Recruiting-Studie

IT-Branche verbessert sich in der Personalsuche

14.08.2019
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
IT-Arbeitgeber machen im Recruiting vieles richtig, so die Best-Recruiters-Studie des Career Instituts. Optimierbar sei jedoch der Umgang mit Bewerbern.
  • Deutsche Unternehmen sind in der Bewerberansprache über die Karriere-Website, Mobile Recruiting und Social Web stark.
  • Nur vier von zehn IT-Recruitern reagieren binnen zehn Werktagen auf die E-Mail-Anfrage eines Kandidaten.
  • Das Suchverhalten von Jobsuchenden hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt.

An allen Ecken und Enden sind die Bemühungen der IT-Arbeitgeber sichtbar, wenn es darum geht, Bewerber ins Unternehmen zu holen - angefangen von der professionellen Gestaltung des Karriereteils auf der firmeneigenen Internet-Seite über verschiedenste Veranstaltungsformate bis hin zu Aktivitäten rund um Social Media. Und dennoch, so stellen die Analysten der Wiener Plattform Best Recruiters fest, kümmern sich Arbeitgeber zu wenig um die Bewerber selbst.

Die ITK-Branche hat sich im Recruiting stark verbessert. Verbesserungspotenzial gibt es jedoch noch in Sachen Reaktionszeit, wenn Bewerber aktiv den Kontakt zum Arbeitgeber suchen.
Die ITK-Branche hat sich im Recruiting stark verbessert. Verbesserungspotenzial gibt es jedoch noch in Sachen Reaktionszeit, wenn Bewerber aktiv den Kontakt zum Arbeitgeber suchen.
Foto: fizkes - shutterstock.com

Die gute Nachricht für die Branche IT/Software/Telekommunikation, die sich aus den Studienergebnissen ergibt: Sie hat im Ranking der Branchen das Siegertreppchen erklommen und belegt Platz drei hinter dem Bekleidungseinzelhandel und der Personaldienstleistung, nachdem sie im Vorjahr noch auf Platz acht rangierte. "Eine starke Leistung angesichts von insgesamt 27 untersuchten Wirtschaftsbereichen", meint Studienleiterin Agnes Koller. Mit durchschnittlich 65 Prozent der möglichen Punkte liegt die Branche sogar markant über dem Gesamtdurchschnitt von 60 Prozent. Branchensieger Rohde & Schwarz belegt mit 84 Prozent der Maximalpunkte den siebten Platz des Gesamtrankings aller Branchen und aller Betriebe. Die besten drei Unternehmen der ITK-Branche sind:

1. Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG (Gesamtranking: Platz 7).

2. Deutsche Telekom AG (Gesamtranking: Platz 19).

3. Bechtle AG (Gesamtranking: Platz 29).

Schwächen im Bewerbermanagement

"Die Studie zeigt: Die Stärken der 412 getesteten deutschen Arbeitgeber liegen eindeutig im Online-Auftritt, also der Bewerberansprache über die Karriere-Website, Mobile Recruiting und Social Web", beobachtet Koller. Optimierungsbedarf bestehe hingegen in der Art und Weise, wie Arbeitgeber Stellenausschreibungen gestalten und auf Bewerberanfragen antworten. Im Vergleich mit der Gesamtstichprobe haben IT-Recruiter insbesondere hinsichtlich mobiler Bewerberservices die Nase deutlich vorne, aber auch was die Usability im Bewerbungsverfahren, die Nutzung von Social Media und den Einsatz von Instrumenten im Talent-Relationship-Management anbelangt.

