Digitale Transformation

Wie VW, Daimler und BMW zu digitalen Champions werden wollen

04.10.2016
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

BMW - die Vision vom digitalisierten Mobilitätskonzern

Etwas konkreter wurde Dieter May, Senior Vice President Digital Services and Business Models bei BMW. Im Bereich Connectivity und digitale Services sei man bereits seit zehn Jahren mit den Connected-Drive-Diensten unterwegs, erklärte er in seinem Vortrag. Im Juni hatte BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer das neue Geschäftsfeld "Digitale Services und Geschäftsmodelle" angekündigt.

Ein Team mit mehr als 150 Mitarbeitern soll sich künftig parallel zur Fahrzeugentwicklung ausschließlich um die Entwicklung und den Betrieb neuer digitaler Services kümmern. Innerhalb des Konzerns arbeite die Einheit wie eine Internet-Firma, sagte May. Seit März hat BMW zudem den ehemaligen Google-Manager Jens Monsees an Bord. Als Vice President Digital Strategy soll er die digitalen Projekte bündeln und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Mit dem Dienst BMW Connect verspricht der Autobauer „ein nahtloses Kundenerlebnis über alle Touchpoints“.
Mit dem Dienst BMW Connect verspricht der Autobauer „ein nahtloses Kundenerlebnis über alle Touchpoints“.
Foto: BMW Group

Glaubt man den diversen Ankündigungen, steht beim Münchner Automobilbauer ein Paradigmenwechsel an. Es gehe künftig nicht mehr darum, fahrzeugzentriert, sondern kundenzentriert zu entwickeln, gab May die Marschrichtung vor. BMW treibe die Digitalisierung entlang der drei Themenkomplexe digitale Kundenerlebnisse und Services, vernetztes und autonomes Fahren sowie Interieur der Zukunft voran. Das persönliche digitale Erlebnis des Kunden spiele dabei eine Schlüsselrolle.

Derartige Erlebnisse werden künftig kaufentscheidend sein, prognostizierte der Manager mit Verweis auf eine Studie. Darüber hinaus lieferten sie BMW einen "substanziellen Wertbeitrag", indem sie beispielsweise das Kerngeschäft stärkten und als Innovationstreiber für digitale Services dienten. Nicht zuletzt ermöglichten sie das Entstehen eines digitalen Kundenkanals, so May: "Die Feedbackschleife zum Kunden ist für uns essenziell."

Solche Kundenerlebnisse entstehen aus Sicht des BMW-Managers vor allem durch neue digitale Services und Mobilitätsdienstleistungen. Zu ersteren zählt er etwa den Dienst "BMW Connected" in Verbindung mit der auf Microsoft Azure basierenden "Open Mobility Cloud". Er ermögliche "ein nahtloses Kundenerlebnis über alle Touchpoints". Daneben offeriere man eine Reihe von Mobility-Services, darunter der Car Sharing-Dienst "DriveNow", "ParkNow" für die Parkplatzsuche oder "ChargeNow" für das Aufladen von Elektrofahrzeugen.

"Geschäftsprozesse sind das A und O bei der Digitalisierung"

Anders als sein Amtskollege Jungwirth ging May auch auf die vielfältigen Herausforderungen im digitalen Transformationsprozess ein. Die damit verbundenen Themen wirkten sich massiv auf die internen Prozesse aus, erläuterte er: "Geschäftsprozesse sind das A und O in der digitalen Transformation." In diesem Kontext sei ein Umdenken erforderlich.

Dazu gehöre auch die Frage, wie sich die Entwicklung neuer Systeme und Services beschleunigen lasse. In der klassischen Automobilwelt werde noch immer traditionell nach der Wasserfall-Methode entwickelt. Das aber passe nicht mehr zu den sich rasch ändernden Anforderungen. Für die Entwicklung digitaler Services seien deshalb agile Methoden gefragt. In der alten Automobilwelt konnte es viele Monate oder gar Jahre dauern, bis eine Software fertiggestellt war. Die typische Release-Zeit für neue digitale Services beträgt laut May heute nur noch sechs Wochen.