TomTom Traffic & Co.

Diese Verkehrslage-Dienste gibt es für Autofahrer

14.10.2018
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Apple Karten, Google Maps, TMC, Navteq Traffic/TMCpro, TomTom Traffic, Inrix XD Traffic, Here WeGo – eine Reihe von Verkehrslage-Diensten versprechen Autofahrern exakte Echtzeit-Verkehrsinformationen. Wir geben einen Überblick und erklären die jeweiligen Techniken mit Vorteilen und Nachteilen.
Here spielt schon heute eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des hochautomatisierten Fahrens.
Here spielt schon heute eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des hochautomatisierten Fahrens.
Foto: Audi/Here

Damit Sie besser durchden Verkehr kommen, können Sie sich schon vor Antritt der Fahrt am PC oder auf dem Tablet über die Verkehrslage informieren, aber auch während der Fahrt mit der entsprechenden App.

Nahezu alle Navigationssysteme - ob fest im Auto eingebaut ab Werk wie bei Audi Connect, BMW ConnectedDrive oder VW Discover Pro, als Stand-Alone-Navigationsgerät wie Garmin Nüvicam, als App auf dem Smartphone wie Apple Karten, Google Maps, TomTom Go Mobile oder Here WeGo, im Browser auf dem Desktop-Rechner oder Notebook - können sich aus einer Vielzahl von Quellen zur Verkehrslage-Ermittlung bedienen. Wir geben einen Überblick über die verfügbaren Verkehrslage-Dienste für Autofahrer. Wobei einige Dienste wie Google Maps oder Here WeGo auch für Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs, für Radfahrer, Fußgänger, Taxi-Nutzer und Carsharer zur Verfügung stehen.

In diesem Smart 451 Cabrio kann man nur TMC-Verkehrsinformationen aus dem Auto-Radio empfangen.
In diesem Smart 451 Cabrio kann man nur TMC-Verkehrsinformationen aus dem Auto-Radio empfangen.

TMC - gratis, aber ungenau

Der Klassiker ist Traffic Message Channel (TMC). Hierbei handelt es sich um Verkehrslage-Daten, die über UKW-Radio übermittelt werden. Die TMC-Verkehrslage-Informationen stammen beispielsweise von der Polizei und von den Verkehrsclubs sowie von Staumeldern. In der Regel sind diese TMC-Informationen kostenlos. TMC-Daten werden zirka alle 15 Minuten aktualisiert. Sie decken vor allem die Ballungsgebiete ab.

TMC-Daten werden aber nicht nur via Radio übermittelt, sondern stellen auch bei preiswerten Festeinbau-Navigationsgeräten diverser Automobilhersteller die dann zwangsläufig ziemlich ungenaue Basis für die Stauanzeige dar.

Navteq Traffic (ehemals: TMCpro): Kostenpflichtig und genauer

Das mittlerweile zu Here (siehe unten) gehörende Navteq Traffic (ehemals TMCpro, das als Marke vom Markt genommen wurde, nachdem Navteq den Dienst übernommen hatte - der Dienst hieß dann zunächst Navteq Traffic, ehe daraus Nokia HERE wurde) ist dagegen ein kostenpflichtiger Dienst.

Das Datenmaterial wird für TMCpro automatisch erfasst, und zwar durch Datensensoren auf Autobahnbrücken, Sensorschleifen in der Fahrbahn und ausgewählte Fahrzeuge, in die GPS-Geräte eingebaut sind, die die Bewegungen der Fahrzeuge übermitteln ((Floating Car Data).

Download: Google Earth

Navteq Traffic gibt es grundsätzlich in zwei Varianten: Der Service wird durch eine einmalige Zahlung beim Kauf des Navis abgedeckt. Folgekosten gibt es dann nicht. Diese Variante wird auch per Radiostation übermittelt. Noch leistungsfähiger ist die Variante, bei der die Handy-Daten der Nutzer ausgewertet werden und dadurch der Verkehr relativ exakt abgebildet wird. Die Daten sind dann allerdings so umfangreich, dass sie nicht mehr über das Radio übermittelt werden können, sondern per UMTS übermittelt werden, wofür eine monatliche Zahlung nötig ist.