Optimaler Bewerbungsprozess via Smartphone

Dass sie in der digitalen Welt sattelfest sind, stellen viele IT-Arbeitgeber auch in der Personalrekrutierung unter Beweis. "Vor allem die Bedeutung von Smartphones, die mittlerweile fixer Bestandteil unseres Lebens sind, steht im Fokus", stellt Koller fest. Für sämtliche Arbeitgeber der Branche versteht es sich von selbst, dass sowohl Karriere-Website als auch Stellenmarkt und Jobinserate für mobile Endgeräte optimiert sind. Bei 94 Prozent sei in Folge sogar eine Bewerbung per Smartphone bequem möglich - damit schneiden IT-Arbeitgeber auch in diesem herausfordernden Bereich deutlich besser ab als der deutschlandweite Durchschnitt (79 Prozent). Angesichts der Fachkräfteengpässe machen sie es Bewerbern so einfach wie möglich, sich im Unternehmen zu bewerben.

Authentizität ist Teil der Employer-Branding-Strategie

"Dass sich das Suchverhalten von Kandidaten in den letzten Jahren deutlich gewandelt hat, ist nicht erst seit dem Launch von Google for Jobs in Deutschland bekannte Tatsache", beobachtet Koller. Öfter denn je sei die Stellenausschreibung heute der erste Berührungspunkt eines Bewerbers mit einem potenziellen Arbeitgeber. Die damit einhergehende gesteigerte Bedeutung attraktiv gestalteter Stellenanzeigen ist für viele IT-Personaler ebenfalls kein Geheimnis mehr. Nahezu jeder Dritte (31 Prozent) stimmt die visuelle Gestaltung der Online-Stellenanzeigen stringent auf die Employer-Branding-Strategie ab, während dies in der Gesamtwertung nur sieben Prozent berücksichtigen: Statt Stock-Fotos kommen also reale Bilder zum Einsatz, die einen authentischen Eindruck des Unternehmens vermitteln und die Arbeitgeberbotschaft inhaltlich wie emotional sinnvoll ergänzen.

IT-Branche lockt mit Zusatzleistungen

"Die IT-Branche befindet sich auf einem richtigen Weg, auch wenn selbst hier bei zwei Drittel der Getesteten noch deutlich Luft nach oben besteht", analysiert Koller. Auch in der transparenten Kommunikation von Chancengleichheit, detaillierten Entwicklungsmöglichkeiten und Benefits sei die IT anderen Branchen laut Untersuchung "um Längen voraus". Im IT-Umfeld locken beispielsweise rund sechs von zehn Arbeitgebern in der Stellenausschreibung mit konkreten Zusatzleistungen für Mitarbeiter, während sich deutschlandweit nur vier von zehn diesbezüglich in die Karten blicken lassen.

Talente-Pools und Alumni-Netzwerke pflegen

Laut aktuellen Erhebungen des Branchenverbands Bitkom blieben im letzten Jahr 82.000 IT-Positionen unbesetzt. Viele IT-Recruiter haben daher aus der Not eine Tugend gemacht und setzen verstärkt auf Talent-Relationship-Management, sprich den mittel- bis langfristigen Kontakt mit latent wechselwilligen Mitarbeitern. Während von allen untersuchten deutschen Unternehmen nur 59 Prozent einen Talente-Pool betreiben, sind sich schon 81 Prozent der IT-Betriebe des Vorteils aktiven Networkings bewusst. Doch nicht nur die laufende Kommunikation mit potenziellen Mitarbeitern von morgen wird in der IT-Branche großgeschrieben. Die befragten Unternehmen engagieren sich zudem überdurchschnittlich stark, mit ehemaligen Mitarbeitern in Verbindung zu bleiben. 38 Prozent der Firmen betreiben einen Alumni-Club für Ehemalige und bemühen sich auch aktiv um Mitarbeiter in Elternzeit, beispielsweise in Form von Newslettern oder Veranstaltungen. Deutschlandweit lassen neun von zehn Recruitern dieses Potenzial noch ungenutzt und "verschenken so zahlreiche Chancen im Wettstreit um die begehrten Talente", ist Koller überzeugt.

