Frauen in der IT

"Sei zielstrebig, aber gelassen"

30.01.2012
Von Marc Voland
Mit der richtigen Haltung, einem Netzwerk und gutem Zeit-Management schaffen es Frauen die Karriereleiter nach oben, ist IT-Managerin Inge Hanschke überzeugt.
Inge Hanschke ist seit 2007 Geschäftsführerin der Iteratec GmbH. Das Software- und Beratungsunternehmen beschäftigt 150 Mitarbeiter am Hauptsitz in Unterhaching und vier weiteren Geschäftsstellen. Sie hat einen Sohn und lebt mit ihrer Familie in München.
Inge Hanschke ist seit 2007 Geschäftsführerin der Iteratec GmbH. Das Software- und Beratungsunternehmen beschäftigt 150 Mitarbeiter am Hauptsitz in Unterhaching und vier weiteren Geschäftsstellen. Sie hat einen Sohn und lebt mit ihrer Familie in München.
Foto: Iteratec GmbH

CW: Ist es heute für Frauen leichter in der IT Karriere zu machen als vor zehn Jahren?

HANSCHKE: Aus meiner Sicht, ja. Inzwischen sitzen schon einige Frauen im Vorstand oder der Geschäftsführung von Firmen. Es wird zunehmend akzeptiert, dass Frauen auch gute Führungskräfte sind. Wenn eine Frau in eine leitende Funktion befördert wird, ist es keine Entscheidung, die im Nachhinein angeprangert wird allein aufgrund der Tatsache, dass die neue Führungskraft eine Frau ist. Leider gibt es aber nach wie vor viel zu viele Ressentiments in Bezug auf eine mögliche Schwangerschaft oder mangelnde Härte im Management. Aber die Vorurteile schwinden.

CW: Die Arbeitswelt ist aber nach wie vor männlich geprägt.

HANSCHKE: Es hat sich schon einiges geändert, oder besser gesagt: es ändert sich gerade. So ist beispielsweise bei den Vätern zunehmend der Wunsch zu hören, dass sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Das Thema Elternzeit ist auch für Väter ganz normal geworden. Das heißt aber auch, dass sie für eine gewisse Zeit ausfallen. Das war bisher der "Makel" der Frauen. Aber natürlich: Von Gleichberechtigung kann man noch nicht sprechen. In Führungsetagen entscheiden in der Regel Männer.

CW: Deshalb diskutiert die Politik lebhaft die Quote. Würde sie in der IT-Branche jemandem helfen?

HANSCHKE: Zwang ist aus meiner Sicht nicht das beste Rezept. Wichtiger ist es, Frauen frühzeitig für IT-Berufe zu begeistern, ihnen im Job die richtigen Rahmenbedingungen zu bieten und unbegründete Angst vor der Technik zu nehmen. Hier besteht für die gesamte Branche weiterhin Aufklärungsarbeit. Neue Themen in der IT wie etwa Social Media oder Mobile Computing, also fassbare Innovationen, könnten den Weg ebnen.

CW: Was muss sich noch ändern?

HANSCHKE: Je mehr Flexibilität ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiterinnen und auch Mitarbeitern ermöglicht, desto leichter können diese Beruf und Familie organisieren. Schaut man auf die psychologische Ebene: Die Führungs- und Motivationsstärke von Frauen wird leider immer noch nicht ausreichend gesehen oder aber es bestehen Ängste oder Unsicherheiten im Umgang mit Frauen.

Sie tendieren zu einer hierarchieunabhängigen und sachorientierten Kommunikation. Wenn eine Frau erst einmal zuhört und nichts sagt, bedeutet das nicht, dass sie nichts zu sagen hat. Frauen sind immer noch etwas schüchtern, wenn es um "Seilschaften" geht, auch wenn diese beim Aufstieg helfen.

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