Cloud im Business

Datenkrake Google lernt nicht hinzu

02.04.2014
Von   


René Büst ist Research Director in Gartners Managed Business and Technology Services Team mit Hauptfokus auf Infrastructure Services & Digital Operations. Er analysiert Entwicklungen im Bereich Cloud Computing (Anbieter von Managed Cloud-Services und Public Cloud sowie Cloud-Strategien wie IaaS, PaaS und Multicloud), digitale Infrastrukturen und Managed Services sowie den Einfluss der digitalen Transformation auf die IT. Seit Mitte der 90er Jahre konzentriert sich Herr Büst auf den strategischen Einsatz der IT in Unternehmen und setzt sich mit deren Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie disruptiven Technologien auseinander.

Google bevormundet seine Kunden

Unterm Strich ist Googles größtes Problem allerdings, dass der Suchmaschinenanbieter nicht wie ein kundenorientiertes Unternehmen handelt. Anbieter wie Salesforce, Microsoft oder Amazon stellen sich ganz anders auf. Ganz im Gegenteil, Google versucht ständig seine Nutzer zu bevormunden und ihnen aufzuzwingen wie und nach welchen Regeln sie zu handeln haben. Das mag bei technisch nicht versierten Privatnutzern vielleicht funktionieren. Schließlich sind die Alternativen sehr gering. Mit erfahrenen Administratoren, CIOs und Entwicklern kann man so langfristig allerdings nicht umgehen.

Ein Zeichen dafür sind die oben angesprochenen Nutzungsbedingungen der Google Cloud Platform. Aber auch Googles Umgang mit den Kunden im Rahmen von Portfoliobereinigungen der eigenen Services zeigt, dass Google noch lange nicht in der Welt der Enterprise-IT angekommen ist. Dienste kurzfristig abzuschalten, ohne eine echte Alternative anzubieten (wie etwa mit dem Google RSS Reader geschehen), ist in der Welt der Unternehmens-IT nicht akzeptabel.

Im Rahmen vieler Gespräche mit CIOs und IT-Entscheidern im Mittelstand, hat sich für Crisp Research klar gezeigt, dass langfristiges Commitment und somit die Aufrechterhaltung der Services ein absolut kritischer Punkt für die Anwender ist.

Für Unternehmen ist die Google Cloud Platform derzeit irrelevant

Google hat, auf Grund seiner App Engine, definitiv eine große Verbreitung in der Entwickler Community. Für Workloads von Unternehmen ist die Google Cloud Platform aber derzeit keine Option und kann nicht mit Angeboten von Amazon AWS, IBM Softlayer oder Microsoft Azure mithalten.

Entwickler und Startups sind eine nicht zu unterschätzende Kundengruppe. Aber das große Geld wird bei den Unternehmenskunden verdient. Damit ist es nicht nur für Google sondern auch für AWS wichtig, sich auf die Bedürfnisse der Geschäftskunden einzurichten und mit entsprechenden Services und Lösungen zu reagieren. Amazon AWS hat dies mit CloudTrail und WorkSpaces verstanden ( siehe Die Amazon Web Services greifen nach der Enterprise IT. Ein Realitätscheck).

Von Google sind bisher keine Ansätze zu erkennen. Das gilt ebenfalls für die doch sehr Google-native App Engine. Andere PaaS-Angebote wie Red Hat OpenShift oder IBM BlueMix sind deutlich offener gestaltet und passen besser in die Cloud-Strategie von Unternehmenskunden.

Weiterhin ist es wichtig eine horizontale Variationsvielfalt zu bieten. Google als auch Amazon bieten ausschließlich Public Cloud. IBM und Microsoft sind hingegen in der Lage, sowohl Public- als auch Private- und Hybrid-Clouds anzubieten und das inklusive weiteren Dienstleistungen und Professional Services. Das bedeutet, dass beide Unternehmen in der Lage sind auf die Deployment-Anforderungen und Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen zu können, wodurch die horizontale Angebotsbreite das Maximum im Markt bietet.

Google ignoriert Bedenken der Kunden

Trotz angeblich 4,75 Millionen aktiven Applikationen und täglich 6,3 Billionen Datenabfragen, ist die Google Cloud Platform derzeit keine Option für Unternehmenskunden. Nicht nur die Nutzungsbedingungen zeigen, dass Google die Bedenken rücksichtslos übersieht und versucht, seine eigenen Interessen uneingeschränkt durchzusetzen.

Anbieter wie IBM, Microsoft und Amazon sind deutlich näher an den Kunden und verstehen deren Bedürfnisse. Google geht es im Online-Werbegeschäft derzeit immer noch zu gut. Das Cloud-Business macht derzeit deutlich weniger als ein Prozent des Konzernumsatzes aus und ist noch lange nicht profitabel. Google muss sich weiterhin deutlich zu seinem Cloud-Portfolio bekennen, eine klare Roadmap aufstellen und sich ebenfalls daran halten. Nur so kann der Suchmaschinenriese Vertrauen bei seinen Cloud-Kunden aufbauen. (jha)