Digitale Transformation

IT-Abteilungen sind die Treiber der Digitalisierung

02.03.2015
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Das Topmanagement muss moderieren

Dass in 39 Prozent der Fälle Instanzen aus dem Topmanagement aktiv an der digitalen Transformation im Unternehmen beteiligt sind, begründet Crisp Research damit, dass disruptive Veränderungen manchmal schmerzhaft sind und Entscheidungen von ganz oben brauchen. Erschwerend hinzu komme, dass die meisten Mitarbeiter heute in ihrem privaten Umfeld bereits "digitalisiert" seien und ihre eigenen Vorstellungen davon hätten, welche Maßnahmen richtig oder falsch sind. Deshalb müsse das Management schon mal vermittelnd eingreifen, die Anliegen der Abteilungen einordnen und gegebenenfalls an die IT weiterreichen.

Wichtiger noch ist aber, dass die digitale Transformation die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinflusst. Das gilt etwa für die internen Prozesse, das Kundenerlebnis oder die Schnittstelle zu Partnern und Lieferanten. Unternehmensleitungen, die ihren Job ernst nehmen, werden sich daher in den Digitalisierungsprozess einbringen. In manchen Fällen existieren für diese Aufgabe sogar ganze Abteilungen, die lenkend in die digitale Transformation eingreifen.

Der Einfluss der IT steigt weiter

Die Erwartungen an die IT-Abteilungen sind angesichts der digitalen Herausforderung hoch. Gut ein Drittel der Befragten sieht die IT in der Rolle des Strategen - laut Crisp ein Beleg dafür, wie groß das Vertrauen in die IT oft ist. Einfluss und Verantwortung der IT werden weiter steigen, lautet die Prognose. Jeder fünfte Befragte erwarte von der IT neue Impulse und Ideen. Ein weiteres Drittel sieht die IT-Profis eher in der Rolle der Umsetzer. Nur eine kleine Minderheit (fünf Prozent) bezeichnet die interne IT-Mannschaft als "Bedenkenträger", mit der ein digitaler Umbau schwerfalle.

In den Unternehmen, die bereits eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie implementiert haben, tritt die interne IT in über der Hälfte der Fälle als Umsetzer auf (51 Prozent). Dort, wo sie eher als Ideengeber oder Stratege charakterisiert wird, ist meist eine Neigung zum Outsourcing feststellbar. In diesen Fällen beschränkt sich die IT auf die Überwachung der laufenden Prozesse und Applikationen.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Bedeutung der IT in den Unternehmen "drastisch zunimmt". Allerdings werde sie nicht immer als die Abteilung wahrgenommen, deren Kernkompetenz die digitale Transformation ist. Dennoch wachse ihr im Zuge dieser Veränderungen bereichsübergreifend eine immer wichtigere Bedeutung zu. Laut Crisp Research bedeutet das, dass sich "das Zusammenspiel zwischen der IT und den jeweiligen Fachabteilungen verbessern muss, um das Tagesgeschäft des Unternehmens maßgeblich zu fördern".

Befragt nach den Aufgaben, die im Kontext der digitalen Transformation auf die Unternehmens-IT zukämen, waren sich die Befragten einig, dass das Integrieren, Entwickeln, Betreiben und Verbessern neuer Anwendungen im Vordergrund stehen müssen. Doch auch in Sachen Innovations-Management werden klare Impulse erwartet.

Leadership-, Developer- und Startup-Kultur

In ihrer klassischen Rolle hat die IT-Abteilung bislang vor allem einen sicheren IT-Betrieb gewährleistet. Sie hat Infrastrukturen und infrastrukturnahe Services zur Abbildung der Geschäftsprozesse bereitgestellt und dieser Aufgabe alles andere untergeordnet. Dazu musste die IT die internen und externen Geschäftsprozesse kennen und gestalten - eine Voraussetzung, die auch in Zukunft gilt. Auch Beratungskompetenz wird die IT wie schon in den vergangenen Jahren mitbringen müssen.

Dennoch gibt es deutliche Verschiebungen, was ihre Ausrichtung angeht. IT-Abteilungen müssen nach Ansicht der Befragten eine Leadership-, eine Developer- und eine Startup-Kultur ausprägen. Sie müssen sich bewusst werden, dass ihr Einfluss auf den Geschäftserfolg zunimmt. Daher sei es wichtig, dass die IT in die Rolle des "Leaders" hineinwachse. Addiert man die "hohe" und die "sehr hohe Zustimmung" in dieser Frage, dann erreicht die Leadership-Kultur mit 83 Prozent sogar den höchsten Wert. Der IT-Organisation der Zukunft kommt also eine Führungsrolle zu.

Digitale Transformation bedeutet aber auch, dass Entscheidungen schneller fallen und Marktreaktionszeiten verkürzt werden müssen. Dafür gilt es die Rahmenbedingungen zu schaffen. "Run IT like a Startup" könnte zum Motto vieler IT-Abteilungen werden. Es gilt eine Umgebung zu schaffen, in der Kreativität entstehen und Innovation angestoßen werden kann. Was so einfach klingt, bedeutet für viele IT-Shops einen Sinneswandel.

Die Befragten halten es für besonders wichtig, dass innerhalb der IT mehr Verantwortung auf den Schultern der Entwickler lastet und diese entsprechende Freiräume bekommen. Nur wenn Betrieb und Entwicklung näher zusammenrückten - Stichwort: DevOps -, habe die IT eine Chance, den allseits geforderten Beitrag zur digitalen Transformation zu leisten. Die hohe Zustimmung für die Forderung, eine Startup- (28 Prozent) beziehungsweise Developer-Kultur (32 Prozent) zu schaffen, untermauert dies eindrucksvoll.