Brandneue IDC-Studie

Künstliche Intelligenz – der aktuelle Status quo in Deutschland

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Künstliche Intelligenz ist in deutschen Unternehmen angekommen – das zumindest stellen die Analysten von IDC in einer brandaktuellen Studie fest. Anwendungsfeld Nummer ein ist demnach die Extraktion von Wissen aus Daten.

Wie die Marktforscher berichten, ist künstliche Intelligenz (KI) für die meisten Firmen noch ein junges Thema, das aber mit großem Schwung angegangen wird: Innerhalb der nächsten zwölf Monate planen 69 Prozent der Befragten die Umsetzung eines neuen Projekts. Treibende Kräfte sind dabei die Fachbereiche, nicht die IT-Abteilungen. Bremsend wirkt der Mangel an Fachkräften, den vier von fünf Unternehmen beklagen.

Laut IDC haben die Einsatzszenarien derzeit wenig mit Science Fiction zu tun. Am häufigsten arbeiten die Unternehmen daran, Wissen aus ihrem Datenschatz zu gewinnen (37 Prozent), Projekte rund um Sprach- und Bilderkennung voranzutreiben (32 beziehungsweise 23 Prozent), überwachtes Lernen einzuführen (25 Prozent) und eine automatisierte Content-Aggregation auf die Beine zu stellen (23 Prozent).

Digitale Assistenten zur Unterstützung interner und externer Kunden nutzen vier von fünf Befragte, jeweils ebenso viele Chatbots in der Kundenkommunikation sowie KI- oder Machine-Learning-basierte Cloud-Dienste, um die eigenen Anwendungen anzureichern. KI werde in der ganzen Breite evaluiert, pilotiert und genutzt.

Die Marktforscher beziehen sich auf die Aussagen von IT- und Fachentscheidern aus 350 Unternehmen und Organisationen in Deutschland, die jeweils mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen. Die Umfrage ist aktuell, sie lief im April diesen Jahres. Ziel war es, Einblicke in die Umsetzungspläne, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bezüglich KI und Machine Learning zu erhalten.

Es habe sich gezeigt, dass diese Technologien als "sinnvoller und praktikabler Ansatz sowie starken Enabler zur Verbesserung der Geschäftsprozesse" gesehen würden. Gut ein Viertel der befragten Unternehmen hat demnach bereits KI-Projekte umgesetzt. 69 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten eine neue KI-Initiative anstoßen.

"Neben den Projekten, die die Firmen gezielt anstoßen, kommt KI über Apps, moderne Anwendungen und Cloud Services in Form von Updates und neuen Releases automatisch in die Fach- und IT-Abteilungen", beobachtet der Projektleiter der Studie, Matthias Zacher, Manager Research und Consulting bei IDC.

Jede Organisation solle sich gezielt mit KI beschäftigen, um "schnellstmöglich einen Mehrwert aus den bereits am Markt verfügbaren Lösungen zu ziehen." In skandinavischen Ländern und Großbritannien werde KI bereits breiter eingesetzt und pilotiert als hierzulande. Auch müsse Deutschland den Fachkräftemangel mit höchster Priorität angehen, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Mehr Infos zur Studie finden Sie hier.

In 37 Prozent der Unternehmen haben die Fachabteilungen bei der Planung von KI-Vorhaben das Sagen, in weiteren 35 Prozent ist die Verantwortung zwischen IT und Fachbereich aufgeteilt. Letzteres ist IDC zufolge die erfolgversprechendste Herangehensweise. In den restlichen Unternehmen ist ausschließlich die IT mit der KI-Projektierung beauftragt. Die Auguren warnen, dass in solchen Fällen fachliche Aspekte zu kurz kommen und die Unternehmen mitunter nicht die gewünschten Resultate erzielen könnten.

18 Prozent der Unternehmen verfügen über Innovationszentren oder Labs, um geeignete Lösungen zu entwickeln oder zu evaluieren. Das ist vor allem in großen Konzernen und im gehobenen Mittelstand der Fall. Kleineren Betrieben fehlen die Ressourcen, um solche Innovationszentren aufzubauen.

Bezogen auf Branchen stellen die Marktforscher fest, dass Banken und Versicherungen bereits häufig KI-basierte Lösungen für Schadensmanagement und Betrugserkennung einsetzen. Auch Behörden begännen die Technologien zu nutzen, um Verwaltungsabläufe zu optimieren. Im Gesundheitswesen gehe es vor allem um die Früherkennung von Krankheitssymptomen sowie eine zielgenaue Diagnose durch die automatisierte Analyse der Krankengeschichte. Im Energiesektor schließlich werde mithilfe von KI am Bau intelligenter Stromnetze gefeilt.

IDC zieht das Fazit, dass die Unternehmen hierzulande den Wert ihrer Daten erkannt hätten und nun Mehrwerte daraus gewinnen wollten. In den nächsten zwei bis drei Jahren werde das Thema, das noch immer "in den Kinderschuhen stecke", IT- und Fachabteilungen massiv beschäftigen. Das sei auch notwendig, denn im europäischen Vergleich liege Deutschland nur im Mittelfeld. KI müsse als Business-Thema verstanden werden, es gelte nun, "die Kreativität zu entfesseln", um in großen Sätzen voranzukommen.

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Horst Ulrich Köther

Es ist absolut beruhigend, daß zwar von KI (künstliche Intelligenz) geschrieben wird, aber nur Algorithmen gemeint sind. Der wesentliche Punkt ist, diese Algorithmen sind von Menschen erstellt und werden auch von Menschen verbessert. Erst wenn sich die Algorithmen selbst und stetig verbessern, nämlich ohne Hilfe von Menschen, wäre es KI - nur dann.

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