Agnes Koller: "Die IT-Branche befindet sich auf einem richtigen Weg, auch wenn selbst hier bei zwei Drittel der Getesteten noch deutlich Luft nach oben besteht."
Agnes Koller: "Die IT-Branche befindet sich auf einem richtigen Weg, auch wenn selbst hier bei zwei Drittel der Getesteten noch deutlich Luft nach oben besteht."
Foto: Agnes Koller - Career Verla

Active Sourcing anders herum

Suchen Bewerber aktiv den Kontakt zum Arbeitgeber, "lässt sich allerdings noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen", merkt die Studienleiterin kritisch an. Nur vier von zehn IT-Recruitern reagieren binnen zehn Werktagen auf die E-Mail-Anfrage eines Kandidaten. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es gut sechs von zehn. Wird die Anfrage per Business-Netzwerk abgeschickt, verhallt sie noch häufiger ungehört. Konkret melde sich in diesem Fall nur ein Drittel der IT-Recruiter und ein Viertel der gesamten Stichprobe bei den Interessenten zurück. Gerade in Zeiten des harten Wettstreits um vielversprechende Talente, in denen sich viele Personaler im Zuge ihrer Active-Sourcing-Initiativen zeitnahe Reaktionen der angeschriebenen Talente wünschen, sollten sie dieselbe Wertschätzung auch proaktiven Bewerbern entgegenbringen.

Fazit der Studie

Personaler aus dem IKT-Bereich nehmen sich die Professionalisierung ihres Recruitings zu Herzen und haben in einigen Bereichen ihre Kollegen aus anderen Branchen überholt. Ein Vergleich der 27 untersuchten Wirtschaftszweige zeigt beispielsweise, dass IT-Recruiter stärker als alle anderen auf laufende Interaktion mit Interessierten und somit potenziellen neuen Mitarbeitern im Social Web setzen. Das betrifft Business-Netzwerke wie Xing, LinkedIn oder kununu ebenso wie privat orientierte Plattformen à la Facebook oder Instagram. Auch die Bewerbungsübermittlung selbst geht im IT-Umfeld am nutzerfreundlichsten vonstatten.

Informationen zur Studie

Best Recruiters analysiert und bewertet jährlich folgende Kategorien: Karriere-Website, Mobile Recruiting, Social Web, Online-Stellenausschreibungen, Bewerbungsresonanz, Usability im Bewerbungsprozess, DSGVO, Initiativen im Bereich Talent-Relationship-Management sowie die Reaktion auf die Kontaktaufnahme von Kandidaten per E-Mail und Social Media. Für die Erfüllung jedes der 203 Einzelkriterien werden Punkte vergeben, maximal sind 100 Punkte möglich.

Studienleiterin von Best Recruiters ist Agnes Koller. Seit 2010 werden jährlich die 1300 Top-Arbeitgeber Deutschlands, Österreichs und der Schweiz anhand von über 200 Kriterien auf ihre Recruiting-Qualität getestet. Für herausragende Leistungen werden Gütesiegel in Gold, Silber und Bronze verliehen und individuelle Studienberichte mit Optimierungsvorschläge verfasst. Kontakt: agnes.koller@bestrecruiters.eu

Kostenloses Business-Frühstück der CW

Am 24. September, kurz nach dem Ende der Sommerferien in Süddeutschland, können auch Personaler eine Prise Weiterbildung genießen. Im Verlagshaus in Nordschwabing organisieren die Karriereexperten der COMPUTERWOCHE gemeinsam mit den Analysten von Best Recruiters das nächste Arbeitsfrühstück, in dem es darum geht, was Arbeitgeber im Recruitingverfahren besser machen können. Präsentiert werden Studienergebnisse, in denen Stärken und häufigste Fehler der Unternehmen vorgestellt werden, aber natürlich auch Hinweise und Tipps, wie man es richtig macht. Eines der Siegerunternehmen wird aufzeigen, warum es so erfolgreich ganz oben gelandet ist.