Cloud-Giganten

IBM Softlayer und Bluemix auf dem Prüfstand

29.02.2016
René Büst ist Technology Analyst & Advisor mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Der Public-Cloud-Markt ist hart umkämpft. Lesen Sie, mit welchen IaaS- und PaaS-Angeboten sich IBM gegen die Platzhirsche Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure behaupten will.

Im Rahmen von Multi-Cloud-Szenarien spielen Public Cloud-Umgebungen eine zentrale Rolle. Schließlich stehen Sie sinnbildlich für die Digitale Transformation und erlauben renommierten Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle von der technischen Seite kommend zu verändern und die dafür notwendigen Prozesse anzupassen oder neu zu definieren. Für IT-Entscheider stellt sich damit die Frage, welcher der Public Cloud-Anbieter auf die Shortlist gehört. Dieser Artikel beleuchtet die Cloud-Angebote von IBM, sprich Softlayer und Bluemix. Unter mittelständischen deutschen Unternehmen haben diese Services derzeit noch Nachholbedarf, wenn es darum geht, ein Teil der Cloud-Strategie zu sein.

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Das Public Cloud-Portfolio der IBM

IBM fasst sein Cloud-Portfolio unter der "IBM Cloud" zusammen, um aus strategischer Sicht die vier Säulen "Auswahl", "DevOps", "Industriefokus" und "Analytics" zu unterstützen. Hierzu deckt IBM den vollständigen Cloud-Stack ab und bietet anhand von Software-as-a-Service (SaaS) und Business-Process-as-a-Service (BPaaS) eine Vielzahl unterschiedlicher Lösungen für die Zusammenarbeit, das Marketing oder den Handel an, darunter etwa Smarter Commerce, Smarter Analytics, Smarter Cities, Smarter Workforce oder Watson.

Den diversen SaaS- und BPaaS-Angeboten der IBM-Cloud liegen als Middleware-Basis der Platform-as-a-Service (PaaS) "Bluemix" und im Infrastructure-as-a-Service (IaaS-)Bereich "Softlayer" zugrunde.

IBM Softlayer - IaaS inklusive Bare-Metal-Server

Softlayer selbst wurde 2005 gegründet und im Juli 2013 von IBM akquiriert. Anhand von weltweit 28 Rechenzentren werden die Infrastruktur-Services bereitgestellt, darunter ein Rechenzentrum in Frankfurt (FRA02). Damit lassen sich Daten zwar in Deutschland speichern, eine Georedundanz oder ein Hochverfügbarkeitszenario auf Basis von zwei Rechenzentren auf deutschem Boden kann damit jedoch nicht umgesetzt werden. Als nächstgelegene Lokationen stehen hierfür AMS01 und AMS03 in Amsterdam bereit.

Beim IBM Softlayer-Portfolio handelt es sich um ein typisches IaaS-Angebot, das sich auf wesentliche Infrastrukturangebote beschränkt. Hierzu gehören:

  • Server (virtuelle und physikalische Server)

  • Storage (Block Storage, Object Storage, Content Delivery Network via EdgeCast)

  • Netzwerk (Load Balancer, Direct Link)

  • Sicherheit (Firewall-Appliances von Partnern)

  • Management

Die Softlayer-Plattform lässt sich sowohl über eine grafische Weboberfläche als auch über gut 3000 APIs steuern. Die virtuelle Infrastrukturumgebung der Softlayer-Plattform basiert auf dem Citrix XenServer, also dem Xen Hypervisor.

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Was IBM Softlayer von anderen Public Cloud-Anbietern am Markt abhebt sind drei unterschiedliche Betriebsmodelle und das Angebot von sogenannten "Bare Metal"-Servern. Neben dem Public Cloud-Angebot stehen über Softlayer ebenfalls Private-Cloud- und Dedicated-Umgebungen bereit. "Dedicated" bedeutet, dass eine virtuelle Maschine exklusiv auf einem eigenen physikalischen Server läuft, der nicht mit Dritten geteilt wird.

Die virtuellen Public und Private Cloud Server sind standardisiert. Das heißt, ihre Konfigurationen sind nach festen Klassen vorgegeben. Die Abrechnung erfolgt pro Stunde oder monatlich. Bare Metal Server sind nichts anderes als physikalische Server. Diese können Kunden selbst konfigurieren und dabei etwa auch einen bestimmten Prozessor-Typ wählen. Bare Metal Server werden auf einer monatlichen Basis abgerechnet. Allerdings gibt es dabei gewisse Einschränkungen: Wird ein virtueller Server innerhalb der Public-Cloud-Umgebung innerhalb von fünf bis 15 Minuten bereitgestellt, benötigt ein Bare Metal Server etwa zwei bis vier Stunden. Anzumerken ist dabei aber, dass derzeit kein anderer Anbieter weltweit in der Lage ist, einen fertigen physikalischen Server in dieser Geschwindigkeit zur Verfügung zu stellen.

Eine auf Bare-Metal-Maschinen basierende Umgebung eignet sich insbesondere für Workloads, die auf eine konstante und garantierte, aber vor allem hohe Leistung angewiesen sind. Denn mit der effektiven Performance einer physikalischen Maschine kann ein virtueller Server nicht mithalten, die Leistungen lassen sich zudem auch kaum miteinander vergleichen. Geeignete Workloads in diesem Kontext sind zum Beispiel Video-Streaming, Echtzeit Video-Collaboration oder Big Data Analytics.

Weiterhin ermöglicht die IBM Softlayer Bare Metal-Umgebung eine freie Hypervisor-Wahl. Das bedeutet, auf den Bare-Metal-Servern lassen sich alle bekannten Hypervisor und Cloud-Management-Lösungen einsetzen, darunter

  • Hyper-V,

  • VMware,

  • Xen,

  • OpenStack,

  • Cloud-Stack,

  • Parallels.

Damit lassen sich eigene Infrastrukturumgebungen aufbauen und betreiben. Nach Aussagen von IBM beträgt das aktuelle Nutzungsverhältnis von virtuellen Maschinen zu Bare Metal-Servern etwa 80:20.

Eine Schwäche besitzt IBM Softlayer allerdings. Das Angebot fokussiert sich ausschließlich auf Infrastruktur-Ressourcen und vernachlässigt Microservices und Entwickler-relevante Mehrwertservices. In dieser Hinsicht kann Softlayer daher mit den führenden Public-Cloud-Anbietern nicht ernsthaft konkurrieren. Das hat IBM erkannt und positioniert Softlayer verstärkt als eigene Infrastrukturgrundlage für höherwertige Cloud-Angebote wie IBM Bluemix, mit denen die fehlenden Enablement-Services von Softlayer ausgeglichen werden sollen.

Im Public-Cloud-Markt hat IBM gegen die Platzhirsche Amazon Web Services und Microsoft Azure derzeit nur wenig Chancen.
Im Public-Cloud-Markt hat IBM gegen die Platzhirsche Amazon Web Services und Microsoft Azure derzeit nur wenig Chancen.
Foto: Crisp Research