Digitale Transformation

Wie VW, Daimler und BMW zu digitalen Champions werden wollen

04.10.2016
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Daimler - mit neuen Strukturen zum Digital Leader?

Auch Daimler will sich noch konsequenter Richtung Digitalisierung bewegen und schafft dafür neue Konzernstrukturen. Vorstandschef Dieter Zetsche schwebt eine "Schwarm-Organisation" vor, wie er Anfang September in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erklärte. Drei bis vier Prozent der Mitarbeiter sollen künftig in einem Schwarm tätig sein, der sich mit der Mobilität der Zukunft beschäftigt. Der Konzern beschreibt die Kernthemen mit der Abkürzung "Case".

Das "C" steht für Connected Cars, "a" für autonomes Fahren, "s" für Shared Mobility und "e" für Elektrifizierung. In allen vier Feldern wolle Daimler die führende Position einnehmen, so Zetsche. Schon 2015 gründete Daimler in Sindelfingen ein Kompetenzzentrum für die Bereiche "Digital Vehicle and Mobility", das alle Entwicklungsvorhaben rund um das vernetzte Fahrzeug bündeln soll.

"Digitalisierung ist für uns kein neues Thema", sagt Daniela Gerd tom Markotten, Leiterin Digital Solutions and Services Mercedes Benz LKW.
"Digitalisierung ist für uns kein neues Thema", sagt Daniela Gerd tom Markotten, Leiterin Digital Solutions and Services Mercedes Benz LKW.
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Auf dem CarIT-Kongress erläuterte Daniela Gerd tom Markotten, wie die Nutzfahrzeugsparte der Daimler AG die digitale Transformation angeht. "Digitalisierung ist für uns kein neues Thema", erklärte die Leiterin des Bereichs "Digital Solutions and Services Mercedes Benz LKW". Im Prinzip habe man bereits vor 15 Jahren damit begonnen, als die Telematik-Lösung "FleetBoard" auf den Markt kam. Seit 2011 seien LKWs mit Hilfe von FleetBoard-Diensten tatsächlich "connected". Auch das Thema autonomes Fahren sei für Daimler "gar nicht mehr so weit weg", wie etwa das System "Highway Pilot" zeige, eine Art Auto Pilot für den LKW.

Die Managerin nannte typische Herausforderungen in der Logistikbranche, die sich mit Hilfe digitaler Techniken meistern ließen. Dazu gehören etwa Standzeiten, Staus, die gefürchteten Leerfahrten oder auch ausgebuchte Rastplätze für LKW-Fahrer. Mehrere neue Technologien hätten sich dabei als "Gamechanger" für die Branche herauskristalliert, darunter Virtual Reality, Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Big Data.

In den Bereich Big Data fällt etwa das "Truck Data Center", das Daten aus rund 400 Sensoren im LKW sammelt und daraus bestimmte Aktionen ableitet. Bei drohenden Problemen am Fahrzeug informiert das System automatisch das Flotten-Management. Auch in Sachen Mobile Computing bemühe sich die LKW-Sparte um Innovationen, so Gerd tom Markotten. Neu im Portfolio ist beispielsweise die Flotten-Manager App "FleetBoard for Beginners". Zudem habe man mit dem FleetBoard Store eine Art AppStore für Flotten-Manager eingerichtet. Die Managerin betonte, dass FleetBoard grundsätzlich nicht auf Daimler-Fahrzeuge beschränkt sei, sondern auch anderen Automobilherstellern offenstehe.

Auch die Daimler-Nutzfahrzeugsparte versucht zudem, die Digitalisierung über neue Organisationsstrukturen voranzutreiben. Im April 2016 ging die Einheit "Digital Solutions & Services for Mercedes Benz Trucks" an den Start, berichtete die Managerin. Rund 300 Menschen arbeiteten dort an Innovationen, FleetBoard bilde den Nukleus. Gegenwärtig habe man mehr als 600 Ideen für Innovationen in der Pipeline. Das Motto der Digitalisierungseinheit lautet denn auch selbstbewusst: "Revolutionize the logistic world".

Wie erfolgreich diese Bemühungen sein werden, muss sich erst noch zeigen. Die Konkurrenz jedenfalls schläft nicht, wie die Daimler-Managerin ebenfalls auf dem carIT-Kongress erfahren durfte. Die MAN Truck und Bus AG präsentierte dort die digitale Plattform "RIO" für den Transport- und Logistikmarkt, über die die COMPUTERWOCHE bereits im Vorfeld berichtet hatte. Das zum Volkswagen-Konzern gehörende Unternehmen propagiert damit ebenfalls eine offene Plattform, die auch Fahrzeuge und Infrastrukturen von Wettbewerbern einbeziehen soll.