Public-Cloud-Anbieter im Porträt

Google Cloud Platform soll AWS Paroli bieten

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Die Aufholjagd von Google bei Public-Cloud-Services war bislang nur mäßig erfolgreich. Auch Ende 2017 bleibt der Anbieter hinter Amazon Web Services und Microsoft der weltweit drittgrößte Cloud-Service-Provider. Doch das will Googles Cloud-Chefin Diane Greene nun ändern und mit der Google Cloud Platform (GCP) sogar den Marktführer Amazon angreifen.

Auf dem Cloud-Markt nichts Neues - oder besser gesagt nur geringfügige Veränderungen. So lässt sich die Situation bei Public-Cloud-Diensten beschreiben. Die Rangordnung ist im Herbst 2017 dieselbe wie vor einem Jahr. Bezogen auf den weltweiten Umsatz ist nach wie vor Amazon Web Services (AWS) der dominierende Anbieter. Nach Berechnungen von Skyhigh Networks, einem Anbieter von Sicherheitslösungen für die Cloud, betrug der weltweite Marktanteil von AWS im Bereich Public-Cloud-Computing an die 47 Prozent. Microsoft mit seiner Azure-Plattform folgte mit 10 Prozent Anteil auf dem zweiten Platz. Google dagegen rangierte mit vier Prozent wie im Jahr zuvor auf Rang drei.

Cloud-Markt-Entwicklung in Milliarden Dollar: Der weltweite Umsatz mit IaaS-Diensten könnte in drei bis vier Jahren den mit Software as a Service übersteigen.
Cloud-Markt-Entwicklung in Milliarden Dollar: Der weltweite Umsatz mit IaaS-Diensten könnte in drei bis vier Jahren den mit Software as a Service übersteigen.
Foto: Skyhigh Networks

Also alles wie gehabt? Nicht ganz, denn "Google hat durchaus eine gute Chance, sich zu einem starken Mitbewerber von AWS und Microsoft zu entwickeln", sagt Nigel Fenwick, Vice President und Principal Analyst beim Marktforschungshaus Forrester Research. Google werde zwar die beiden führenden Cloud-Anbieter nicht in naher Zukunft überflügeln können. Doch zählen laut Fenwick die Angebote des Unternehmens vor allem in technologischer Hinsicht zum Besten, was derzeit auf dem Markt zu finden ist.

Diane Greene will mit Google den Cloud-Marktführer AWS in etwa fünf Jahren überflügeln
Diane Greene will mit Google den Cloud-Marktführer AWS in etwa fünf Jahren überflügeln
Foto: Google

Diane Greene, die als Vice President bei Google für das Cloud-Geschäft zuständig ist, wird solche Worte gerne hören. Im Frühjahr 2017, im Rahmen der Konferenz Google Cloud Next, legte sie die Latte für sich und ihre Mitarbeiter deutlich höher als bislang: "Wir glauben, dass wir Amazon Web Services bis in fünf Jahren einholen können", so die ambitionierte Aussage.

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Google-Cloud Umsatz wächst kräftig - vermutlich

Diane Greene stieß Ende 2015 zu Google. Pikanter Weise ist Greene die ehemalige Mitbegründerin und Geschäftsführerin von VMware. Sie trat unter anderem gegen ihren alten Arbeitgeber an, der mit "VMware vCloud Air" ebenfalls auf dem Public-Cloud-Markt präsent war. Allerdings konnte sich VMwares Cloud-Lösung nicht gegen die Konkurrenz von AWS, Microsoft, Oracle, IBM - und Google durchsetzen. Im Frühsommer 2017 kündigte der Rechenzentrumsbetreiber und Cloud-Service-Provider OVH an, die Sparte vCloud Air zu übernehmen. Ende August meldete das Unternehmen mit Hauptsitz in Roubaix (Frankreich) den Vollzug der Übernahme. Noch offen ist allerdings, welchen Stellenwert OVH dem Cloud-Geschäft beimessen wird.

In welchem Umfang die Google Cloud Platform zum Gesamtumsatz von Google beiträgt, lässt sich nur grob schätzen. Im Gegensatz zu AWS führt das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht keine separaten Zahlen auf. Der Bereich "Andere Geschäftsaktivitäten", unter dem Google unter anderem die Einnahmen aus dem Cloud-Geschäft verbucht, verzeichnete in den ersten zwei Quartalen des Geschäftsjahres 2017 im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzzuwachs von 42 Prozent auf rund 3,1 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Online-Anzeigen von Google erreichte im Vergleich dazu in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres ein Volumen von 22,67 Milliarden Dollar.

Das Marktforschungsunternehmen Canalys taxiert den weltweiten Umsatz von Google mit IaaS-Diensten (Infrastructure as a Service) im ersten Quartal 2017 auf etwa 500 Millionen Dollar.
Das Marktforschungsunternehmen Canalys taxiert den weltweiten Umsatz von Google mit IaaS-Diensten (Infrastructure as a Service) im ersten Quartal 2017 auf etwa 500 Millionen Dollar.
Foto: Canalysis

Das Marktforschungsunternehmen Canalys taxiert den weltweiten Umsatz von Google mit Cloud-Diensten im Bereich IaaS (Infrastructure as a Service) im ersten Quartal 2017 auf etwa 500 Millionen Dollar. AWS kam auf 3,5 Milliarden Dollar - ein Plus von 43 Prozent im Vergleich zu 2016. Microsoft konnte den Umsatz fast verdoppeln (+93 Prozent) und verbuchte einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Dollar.