Digitale Transformation

IT-Abteilungen sind die Treiber der Digitalisierung

02.03.2015
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

Ohne externe Partner geht wenig

Um das Design und den Aufbau moderner Infrastrukturen auf Basis von Cloud (SaaS)- und SDN-Technologien hinzubekommen, greifen 81 Prozent der Befragten auf die Hilfe externer Partner und Service-Provider zurück. Die Unternehmen haben nach Ansicht der Studienautoren nicht ausreichend Wissen aufgebaut, um dem digitalen Wandel ganz aus eigener Kraft zu begegnen. Im Übrigen denken viele Vorstände, dass es nicht zu den Kernkompetenzen ihres Unternehmens gehöre, Rechenzentren, IT-Infrastrukturen und Systeme aufzubauen und zu betreiben.

Darüber hinaus ist die Entwicklung von neuen, digitalen Geschäftsmodellen und das Design der dafür notwendigen Prozesse nicht trivial. Nur eine Minderheit von etwa einem Fünftel (19 Prozent) der befragten Unternehmen schätzt die Fähigkeiten ihrer internen IT-Abteilung als gut genug ein, um die digitale Transformation ohne externen Partner zu meistern.

Zudem haben externe Rechenzentren- und Infrastrukturservices einen steigenden Stellenwert. 47 Prozent der Befragten lagern zwischen 20 und 80 Prozent ihrer IT auf externe RZ- und Infrastrukturservices aus. Dabei zeigt sich, dass Unternehmen, in denen der Infrastruktur eine geringe Bedeutung zukommt, weniger Outsourcing betreiben. Wo dagegen die Infrastruktur als sehr wichtig gilt, sind externe Anbieter gefragt. Hintergrund ist, dass Anwender dort in der Regel moderne, skalierbare und zuverlässige Infrastrukturen der nächsten Generation vorfinden.

Was erwarten Anwender von den IT-Lösungen der nächsten Generation? Bei nahezu allen Befragten (94 Prozent) steht das Thema Sicherheit und Ausfallsicherheit auf der Prioritätenliste ganz oben. Weitere Topthemen sind Flexibilität, Agilität und Reaktionsgeschwindigkeit. Für 90 Prozent der befragten Unternehmen sind diese drei Eigenschaften die wichtigsten Charakteristika bei der Auswahl einer Next Generation IT.

Service-Provider müssen also vor allem darauf achten, dass sie mit der Geschwindigkeit ihrer Kunden Schritt halten und schnell auf veränderte Anforderungen reagieren können. Auf den weiteren Plätzen folgen die Themen Innovation (85 Prozent) und Skalierungsfähigkeit (82 Prozent). Deutsche Unternehmen nehmen somit die Anbieter in die Pflicht, sie mit neuen technischen Lösungen zu versorgen, um den digitalen Wandel zu meistern. Gleichzeitig spielt die technische Skalierbarkeit der Infrastruktur, um Lastspitzen abzufangen, aber auch die globale Reichweite eine wichtige Rolle - man möchte schnell in internationale Märkte expandieren können.

Ohne mehr Budget wird der Wandel schwierig

Angesprochen auf die größten Hemmnisse der Unternehmens-IT zur Implementierung einer Next-Generation-IT nennt knapp ein Drittel der Befragten ein zu geringes IT-Budget. Um den rasant wachsenden Anforderungen der Fachabteilungen auf der Infrastrukturebene gerecht zu werden, reicht der vorhandene Etat oft nicht aus. Wie die Studienautoren feststellen, geht es um mehr als den Betrieb von ein paar mehr Servern. So sagen 23 Prozent der Befragten, sie müssten erst einmal ihre inflexible IT-Organisationsstruktur auf Vordermann bringen. 20 Prozent sehen Probleme mit der veralteten Rechenzentrumsinfrastruktur und 19 Prozent mit der System-und Netzwerkarchitektur. Doch nicht nur die unflexible IT wird beklagt, auch die geringe Unterstützung durch das Senior Management ist 19 Prozent der Befragten ein Dorn im Auge.

Die Studie

In Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Dimension Data hat Crisp Research Ende letzten Jahres die unabhängige Studie "Digital Business Readiness" umgesetzt. Ziel war es, ein Stimmungsbild deutscher Unternehmen zum aktuellen Stand ihrer digitalen Transformation zu zeichnen.

  • Basis: 100 Unternehmens- und IT-Entscheider aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, davon je ein Drittel aus Betrieben mit 1000 bis 5000 sowie mit über 5000 Mitarbeitern.

  • Branchen: 40 Prozent der Befragten kommen aus der produzierenden Industrie, 14 Prozent aus Banken und Versicherungen, zwölf Prozent aus dem Groß-und Einzelhandel. Der Rest verteilt sich auf sieben weitere Branchen.

  • Umsätze: 43 Prozent der Umfrageteilnehmer erwirtschafteten 2013 in ihren Unternehmen Einnahmen von 100 Millionen bis zu einer Milliarde Euro. Weitere 34 Prozent befinden sich in der Gruppe zwischen einer Milliarde und zehn Milliarden Euro, sieben Prozent liegen bei über zehn Milliarden Euro. Weniger als 100 Millionen Euro nahmen ebenfalls sieben Prozent ein. Über die übrigen neun Prozent gibt es keine Angaben.

  • Die Befragten: 46 Prozent sind CIOs oder IT-Leiter, weitere 14 Prozent sind IT-Infrastruktur- oder RZ-Leiter. Jeweils zwischen acht und zehn Prozent der Stimmen entfallen auf Senior-, Strategie- und Prozess-Management sowie auf Sonstige.