Zehn Jahre iPhone

Wie das iPhone zu Schatten-IT und Enterprise Mobility führte

07.07.2017
Von Lucas Mearian (Computerworld) und


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.

Apple's Einzug ins Enterprise: Organisch, nicht geplant

"Das iPhone wurde so populär, weil seine Features, Funktionen und Apps für den Endanwender ausgelegt waren, nicht für die Abteilung eines Unternehmens", erklärte Gartner-Mann Silva. Die Wünsche des Business zu adressieren lag schlichtweg nicht im Fokus von Apple. Über Jahre hinweg habe es in den Apple Stores keine Mitarbeiter gegeben, die aufzeigen konnten, inwieweit sich die Hardware von Nutzern am Arbeitsplatz einsetzen lasse, bemerkte Silva.

Während die Enterprise-Funktionalitäten des iPhones formell als Device-Management-Features - Bereitstellung von Apps und Einschränkung der Benutzerrechte - in den Code von iOS 6 eingegossen wurden, ließ sich Apple dabei Zeit, echte Enterprise-Features bereitzustellen, sagte Silva.

"Apples Haltung zum Enterprise war lange ein 'OK, wir kümmern uns darum, wenn wir dazu kommen", sagte Silva. "Alles, von der Lizensierung von Apps bis zur Möglichkeit, MDM zu nutzen..., kam irgendwann, aber es war nicht Schwerpunkt bei der Entwicklung."

Heute läuft Apples iOS laut Gartner auf 48 Prozent aller von Unternehmen bereitgestellten Smartphones oder Tablets, verglichen mit 37 Prozent für Android und elf Prozent für Windows Mobile OS. Bei den Tablets beträgt der Anteil sogar 59 Prozent wegen des überaus beliebten iPad.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Android mag zu spät zur Party gekommen sein, doch es ist stärker auf Enterprise-Anwendungen fokussiert als jemals in der Vergangenheit. "Ich könnte mir vorstellen, dass Android bei vom Unternehmen gestellten Devices Marktanteile hinzugewinnt", sagte IDC-Analyst Hochmuth. "Android (-Hersteller) und Google fokussieren sich mehr auf das Enterprise als jemals zuvor."

Dem IDC-Mann zufolge begann sogar Apple vor kurzem damit, das Enterprise als Zielmarkt anzusehen: "Gewollt oder nicht, Apple war immer schon im Unternehmen vertreten."

In letzter Zeit hat auch bei Google das Vordringen ins Business-Umfeld oberste Priorität. "Google konzentriert sich jetzt stärker auf das Enterprise-Geschäft. Sie beginnen damit, die Security-Fähigkeiten zu erweitern und mehr Partnerschaften mit Hardwareherstellern rund um das B2B-Geschäft zu schließen", sagte Hochmuth. "Ich kann mir vorstellen, dass Android mit der Zeit im Business die Oberhand gewinnt, weil sie das Image des Betriebssystems verändern."

Wie Hochmuth bemerkt, ist es nicht so, dass sich Apple mit seinem Ansatz zum Business in den vergangenen Jahren keine goldene Nase verdient hat. Wenn jedoch der iPhone-Absatz zurückgeht, sollte Apple das Business als Wachstumsmöglichkeit sehen. Das bedeutet nicht mehr iPhones im Enterprise-Umfeld, sondern mehr Enterprise-fokussierte Software auf bestehenden Devices.

Bereits jetzt hat Apple Partnerschaften mit einigen Anbietern von Business-Anwendungen geschlossen, einschließlich SAP, IBM und Cisco. Vor knapp drei Jahren verbündete sich Apple etwa mit Big Blue im Rahmen der Initiative MobileFirst for iOS. Aus der Partnerschaft gingen mittlerweile mehr als 100 branchenspezifische Unternehmensanwendungen hervor, die von Grund auf für iPhone und iPad entwickelt wurden. Cisco ist seit 2015 Partner, die Übereinkunft zielt primär darauf, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, den iOS-App-Verkehr in ihren Netzwerken zu priorisieren und iPhone-Anrufe über ihre Firmennetze ermöglichen. Über die 2016 geschlossene Partnerschaft mit SAP wiederum soll es Entwicklern aus der iOS-Welt über ein SDK leichter gemacht werden, Enterprise-Apps zu schreiben.

Doch selbst wenn durch die Zusammenarbeit mit mehr Anbietern aus dem Enterprise-Bereich spezielle Anwendungsmöglichkeiten für die Geräte geschaffen werden, fehlen iOS nach wie vor einige Kernfunktionen, so Analysten. Anders als bei Android gibt es zum Beispiel keinen Multi-User-Support, außerdem fehlt eine granulare Kontrolle auf App-Level. Möchte beispielsweise jemand Microsoft Word auf seinem iPhone oder iPad haben, ist das Programm automatisch mit seinem Arbeitsprofil verknüpft und er kann es nur als Business-Anwendung nutzen.

Google dagegen hat Android for Work entwickelt - APIs, die es dem Nutzer ermöglichen, ein Profil für Business-Apps und ein anderes für seine private Verwendung zu erstellen. Auf diese Weise kann er etwa eine private und eine berufliche Version von Gmail auf dem gleichen Gerät nutzen.

"Was den Umgang mit Application Management anbelangt, hat iOS immer noch eine etwas ungeschickte Art", erklärt Silva. "Außerdem kann man bei Android mehrere User einem Device zuordnen, während iOS von allen Seiten kritisiert wird, weil es das nicht für iPhones und iPads zulässt, außer im Unterricht."

Trotz aller aktuellen Unzulänglichkeiten ist das iPhone nach wie vor im Business am weitesten verbreitet - wohl, weil es als stabilste und beständigste aller mobile Plattformen wahrgenommen wird, und einige Kern-Features aufweist, die von Unternehmen geschätzt werden. Wenn ein iPhone beispielsweise auf WLANs zugreift, randomisiert iOS die MAC-Adresse, wodurch es schwerer zu tracken ist. '

"Von der Security-Perspektive aus betrachtet, scheint das iPhone besser aufgestellt zu sein als ein gewöhnliches Consumer-Gerät mit Android, und das sorgt weiterhin dafür, dass sich das iPhone im Unternehmen hält", sagte Silva. "Und - wenn ich ein iPhone 5 in meiner Schreibtischschublade habe, kann ich das Ding herausholen und die neueste iOS-Version aufspielen und immer noch auf die gleiche Weise managen wie ein iPhone 7."

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der US-Schwesterpublikation Computerworld.