TMCpro ist zwar genauer als TMC. Doch sind damit keine so exakten Vorhersagen möglich wie mit TomTom Traffic, Inrix oder Google Maps Navigation. Oft steht man bereits längst im Stau, wenn die Stauwarnung von TMCpro erst eintrifft. Und abseits der Fernstraßen sowie im Innenstadtbereich ist TMCpro teilweise völlig wertlos.

Viele Automobilhersteller verwenden TMCpro für die Staumeldungen in ihren fest eingebauten Navigationsgeräten.

TomTom Traffic : Schnell, exakt und meist kostenlos

So sieht Tomtom HD Traffic im Browser aus.
So sieht Tomtom HD Traffic im Browser aus.

TomTom Traffic (ehemals TomTom HD Traffic - HD stand für High Definition) bzw. TomTom Live Traffic dürfte zu den bekanntesten Echtzeit-Verkehrslage-Diensten überhaupt gehören. Die Verkehrslagedaten von TomTom können Sie auf ausgewählten Navigationsgeräten von TomTom, in den iOS- und Android-Apps von TomTom und in den fest eingebauten Infotainmentsystemen verschiedener Automobilhersteller wie Renault oder Toyota , Alfa Romeo, Daimler, Lexus, Fiat, Lancia, Mazda, Abarth, Kia und Hyundia sowie in VW- und Audi-Modellen und in Android-Nachrüstlösungen von Parrot sowie im Browser auf dem PC nutzen.

Update 8.10.2018: Seit April 2018 beliefert TomTom auch BMW (und Mini sowie Rolls-Royce) mit Echtzeitverkehrsinformationen. Diese heißen bei BMW RTTI und sind Bestandteil von BMW ConnectedDrive+. Im April 2018 startete BMW zunächst die Erprobung von TomTom Traffic. Anfang Oktober 2018 teilte TomTom dann mit, dass die Testphase abgeschlossen sei und BMW die TomTom Traffic Daten dauerhaft für RTTI verwenden werde. Neben den Verkehrslagedaten nutzt BMW auch die Electric Vehicle (EV) Services von TomTom. Diese geben dem Fahrer nicht nur Auskunft über die Entfernung, die sein Fahrzeug ohne erneutes Aufladen noch zurücklegen kann. Sie planen darüber hinaus die effizienteste Route zu einer Ladestation und berücksichtigen, ob diese für das jeweilige Fahrzeug geeignet und zum nötigen Zeitpunkt tatsächlich verfügbar ist.

Kurios: Audi/VW, BMW und Daimler sind an Here beteiligt und nutzen auch durchaus das Kartenmaterial von Here. Doch bei den Verkehrslagedaten vertrauen die deutschen Automobil-Hersteller auf TomTom und nciht auf Here.

Aber auch Apple Karten, die Navigations-App auf iPhone und iPad, verwendet TomTom-Verkehrslagedaten. Da Apple Karten die einzige Navigationslösung ist, die vor iOS 12 für Carplay verfügbar ist, nutzen auch Carplay-Nutzer die Verkehrslageinformationen von TomTom.

Im Browser ist TomTom Traffic in 36 Ländern kostenlos; auf allen aktuellen Navigationsgeräten auch. In der Android- und in der iOS-App ist Traffic für 75 Kilometer pro Monat kostenfrei. Wer Navigation, Echtzeit-Verkehrslagedaten und die Radarwarnungen pro Monat auf mehr als 75 Kilometern nutzen will, muss bezahlen: Ein Jahr Nutzung ohne Begrenzung kostet 19,99 Euro. Für drei Jahre Nutzung ohne Begrenzung verlangt TomTom 44,99 Euro.

In der europäischen Version der TomTom-Navigationsgeräte wird TomTom Traffic für 19 Länder angeboten (Österreich, Belgien, Schweiz, Tschechien, Deutschland, Dänemark, Spanien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden).

