Digitale Alternative zum Post-Ident-Verfahren

Video-Identifikation kurz erklärt

Als Diplom-Kaufmann zog es Michael Sittek bereits 2000 in die Internet-Payment-Branche. Er arbeitete unter anderem bei EuroCoin, wo er den Non-Cash-Bereich verantwortete. 2004 übernahm er eine der Tochtergesellschaften durch Management Buy-out. Nach dem Verkauf des Unternehmens begann er mit dem Aufbau von Amazon Payments Deutschland. Seit November 2014 ist Michael Sittek Geschäftsführer bei IDnow.
Für Geschäftsabschlüsse, die eine Personenidentifikation voraussetzen, war bisher der Gang zum Bank- oder Postschalter unumgänglich. Eine Alternative ist das Online-Ident-Verfahren.

2014 wurde in Deutschland die Online-Identifizierung von Kunden zugelassen. Seitdem hat sich das Video-Identifikationsverfahren in der Finanzbranche fest etabliert und das Kundenerlebnis revolutioniert. War man früher an die Öffnungszeiten von Banken oder der Post gebunden, um sich zu legitimieren, ist es mittlerweile problemlos möglich, am Wochenende online ein Konto zu eröffnen oder spätabends einen Kredit zu beantragen.

Personalausweis, eine Internetverbindung und ein Device mit Kamera. Dieses Equipment wird für eine Online-Identifikation benötigt.
Personalausweis, eine Internetverbindung und ein Device mit Kamera. Dieses Equipment wird für eine Online-Identifikation benötigt.
Foto: IDnow GmbH

Immer mehr Branchen entdecken inzwischen die Vorteile der Video-Identifikation für sich, oft auch in Verbindung mit der elektronischen Vertragszeichnung. So hat etwa ein Leasing-Anbieter seinen Kunden damit ermöglicht, ihren Leasing-Vertrag innerhalb weniger Minuten komplett im Internet abzuschließen.

Identifikation per Video-Chat

Für eine Video-Identifikation benötigen Nutzer lediglich Computer oder Smartphone, eine Internetverbindung sowie ein gültiges Ausweisdokument. Im Video-Chat prüft ein sogenannter Ident-Spezialist, ob der Ausweis und die Identität des Nutzers echt sind und übereinstimmen. Dafür verwendet er eine hochspezialisierte Software, die automatisch kleinste Abweichungen des Ausweisdokuments vom Standard erkennt. Außerdem stellt der Ident-Spezialist bestimmte Fragen und nutzt Verhaltensbeobachtungen, um sicherzugehen, dass der Nutzer kein Betrüger ist und weiß, wofür er sich identifiziert.

Das Ergebnis der Legitimationsprüfung leitet er direkt an das entsprechende Unternehmen weiter, damit die Kundenbeziehung umgehend starten kann. Der ganze Prozess dauert in der Regel nur wenige Minuten. Handelt es sich um einen sogenannten eSign-Vorgang, unterzeichnet der Nutzer zusätzlich per Mausklick einen digitalen Vertrag mit einer Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES). Diese ist genauso rechtssicher wie eine manuelle Unterschrift und seit der eIDAS-Verordnung in allen EU-Mitgliedstaaten gültig.

Sicherheit durch ausgefeilte Technologie

Die rechtlichen Vorgaben für die Video-Identifikation sind in den Rundschreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) geregelt, die das Verfahren zur rechtskonformen Fernidentifizierung nach dem Geldwäschegesetz (GwG) zugelassen hat. Im April 2017 hat die BaFin die Sicherheitsstandards für das Verfahren nochmals erhöht, um es stärker gegen potenzielle Betrugsversuche und Hacker-Attacken abzusichern.

Ausblick

Ein Teil der Finanzbranche setzt die Online-Zertifizierung bereits ein. Es ist davon auszugehen, dass sich dieses Verfahren in einigen Jahren quer durch alle Branchen etabliert haben wird, nämlich überall dort, wo eine rechtssichere Personen-Identifizierung relevant ist. Das ist etwa der Fall, wenn es darum geht, eine Führerscheinverifikation durchzuführen, Kundenangaben im e-Commerce bereits vor einer Bestellung zu kontrollieren und eine Vollmacht oder ein rechtssicheres SEPA Lastschriftmandat einzuholen.