Was ein Karriereexperte empfiehlt

Arbeiten und Weiterbildung im SAP-Umfeld

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Gilt ein Praktikum als Berufserfahrung? Und mit welchem Gehalt ist zu rechnen? Welche Rolle spielen Zertifikate in der SAP-Welt? Fragen, die Personalberater Thomas Biber Usern im Online-Forum beantwortet hat.

"Während meines Studiums war ich vier Jahre lang halbtags bei einer SAP-Beratung im Entwicklungsbereich tätig. Dort habe ich mich um Themen rund um ABAP gekümmert. Ich plane meinen Einstieg als SAP-Entwickler bei einem Anwenderunternehmen. Inwieweit wird meine bisheriger Tätigkeit als Berufserfahrung angerechnet und soll ich mich als Einsteiger oder als Erfahrener bewerben? Ebenso ist mir nicht klar, ob ich mich bei den Gehältern als Einsteiger oder als Experte mit Berufserfahrung einordnen soll?

User unseres Online-Forums stellen Fragen, die von Karriereexperten beantwortet werden.
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Foto: Pressmaster - shutterstock.com

Personalberater Thomas Biber meint dazu: "Ja, Ihre Tätigkeit während des Studiums dürfen Sie durchaus als Berufserfahrung anführen. Rein rechnerisch kämen Sie also auf rund zwei Jahre Berufserfahrung als Entwickler. Das entspricht in der Regel auch dem Zeitraum, nach dem Berufseinsteiger ohne praktische Vorkenntnisse ihren Status als Junioren verlieren und beginnen, sich auf dem SAP-Arbeitsmarkt umzusehen.

Einstiegsgehalt ist von konkreter Tätigkeit abhängig

Inwieweit sich das nun auf Ihr Einstiegsgehalt auswirkt, hängt auch davon ab, was Sie in diesen vier Jahren genau gemacht haben. Wenn Sie während dieser Zeit eher "Old-School"-ABAP-Entwicklung gemacht und einfache ABAP-Reports oder Z-Transaktionen gebaut haben, würde ich empfehlen, eher konservativ einzusteigen und nicht zu versuchen, mit dem Gehalt in die 50.000 Euro-Richtung oder gar darüber zu gehen.

Haben Sie allerdings mit ABAP/OO oder neuen Entwicklungstechnologien und Plattformen wie etwa FIORI oder HANA gearbeitet - und das nicht nur gelegentlich, sondern als Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit in den vier Jahren - dann kann Ihr Einstiegsgehalt durchaus im Bereich von 50.000 bis 60.000 Euro liegen. Mit ein wenig Glück kann es auch etwas darüber hinausgehen, da die genannten Fachkenntnisse aktuell auf dem SAP-Arbeitsmarkt stark nachgefragt sind. Wenn Sie zudem noch reisebereit sind, sollte Ihrem Einstieg ins Consulting-Geschäft nichts im Weg stehen. Mit etwas Glück gibt's dann nach der Probezeit auch noch einen Firmenwagen. Manche Arbeitgeber bieten den Dienstwagen ihren Mitarbeitern erst nach etwa zwei bis drei Jahren an, einige aber auch schon nach der Probezeit. Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Zertifikate und Weiterbildung

"Welche Art von Weiterbildung beziehungsweise Zertifikaten eignen sich für einen SAP-Entwickler, um weiter in der Hierarchie aufzusteigen? Mich interessiert insbesondere, welche Art von Weiterbildung abseits der SAP-spezifischen Kurse empfehlenswert sind. Ich habe einen reinen Informatik-Background und das Gefühl rein technisch aus dem Studium(Bachelor und Master) schon sehr viel mitzubringen und frage mich nun, ob es für mich nicht am besten wäre, mir betriebswirtschaftliche Kenntnisse anzueignen.

Thomas Biber antwortet: " Ihre Annahme, dass Kenntnisse im betriebswirtschaftliches Bereich Ihr Profil abrunden, ist richtig. Die Annahme, dass Weiterbildungen weiterhelfen, wird durch unsere Erfahrungen dagegen nicht gedeckt. Grundsätzlich empfiehlt sich immer, Projekterfahrung einer Weiterbildung oder Zertifizierung vorzuziehen. Das heißt, wenn Sie die Chance haben, direkt in einen guten SAP-Job einzusteigen, dann sollten Sie diese Gelegenheit nutzen und niemals zugunsten eines Kurses ausschlagen. In einem Job in einer SAP-Beratung bauen Sie das nötige betriebswirtschaftliche und prozessorientierte Wissen innerhalb von rund zwei Jahren automatisch auf.

Der langjährige SAP-Berater Thomas Biber ist heute Geschäftsführer von Biber & Associates, einer Personalberatung, die sich auf den SAP-Arbeitsmarkt im deutschsprachigen Raum spezialisiert hat.
Der langjährige SAP-Berater Thomas Biber ist heute Geschäftsführer von Biber & Associates, einer Personalberatung, die sich auf den SAP-Arbeitsmarkt im deutschsprachigen Raum spezialisiert hat.
Foto: Privat

Eine ganze Reihe von technischen Themen

Mit einem reinen Informatik-Background wären Sie zunächst mal ein eher "technisch gestrickter" SAP-Berater. Es gibt in der SAP-Welt eine ganze Reihe Themen, die sehr technisch sind und in denen man als Informatiker sehr gut aufgehoben ist. Dazu gehören alle entwicklungsnahen Themen (ABAP, ABAP/OO, Entwicklung für mobile Endgeräte, JAVA, etc.), Schnittstellenthemen (XI/PI/PI), Datawarehousing oder alle Infrastruktur-nahen Themen (Basistechnologie, HANA, Systemarchitekturen).

Wenn Sie allerdings eher in eine applikationsorientierte Richtung innerhalb der SAP-Welt gehen möchten, ist es sinnvoll, das eigene Wissen hier auszubauen. Auch das kann mit etwas Glück on-the-job erfolgen, indem Sie beispielsweise einen Direkteinstieg in Richtung SAP Finance Beratung versuchen - auch hier empfehle ich das als erste Option zu sehen. Falls das nicht klappt, könnte ersatzweise ein berufsbegleitender MBA oder etwas Ähnliches in Frage kommen. Eine Zertifizierung im Bereich SAP Finance würde Ihnen kein hinreichend tiefes betriebswirtschaftliches Wissen vermitteln. Nur wenn Sie keine Stelle finden sollten, ist es empfehlenswert, einen Kurs zu belegen statt gar nichts zu tun. Wenn Sie aber einen Direkteinstieg in einen Job, der Ihren Vorstellungen entspricht, erreichen könnten, dann sollten Sie diesen Job immer vorziehen. Kurse werden von Arbeitgebern immer als "nice-to-have" gesehen. Sie bringen aber keinen signifikanten Vorsprung bei der Stellensuche.

Wer eine Frage rund um seine berufliche Entwicklung hat, kann diese gerne unserem Karriereexperten stellen unter http://www.computerwoche.de/p/ratgeber-karriere,554.