Übernahme von Cerner abgeschlossen

Oracle will zentrale Patienten-Datenbank bauen

14.06.2022
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Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
Nach der Übernahme von Cerner erklärte Oracle-Gründer Larry Ellison seine Pläne mit der Plattform für Gesundheitsdaten. Das System soll unter anderem zur Drehscheibe für alle Patientendaten in den USA ausgebaut werden.
Der Healthcare-Sektor hat in Sachen Digitalisierung noch viel Luft nach oben. Davon will auch Oracle profitieren.
Der Healthcare-Sektor hat in Sachen Digitalisierung noch viel Luft nach oben. Davon will auch Oracle profitieren.
Foto: PopTika - shutterstock.com

Am 8. Juni 2022 hat Oracle die im vergangenen Dezember angekündigte Übernahme des US-amerikanischen Healthcare-IT-Anbieters Cerner abgeschlossen. Die Kartellbehörden in Europa und den USA hatten den Deal durchgewunken, und bis zum 6. Juni waren Oracle knapp 70 Prozent der Cerner-Aktien angeboten worden. Der Zukauf kostet den Datenbankspezialisten rund 28,3 Milliarden Dollar. Es ist die größte Akquisition Oracles in der 45-jährigen Firmengeschichte.

Cerner wurde 1979 gegründet und hat seinen Sitz in North Kansas City im US-Bundesstaat Missouri. Das Unternehmen hat rund 26.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete im Jahr 2021 einen Umsatz von knapp 5,8 Milliarden Dollar (Vorjahr: 5,5 Milliarden Dollar). Der Gewinn schrumpfte im Jahresvergleich von 780 auf 556 Millionen Dollar. Cerner soll am Standort bleiben und als eigenständige Abteilung von Oracle weitergeführt werden, hieß es.

„Gemeinsam sind Cerner und Oracle in der Lage, das Gesundheitswesen zu transformieren“, kommentierte Larry Ellison, Gründer, Chairman und Chief Technology Officer von Oracle, die Akquisition von Cerner. Die chronisch überlasteten Fachkräfte sollen bessere Informationen sowie benutzerfreund­liche digitale Tools an die Hand bekommen. Der Manager versprach außerdem eine neue Generation von medizinischen Informationssystemen.
„Gemeinsam sind Cerner und Oracle in der Lage, das Gesundheitswesen zu transformieren“, kommentierte Larry Ellison, Gründer, Chairman und Chief Technology Officer von Oracle, die Akquisition von Cerner. Die chronisch überlasteten Fachkräfte sollen bessere Informationen sowie benutzerfreund­liche digitale Tools an die Hand bekommen. Der Manager versprach außerdem eine neue Generation von medizinischen Informationssystemen.
Foto: Oracle

Anlässlich des Vollzugs des Deals skizzierte Oracle-Gründer und Chief Technology Officer Larry Ellison, was er mit dem Healthcare- Spezialisten vor hat. Im Zentrum steht dabei "Millenium", die Plattform für Gesundheits­daten, auf der Electronic Health Records (EHRs) gespeichert und verarbeitet werden. Millenium soll modernisiert und erweitert werden, kündigte Ellison an. Dabei zielt der Oracle-Gründer unter anderem auf eine einfachere Bedienung des Systems ab. "Wir werden eine sprachgesteuerte Benutzeroberfläche für Millennium bauen, die es den Ärzten erleichtert, auf medizinische Daten zuzugreifen", kündigte Ellison an.

Darüber hinaus soll ein Telemedizin-Modul in die Plattform integriert werden. "Wenn Sie im ländlichen Amerika leben und einen Spezialisten wegen einer Krebserkrankung konsultieren möchten, können Sie das über eine sichere Videokonferenz tun", versprach der Manager den Anwendern. Darüber hinaus sollen speziell auf bestimmte Krankheiten zugeschnittene KI-Module in Millenium eingebaut werden, um Diagnose und Behandlung zu verbessern.

Landesweites System für Patientenakten

Ellison sprach auch von Plänen, auf Grundlage der Cerner-Lösungen eine einheitliche Gesundheitsdatenbank aufbauen zu wollen. Hier sollen Gesundheitsdaten von Millionen von amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern gespeichert werden. Oracle will damit offenbar ein übergreifendes landesweites System für Patientenakten in den USA schaffen. Ellison zufolge soll damit die Fragmentierung von Patientendaten überwunden werden. Ärzte in jedem Krankenhaus des Landes erhielten bei Bedarf und mit der entsprechenden Zustimmung der Betroffenen Zugriff auf die Daten eines Patienten.

Gesundheitswesen im Visier von Hackern

Ein solches System für Gesundheitsdaten würde auch dazu beitragen, dass Beamte der Gesundheitsbehörden im Falle einer Pandemie schneller reagieren könnten. Die US-Regierung gehört bereits zu den größten Kunden Cerners. Diverse Behörden arbeiten mit Cerner-Lösungen darunter die Küstenwache, das Center for Desease Control (CDC), das Gesundheitsministerium sowie die Behörde für Veteranenangelegenheiten. Letztere bemüht sich seit einiger Zeit, ihr EHR-System mithilfe von Cerner zu modernisieren. Doch das Projekt scheint aufwendig und teuer zu sein. Die US-amerikanische Finanzaufsicht und der Senat hatten die Behörde erst kürzlich aufgefordert, die Kosten für das Modernisierungsprogramm detaillierter aufzuschlüsseln.