IT-Konsolidierung strategisch planen

04.06.2003
Von Christian Zillich
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IT-Konsolidierung gilt als Wunderwaffe für die Kosteneinsparung. Wenn sie jedoch über den Infrastrukturbereich hinaus in die Anwendungsebene hineinreicht, muss im Vorfeld eine auf Geschäftsprozesse ausgerichtete Strategie erarbeitet werden.

In fast allen Unternehmen diskutieren Verantwortliche derzeit, wie sich trotz reduzierter Ausgaben der Wertbeitrag der IT erhöhen lässt. Torsten Frankenberger, Partner in der Unternehmensberatung Droege & Comp. GmbH belegt den Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und IT-Konsolidierung anhand empirischer Daten.

So zeigt eine von Droege erstellte Studie zum Thema IT-Investment, für die rund 170 europäische IT-Führungskräfte befragt wurden, dass überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen konsequent standardisieren und zentralisieren, statt sich mit gewachsenen heterogenen Systemlandschaften und IT-Strukturen abzufinden. Während beim Betrieb der Systeme kaum Unterschiede auszumachen sind, legt die Studie bei der Anwendungsentwicklung große Abweichungen offen: Die erfolgreichen Firmen haben diese im Schnitt zu 48 Prozent zentralisiert, die Durchschnittlichen lediglich zu 16 Prozent. Die Infrastrukturentwicklung ist bei Letzteren nur zu 13 Prozent gebündelt, bei den Klassenbesten jedoch zu 36 Prozent.

Synergiepotenziale versus Autonomie

Unterstützt würden diese Bemühungen häufig durch den Einsatz von IT-Scorecards, geeigneten Benchmarking-Methoden und eine generell höhere Transparenz bezüglich IT-Leistungen und -Prozessen. Außerdem verzettelten sich erfolgreiche Unternehmen laut Frankenberger weniger mit Modethemen, sondern entwickelten stattdessen ihre wichtigen Kernsysteme wie Enterprise-Resource-Planning- oder Supply-Chain-Management-Lösungen weiter. Wenn in diesen Bereichen - also nicht nur auf IT-Infrastrukturebene - konsolidiert werde, ständen die Anwenderunternehmen allerdings vor einem Dilemma: Sollen Synergiepotenziale genutzt werden, nehmen Autonomie und Flexibilität der Fachbereiche ab.

An diesem Punkt setzt auch die Warnung von John Mahoney, Vice President und Research Director bei Gartner, an. Der größte, häufig begangene Fehler bei der strategischen Vorbereitung von Konsolidierungsprojekten sei die Annahme, dass es sich dabei um ein reines IT-Thema handle. Zwar habe die IT-Abteilung naturgemäß einen schärferen Blick für technische Einsparpotenziale, das tiefer gehende Verständnis der betroffenen Geschäftsprozesse brächten jedoch eindeutig die Fachabteilungen und der Vorstand auf.

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