Interview mit Elisabetta Castiglioni, A1 Telekom Austria

„Wir brauchen weibliche Vorbilder“

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Elisabetta Castiglioni arbeitet seit Jahren in Technologieunternehmen und war die erste Frau im Aufsichtsrat der österreichischen A1 Telekom Austria AG. Im CW-Gespräch macht sie den weiblichen Bewerberinnen Mut, den Schritt in diese Branche zu wagen – trotz Männerdominanz.
Elisabetta Castiglioni findet die IT-Branche "ausgesprochen spannend" - und ermutigt Frauen, den Schritt in die IT zu wagen.
Elisabetta Castiglioni findet die IT-Branche "ausgesprochen spannend" - und ermutigt Frauen, den Schritt in die IT zu wagen.
Foto: A1 Telekom Austria

Gibt es den ultimativen Tipp, um in dieser Branche Karriere zu machen?

Elisabetta Castiglioni: Für mich war es immer wichtig, etwas zu tun, das mir Spaß macht. Nur mit der entsprechenden Leidenschaft für eine Sache hat man auch die nötige Gelassenheit. Tatsächlich arbeite ich schon seit den späten 90er Jahren im technologischen Umfeld und habe viele Entwicklungen von Anfang an begleitet. Das Thema begeistert mich immer noch - und zwar inhaltlich und nicht weil ich eine Frau bin.

Frauen sind in der IT-Branche weiter unterrepräsentiert, machen nur ein knappes Drittel der Mitarbeiter aus. Im Top-Management sieht es noch schlechter aus, dort sind sieben Prozent der Positionen mit Frauen besetzt. Wie beobachten Sie diese Entwicklung?

Elisabetta Castiglioni: Auf Konferenzen oder Veranstaltungen treffe ich immer noch hauptsächlich auf männliche Kollegen. Aber es tut sich etwas. In den vergangenen Jahren haben merklich mehr Frauen den Weg in die IT gefunden. Ihr Anteil steigt langsam aber stetig - und das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Viele Unternehmen haben erkannt, dass weibliche Fach- und Führungskräfte für den wirtschaftlichen Erfolg wichtig sind.

Sie sind Italienerin, leben schon lange in London und haben in verschiedenen internationalen Konzernen gearbeitet. Sehen Sie Unterschiede?

Elisabetta Castiglioni: Bei unseren europäischen Nachbarn sieht das Thema durchaus etwas anders aus. In Großbritannien beispielsweise liegt der Anteil von Tech-Gründerinnen bei 33,3 Prozent, in Deutschland sind es gerade mal 13,9 Prozent. Trotzdem sind auch hier Chefinnen nicht mehr die absolute Ausnahme. Sowohl Konzerne als auch IT-Dienstleister werden mittlerweile von Frauen geführt.

Das Führungsteam von A1 Digital besteht aus zwei Frauen und sieben Männern. Ist es schwierig, Frauen für diese Positionen zu gewinnen?

Elisabetta Castiglioni: Tatsächlich bekommen wir gerade für Führungspositionen weiter mehr Bewerbungen von Männern. Das kann unter anderem daran liegen, dass Frauen oft auf die Inhalte einer Position schauen und weniger den Karriereaspekt im Blick haben. Bei A1 fördern wir aber ganz explizit die Entwicklung weiblicher Nachwuchskräfte und auch ich persönlich engagiere mich im A1 Frauennetzwerk "Women matter". Ich bin fest überzeugt, dass es mehr weibliche Vorbilder braucht, um auch junge Frauen verstärkt für eine berufliche Zukunft in der IT-Branche zu begeistern.

Was würden Sie diesen jungen Frauen mit auf den Weg geben?

Elisabetta Castiglioni: Die IT-Branche ist ausgesprochen spannend: Hier könnt ihr die technologischen Entwicklungen von morgen gestalten. Traut euch in diese vermeintliche Männerdomäne! Ich persönlich setze bei der Bewerberauswahl auf professionelle und objektive Kriterien. Und ich bin bei dem hervorragenden Abschneiden vieler Absolventinnen überzeugt, dass sich diese qualifizierten jungen Frauen künftig immer stärker für interessante Positionen empfehlen werden.