Die Quellen der TomTom-Daten

Die Traffic-Daten stammen aus verschiedenen Quellen. So liefern zunächst einmal die in den Fahrzeugen verbauten Tomtom-Navigationsgeräte mit angeschlossenen Live-Services ihre Daten an die TomTom-Traffic-Server. Durch die im Februar 2015 bekannt gemachte Kooperation mit der Volkswagengruppe vergrößerte sich diese Datenbasis noch einmal deutlich.

Die Datenquellen für TomTom Traffic. Alfa Romeo, Renault, Daimler, Lexus, Fiat, Lancia, Mazda, Abarth, Toyota und Audi verwenden laut TomTom in ausgewählten Fahrzeugen ihrer Flotten TomTom Traffic.
Die Datenquellen für TomTom Traffic. Alfa Romeo, Renault, Daimler, Lexus, Fiat, Lancia, Mazda, Abarth, Toyota und Audi verwenden laut TomTom in ausgewählten Fahrzeugen ihrer Flotten TomTom Traffic.
Foto: TomTom

Der Benutzer bekommt also aktuelle Verkehrslagedaten, gleichzeitig trägt sein Gerät aber auch dazu bei, dass die Traffic-Informationen möglichst exakt sind. Ebenso übermitteln die TomTom-Apps vom iPhone oder vom Android-Smartphone ihre GPS-Daten an die TomTom-Server, die damit ein noch exakteres Abbild der aktuellen Verkehrslage erstellen.

Zusätzlich wertet TomTom für Traffic noch Tracking-Daten aus Fahrzeugflotten (Floating Car Data) von TomTom sowie Drittanbietern aus. Dazu kommen noch Störungsinformationen von Straßensensoren. Klassische TMC-Daten von den Verkehrsclubs und der Polizei fließen ebenfalls mit ein. Das alles führt dazu, dass im Unterschied zu TMC die TomTom Traffic-Daten nicht nur schneller und exakter sind, sondern auch Nebenstraßen abdecken.

TomTom-Routenansicht auf dem TomTom GO 6000
TomTom-Routenansicht auf dem TomTom GO 6000
Foto: TomTom

Lange Zeit flossen in Deutschland auch die anonymisierten Bewegungsdaten von mehreren Millionen Smartphones in die Verkehrslage-Berechnungen ein, auf denen nicht die TomTom-Apps installiert ist. Die Mobilfunkprovider, in diesem Fall Vodafone, wiederum verdienen an der Bereitstellung dieser Daten.

Mittlerweile nutzt TomTom diese Floating-Phone-Daten aber zumindest in Deutschland nicht mehr für TomTom Traffic, weil laut TomTom mehr als genug GPS-Daten von Navigationsgeräten vorliegen. Es gibt aber Regionen, in denen Floating-Phone-Daten noch immer herangezogen werden. Der größte Nachteil an den diesen Daten ist deren Ungenauigkeit im Vergleich zu GPS-Probes.

Inrix versorgt via Car-net auch VW-Fahrer mit Echtzeitverkehrslageinformationen. Voraussetzung ist allerdings das teure Discover Pro-Radio-/Navigationsgerät mit Farb-Touchscreen. Zudem fallen für Car-net zusätzliche Kosten an.
Inrix versorgt via Car-net auch VW-Fahrer mit Echtzeitverkehrslageinformationen. Voraussetzung ist allerdings das teure Discover Pro-Radio-/Navigationsgerät mit Farb-Touchscreen. Zudem fallen für Car-net zusätzliche Kosten an.
Foto: Volkswagen

TomTom schrieb im Jahr 2011 mit seinen Verkehrslagedaten aber auch Negativschlagzeilen, als bekannt wurde, dass das niederländische Unternehmen diese Daten an die niederländische Regierung verkauft hatte. Die Regierung gab diese Daten dann an die niederländische Polizei weiter, damit diese die optimalen Standorte für Radarfallen ermitteln konnte. TomTom räumte dies ein und bedauerte diese Vorgehensweise. Die Daten-Weitergabe hat TomTom danach beendet: TomTom hatte in seinen Geschäftsbedingungen bis dato keine Klausel, die die Weitergabe der Daten untersagte. Dies wurde nach diesem Fall geändert.