Bewerbermanagement

Wie Recruiting per Smartphone geht

Kommentar  17.09.2020
Von 
Karl Edlbauer ist Geschäftsführer der Job-Plattform hokify.
Recruiting braucht Modernisierung: Wer Bewerber der Generation Z und Y begeistern will, muss auf mobile und schnelle Bewerbungsprozesse setzen.
Gerade junge Jobsuchende wünschen sich einen schnellen, flexiblen und transparenten Bewerbungsverlauf.
Gerade junge Jobsuchende wünschen sich einen schnellen, flexiblen und transparenten Bewerbungsverlauf.
Foto: GaudiLab - shutterstock.com

In den letzten Jahren hat die Bedeutung des Smartphones in Sachen Bewerbung stark zugenommen. Keine große Überraschung, denkt man an Social Media Apps, Online Banking oder die E-Mail von unterwegs. Was vor wenigen Jahren am Handy noch undenkbar war, ist heute längst zum Standard geworden.

Die HR-Abteilungen vieler Unternehmen beharren dennoch auf altmodischen Bewerbungsformen wie Motivationsschreiben in Briefform oder mühsamen Online-Bewerbungsformularen, die häufig dazu führen, dass Kandidaten den Bewerbungsprozess abbrechen. Stellt sich die Frage, welche Bewerbungskanäle und -techniken in Zukunft erfolgversprechend sind? Und: Wie lange darf die Bewerbung der Zukunft überhaupt dauern?

Recruiting per Smartphone: Nicht ohne Konzept

Um herauszufinden, welche Kanäle in Zukunft bei der Jobsuche und Bewerbung an Bedeutung gewinnen, lohnt sich ein Blick auf das Mediennutzungsverhalten der jungen Generationen am Arbeitsmarkt. Hier zeigt sich, dass weit über 90 Prozent im deutschsprachigen Raum ein Smartphone besitzen. Die tägliche mobile Internet-Nutzung der unter 30-Jährigen liegt ebenfalls bei über 90 Prozent.

Eine mobile Bewerbung muss jedoch auch technisch auf dem Smartphone umsetzbar sein. Mit anderen Worten: Den veralteten Bewerbungsprozess einfach nur auf das Smartphone umzulegen, liefert kein zufriedenstellendes Ergebnis. Ein Motivationsschreiben lässt sich am Smartphone de facto nicht erstellen. Hier kann zum Beispiel mit kurzen und konkreten Abfragen im Chat-Format ein gleichwertiges Ergebnis erzielt werden. Dabei eröffnen sich für beide Seiten Chancen:

  • Für Kandidaten bedeutet Chat-basierte Interaktion kurzes, prägnantes Abfragen.

  • Für Personalverantwortliche ergibt sich die Möglichkeit, genau die Informationen via Fragen einzuholen, die für den weiteren Recruiting-Verlauf relevant sind.

  • Interaktive Chat-Abfragen statt verstaubter Motivationsschreiben bringen Unternehmen mehr Bewerber und bessere Informationen.

Obwohl die Bewerbung via E-Mail derzeit noch State of the Art ist, zeigt sich der Trend zur mobilen Bewerbung deutlich. Laut der Studie "Recruiting Trends 2019" des Centre of Human Resources der Universität Bamberg und Erlangen-Nürnberg schätzen acht von zehn der Top-1000-Unternehmen Deutschlands und 100 Prozent der teilnehmenden IT-Unternehmen Mobile Recruiting als immer wichtiger ein.

Mobile Bewerbung: Social Media als Vorbild

Generation Y und Z, also die Generationen, die zwischen den frühen 1980ern und 2012 geboren wurden und gerade auf den Arbeitsmarkt drängen, beziehungsweise fest im Berufsleben stehen, nutzen täglich Social-Media-Kanäle. Ein Lebenslauf oder eine Bewerbung müssen zukünftig jedoch nicht unbedingt via Social-Media-Plattformen verschickt werden. Mobile Bewerbungsprozesse können sich aber an deren Kommunikationsmodi orientieren. Direct Message, Live Chat und Voice Message sind hier nur drei Beispiele. Einen Lebenslauf künftig an ein Unternehmen zu versenden, sollte so einfach sein, wie ein Foto per WhatsApp zu verschicken.

Insgesamt muss der Bewerbungsprozess transparenter, unmittelbarer und mobil werden. Beispielsweise indem die Bewerber etwa Push Notifications erhalten und somit sofort und überall über den Stand ihrer Bewerbung Bescheid wissen. Gleichzeitig können Social-Media-Kanäle genutzt werden, um die Reichweite von Stellenanzeigen zu erhöhen. Zielgruppen lassen sich dadurch passgenau:

  • geographisch,

  • nach Altersgruppen

  • und nach Interessen ansprechen.

So kann man etwa potentielle Azubis intuitiv und ihrem Nutzungsverhalten entsprechend erreichen. Algorithmen, die das Job-Suchverhalten analysieren, können Jobvorschläge verfeinern und damit Kandidaten noch gezielter adressieren.

Generation Y & Z rekrutieren: Weniger ist mehr

Die Bewerbungsdauer spielt eine wesentliche Rolle bei der Apply-Through-Rate. Je länger die Bewerbungserstellung dauert, desto mehr Kandidaten brechen sie ab. Es kostet Nerven, immer wieder die gleichen Informationen über verschiedene Online-Bewerbungsformulare einzugeben. Vor allem, wenn der Bewerber am Ende eine Absage erhält. Oft führen dazu technische Probleme oder Schwierigkeiten beim Datei-Upload zum Absprung. Der Bewerbungsprozess muss sich deshalb in doppelter Hinsicht modernisieren. Erstens sollte er deutlich verkürzt und zweitens auf die relevanten Informationen reduziert werden. Personalverantwortliche müssen die zentralen Fragen vorab definieren, um damit einem Bewerbungsgespräch vorzugreifen. Das bringt im ersten Recruiting-Schritt vor allem Eines - Zeitersparnis.

Um den Unternehmenserfolg zu sichern, sind junge Talente der Generationen Y und Z am Arbeitsmarkt stets gefragt. Für diese Zielgruppen nimmt Mobilität bei zukünftigen Bewerbungen eine immer wichtigere Rolle ein. Sie wünschen sich eine schnelle und flexible Erstellung von Bewerbungen sowie einen transparenten Bewerbungsverlauf. Gleichzeitig können sich Kandidaten schneller und ihrer täglichen Mediennutzung entsprechend bewerben. (pg)