Künstliche Intelligenz überstrahlt alles

Auguren von Gartner rufen die neuesten Technologietrends aus

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Anlässlich seines Symposiums in Orlando hat Gartner die zehn strategischen Technologietrends für 2018 genannt. Auffällig dabei: Künstliche Intelligenz (KI) zieht sich als Basistechnologie durch viele andere Themen.

Unternehmen werden laut Gartner immer öfter ein "KI-Fundament" schaffen, das es ihnen ermöglicht, Geschäftsmodelle und Ökosysteme auf ein höheres Niveau zu heben. Künftige Systeme seien in der Lage zu lernen, zu adaptieren und potenziell autonom zu agieren. "Die Technologien entwickeln sich rasant, und Organisationen werden signifikant in Skills, Prozesse und Tools investieren müssen", meint Gartner Fellow David Cearley.

Intelligent Apps und Intelligent Things

Gartner-Fellow David Cearly riskiert einen Blick in die Glaskugel.
Gartner-Fellow David Cearly riskiert einen Blick in die Glaskugel.
Foto: Gartner

Zwei weitere Technologietrends haben ebenfalls unmittelbar mit KI zu tun: "Intelligent Apps und Analytics" sowie "Intelligent Things". Jede App, jede Anwendung und jeder Service wird laut Gartner künftig KI-Komponenten enthalten. Ein intelligenter Layer zwischen Menschen und Systemen entstehe, der die Art wie wir arbeiten und unsere Arbeitswelt gestalten, verändern werde. Unternehmen sollten sich darauf vorbereiten und überlegen, wie sie ihre Mitarbeiter effizienter und besser arbeiten lassen können.

Mit Intelligent Things sind vernetzte Gegenstände gemeint, die trainiert werden können und so ständig besser werden: Autonome Fahrzeuge, Roboter oder Drohnen etwa. Ein weiterer Trend ist der "Digital Twin", die digitale Entsprechung eines Real-World-Systems oder -Szena­rios. Digitale Zwillinge stehen mit ihren realen Gegenstücken ständig in Verbindung und helfen, deren Zustände zu verstehen, Veränderungen vorzubereiten, den Betrieb zu verbessern und zusätzliche Funktionen zu implementieren.

Cloud to the Edge

Nicht ganz neu ist die Prognose, dass insbesondere in IoT-Szenarien Daten mehr und mehr am Entstehungsort und nicht in einer zentralen Cloud verarbeitet werden. Gartner spricht aber nicht von Edge oder Fog Computing, sondern von "Cloud to the Edge". Der Hintergrund: Cloud Computing funktioniere auch ohne einen zentralen Verarbeitungsansatz. Wichtig sei lediglich , dass es eine zentrale Kontroll- und Koordinationsstruktur denkbar, die mit einem dezentralen Edge-Computing-Szenario gekoppelt werde.

Menschen und Computer sprechen miteinander

Auch "Conversational Platforms" gehören zu Gartners Techniktrends - gemeint sind natürlichsprachige Schnittstellen für die Steuerung und Bedienung von Systemen und Maschinen. "In den nächsten Jahren werden Sprachschnittstellen zu einem vorrangigen Designziel für die User-Interaktion", so die Analysten. Dedizierte Hardware, Betriebssystem-Funktionen, Plattformen und Anwendungen werden entsprechende Features mitbringen, heißt es.

Mixed Reality

Virtual, Augmented und Mixed Reality (VR, AR, MR) fasst Gartner unter "Immersive Experience" zusammen, ein weiterer Megatrend. Der Markt sei noch jung und fragmentiert, doch das Interesse sei groß, ebenso der Entwicklungsfortschritt. Gartner empfiehlt den Unternehmen, AR- und VR-Szenarien auszuprobieren, um Design-, Trainiung- und Visualisierungsprozesse zu verbessern und Mitarbeiter produktiver werden zu lassen.

... und natürlich Blockchain

Erwartungsgemäß fehlt auch die Blockchain nicht in Gartners Liste der Zukunftstechnologien. Entsprechende Technologien ermöglichten einen radikalen Abschied von den heutigen, zentralistischen Transaktionsmechanismen. Die Blockchain könne eine Grundlage für disruptive digitale Geschäftsmodelle sein - für etablierte Unternehmen ebenso wie für Start­ups. Das gelte nicht nur für die Finanzwirtschaft, sondern auch für die produzierende Industrie, das Gesundheitswesen und die Behörden. Allerdings sei die Technologie noch unreif, es werde zwei bis drei Jahre dauern, bis größere Forschritte erzielt werden könnten.

Alles ist Event-driven

Veränderte Geschäftszustände schnell erkennen und darauf reagieren zu können, ist ein Ziel, dem Unternehmen in den nächsten Jahren immer näher kommen werden. "Event driven" ist laut Gartner das Schlagwort, dass an Bedeutung gewinnt: Der Verkauf eines Autos beispielsweise oder auch die Landung eines Flugzeugs wären Events, die umgehend registriert, analysiert und mit Regeln für nachfolgende Ereignisse verknüpft werden könnten. Wie die Analysten feststellen, sind Technologien wie Event-Broker, IoT, Cloud Computing, Blockchain, In-memory-Datenbanken oder Künstliche Intelligenz die Hebel, um hier voranzukommen. Allerdings werde ohne einen Wandel in Kultur und Führung nicht der volle Wert solcher Event-getriebenen Modelle erzielt.

Der DevSecOp kommt

Last, but not least stellt Gartner "Continuous Adaptive Risk and Trust" als wichtigen Technologietrend heraus: Je fortgeschrittener und gezielter Angriffe auf die Unternehmenssicherheit erfolgten, desto professionellere und schnellere Antworten bräuchten Verantwortliche für IT-Sicherheit und Risiko-Management. Gartner spricht von dem Ansatz "Adaptive Risk and Trust Assessment" (CARTA), der es erlaube, schnell und fundiert auf Vorfälle und Angriffe zu reagieren. So, wie Unternehmen mit dem DevOps-Prinzip die Trennung zwischen Softwareentwicklung und Betrieb überwänden, müssten sie auch die Barrieren zwischen Security- und Anwendungsteams überwinden. Testläufe müssten auf "kollobrative Weise" in DevOps-Workflows integriert werden, Gartner spricht von "DevSecOps".