APIs, Start-Ups, Digitalisierung

IT im Cannabis-Business

Katherine Noyes ist US-Korrespondentin des IDG News Service in Boston.
APIs, virtuelle Roboter, Cloud-Plattformen: "High"-Tech lässt die legale Marihuana-Industrie in den USA erblühen. Wir werfen einen Blick auf eine streng regulierte Branche im digitalen Wandel.

Die Cannabis-Industrie in den Vereinigten Staaten wird langsam erwachsen. Der beste und aktuellste Beweis dafür: die Kooperation von Microsoft mit dem Marihuana-Start-Up Kind. Natürlich spielt der Windows-Gigant dabei eine eher hintergründige Rolle: In erster Linie stellen die Redmonder ihre Azure Cloud-Services für einen Compliance-fokussierten Software-Push zur Verfügung. Dennoch ist dieser Schritt bedeutend und bemerkenswert zugleich, wie Kyle Sherman, Mitbegründer und CEO beim Software-Hersteller Flowhub, herausstellt: "Dass der Name Microsoft künftig öffentlich im gleichen Satz wie das Wort ‚Cannabis‘ genannt werden darf, legitimiert unsere Branche."

Was früher auch ganz gut als Cover für ein Gangster-Rap-Album getaugt hätte, bildet heute die Business-Realität in Teilen der USA ab.
Was früher auch ganz gut als Cover für ein Gangster-Rap-Album getaugt hätte, bildet heute die Business-Realität in Teilen der USA ab.
Foto: La Conte's

Cannabis-Business: Strenge Regularien, hohes Potenzial

Gründer, die ein legales Cannabis-Business aufziehen wollen, kämpfen seit jeher gegen Vorurteile und Ausgrenzung. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass Marihuana in den USA - trotz der Legalisierung in einigen Bundesstaaten - offiziell weiterhin als illegale Droge mit höchstem Gefährdungspotenzial eingestuft wird. Bislang haben 25 Staaten der USA per Gesetz den Gebrauch von Cannabis zu medizinischen oder "rekreativen" Zwecken zugelassen. Für einige Marihuana-Entrepreneure ist das allerdings ein schwacher Trost: In vielen Fällen wird ihnen nämlich die Eröffnung eines Bankkontos verwehrt.

Das Problem: Banken und Kredit-Institutionen ist es per Bundesgesetz verboten, Geld aus dem Handel mit Cannabis anzunehmen. Nach offiziellen Stellungnahmen des US-Justiz- und Finanzministeriums, die besagen, dass Unternehmen, die ihren Sorgfaltspflichten nachkommen, keine Repressalien zu befürchten haben, haben einige Finanzinstitute inzwischen umgedacht - die großen Player der US-Finanzbranche lassen jedoch weiterhin die Finger von der Cannabis-Industrie.

Dabei gibt es am Profit-Potenzial der Marihuana-Branche keine Zweifel. Im Gegenteil: Der legale Verkauf von Cannabis-Produkten spülte im Jahr 2015 satte 5,4 Milliarden Dollar in die Kassen - mit Tendenz nach oben, wie eine aktuelle Studie von Arcview Market Research und New Frontier zeigt. Im Jahr 2020 soll das legale Geschäft mit dem High Schätzungen zufolge 21,8 Milliarden Dollar umsetzen.

Start-Ups: Technologie meets Marihuana

Dieses Ziel zu erreichen, haben sich etliche "Weed-Start-Ups" auf die Fahnen geschrieben. Und wie das bei Start-Ups so üblich ist, haben die juvenilen Unternehmen jede Menge Technologie im Gepäck. Das war bisher ganz anders: Bei der Produktion und dem Verkauf von Marihuana spielte Technologie bislang - vor allem aufgrund rechtlicher Bedenken - kaum eine Rolle.

"Kaum ist aber das falsche Wort", wirft Mike Bologna ein und unterstreicht: "Der Einsatz von Technologie wurde bisher eher aktiv vermieden." Bologna ist Gründer und CEO bei Green Lion Partners, einem Unternehmen, das sich auf die Business-Strategien von Firmen in der Cannabis-Branche spezialisiert hat. Seiner Einschätzung nach könnte das Technologie-Wachstum innerhalb der Branche möglicherweise schon bald das der Branche selbst übertreffen.

Dabei geht es nicht nur um landwirtschaftliche Technologien und physische Sicherheits-Maßnahmen beim Anbau der Droge, sondern auch um Tools für Ausgabe und Verkauf, die einen komfortablen, transparenten und regelkonformen Handel mit Cannabis sicherstellen sollen.