Notfallplan für iPhone und Co.

Smartphones an die Leine

05.04.2012
Von 
Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.

Kopplung mit Exchange oder Google Apps

Anders sieht es aus, wenn ein Unternehmen einen Messaging-Server nutzt, etwa Microsoft Exchange oder den Blackberry Enterprise Server, eventuell auch eine gehostete Version, wie sie beispielsweise Microsoft mit Exchange Online anbietet. In diese Lösungen sind bereits Funktionen für das Management mobiler Geräte integriert. Microsoft Exchange Server 2007 und 2010 unterstützen beispielsweise über "Exchange ActiveSync" (EAS) Mobilgeräte unter Windows-Mobile. Aber auch iPhones, Nokia-Smartphones unter Symbian und Android-Systeme ab Version 2.2 lassen sich damit verwalten. Das schließt das Fernlöschen von Daten mit ein.

Speziell bei Exchange ist jedoch zu berücksichtigen, dass Android-Smartphones nicht in vollem Umfang unterstützt werden. Dies gilt auch für die aktuelle Exchange-Server-Version 2010 SP1. Einige Sicherheits-Policies, wie etwa das Verschlüsseln externer Speicherkarten oder das Wiederherstellen von Passwörtern, lassen sich nur auf Umwegen umsetzen. Für Android bietet beispielsweise Nitrodesk mit "Touchdown with Exchange ActiveSync" eine entsprechende Client-Software an. Touchdown erlaubt unter anderem das Remote Wipe mittels einer E-Mail, deren Betreff einen "Kill-Code" enthält.

Für Kunden seiner Online-Office- und Collaboration-Umgebung "Google Apps for Business" bietet Google "Apps Device Policy for Android" an. Mit der Management-Applikation können Systemverwalter Nutzern von Android-Geräten beispielsweise vorgeben, dass sie Passwörter verwenden sollen. Auch das Fernlöschen von Daten ist möglich. Das Smartphone wird in diesem Fall in den Auslieferungszustand zurückversetzt. Google Apps Device Policy for Android unterstützt die Android-Versionen ab 2.2. Auf Geräten mit Android 3.0 können Administratorenzusätzlich das Verschlüsseln des Anwendungs- und Datenspeichers aus der Ferne veranlassen – für Geschäftskunden ein absolutes "Muss".

Zehntausende von Notebooks und Smartphones "verschwinden"

Darüber, wie viele Firmen-Notebooks „verschwinden“, gibt es kaum verlässliche Zahlen. Das amerikanische Beratungsunternehmen Ponemon Institute hat 2010 rund 330 Firmen in den USA dazu befragt. Das erschreckende Ergebnis: Diesen Unternehmen kamen innerhalb eines Jahres 84.500 mobile Rechner abhanden. Nur 4000 wurden wiedergefunden. Rund 25 Prozent der Systeme wurden gestohlen, weitere 15 Prozent gerieten höchstwahrscheinlich in die Hände von Langfingern; an die 60 Prozent wurden von ihren Besitzern verloren.

Nach einer Studie des deutschen Hightech-Verbandes Bitkom räumten 10 Millionen Bundesbürger ein, dass ihnen bereits einmal ein Mobiltelefon abhandenkam. Laut der Umfrage vom Sommer 2010 wurden 4 Millionen Bürger Opfer eines Diebstahls, an die 7 Millionen haben ein Mobiltelefon verloren. Mehr als einer Million Handy- und Smartphone-Nutzer gaben an, dass sie jeweils ein Mobilgerät verloren haben und mindestens ein weiteres gestohlen wurde.