon im Frühjahr erkannt und mit dem "Arbeit-von-morgen-Gesetz" interessante Anreize für Unternehmen geschaffen, um die Zeit der Kurzarbeit zu nutzen und in Fortbildungsmaßnahmen ihrer Mitarbeitenden zu investieren. Welche Formate sich hier die Unternehmen und Beschäftigten in diesen Zeiten wünschen und wie sie die Weiterbildung der Zukunft sehen, dies zeigt die Bitkom-Umfrage zum Thema "Weiterbildung 2025". Demnach bevorzugen Unternehmen wie Beschäftigte vor allem die neuen hybriden Weiterbildungsformate, bestehend aus Präsenzschulungen einerseits und Online-Tutorials andererseits.

Diese Mischformen der Wissensvermittlung haben sich in den letzten Monaten im Bildungswesen bewährt. Sie sind ideal für unsere Arbeitswelt, die gerade durch Kurzarbeit gezeichnet ist und zukünftig noch stärker von Homeoffice, Remote Work und flexibler Zeiteinteilung geprägt sein wird. Eine Rückkehr zur reinen Präsenzkultur im Aus- und Weiterbildungsbereich scheint auch nach Corona höchst unwahrscheinlich.

Dafür sind die Vorteile zu überzeugend: Mit attraktiven, hochwertigen Online-Weiterqualifizierungen sind Unternehmen in der Lage, in Weiterbildung zu investieren und dabei Reisekosten einzusparen; die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wiederum können ihre Fortbildung flexibel, eigenverantwortlich und zeitsparend organisieren - durchaus auch parallel zum Tagesgeschäft. Punkte, die die Befragten in der Bitkom-Studie hervorhoben. Unternehmen, die das zukünftig berücksichtigen, können ihre Arbeitgebermarke stärken. Denn Unternehmen mit den attraktivsten Weiterbildungsangeboten werden die besten Köpfe für sich gewinnen und langfristig an das Unternehmen binden.

State-of-the-Art-Fortbildung

Stichwort Attraktivität: Um das Thema Weiterbildung den Unternehmen schmackhaft zu machen - auch und gerade denen, die derzeit auf die Kostenbremse treten müssen - sollten sich die Inhalte an höchsten Qualitätsansprüchen orientieren. Gerade für die Klientel der Fach- und Führungskräfte der Digitalgesellschaft müssen Lerninhalte zum E-Learning zur Verfügung gestellt werden, die qualitativ hochwertig und didaktisch überzeugend aufbereitet sind.

Ein anspruchsvolles Re- und Up-Skilling nach State of the Art für die Digitalisierungsexperten der Zukunft. Nur so können sich langjährig tätige Softwareentwickler beispielsweise dafür begeistern, sich neben der Arbeit zum Java- oder Python Developer, zum Data Scientist, Fintech Engineer oder Customer Success Specialist weiterqualifizieren zu lassen, um nur einige Berufsprofile der Zukunft zu nennen.

Unternehmen, die ihre Personalentwicklung auch und gerade in diesen Krisenzeiten nicht vernachlässigen wollen, sind gut beraten, wenn sie sich für diese Agenda mit Qualifizierungs- und Bildungsträgern zusammentun, die über das Wissen, die Trainer, die Methoden und die Plattformen von morgen verfügen. Um gemeinsam und erfolgreich die erforderliche digitale Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft zu bewerkstelligen. (am)