PC-Flaute verhagelt die Bilanz

Intel tritt die Kostenbremse

28.10.2022
Von 
Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Angesichts massiver Einbrüche im Kerngeschäft muss Intel sparen. Tausende von Intel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dürften ihren Job verlieren.
Intel-CEO Pat Gelsinger steckt in der Bredouille. Er muss sparen, aber gleichzeitig auch massiv in neue Werke und die Entwicklung investieren.
Intel-CEO Pat Gelsinger steckt in der Bredouille. Er muss sparen, aber gleichzeitig auch massiv in neue Werke und die Entwicklung investieren.
Foto: Intel

Die Flaute im PC-Geschäft hat Intel die Bilanz verhagelt. Im dritten Quartal 2023 verbuchte der Chipherstellen Einnahmen in Höhe von 15,3 Milliarden Dollar - 20 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Unter dem Strich stand ein Plus von einer Milliarde Dollar, das sind sogar 85 Prozent weniger als im dritten Quartal 2021 (6,8 Milliarden Dollar).

Der Einbruch traf Intel im Kern. Der Umsatz der Client Computing Group (CCG), also das Geschäft mit PC-Prozessoren, ging um 17 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zurück. Die Einnahmen der Datacenter and AI Group (DCAI) schrumpften sogar um 27 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Das ist insofern bedenklich, als das Geschäft mit Chips für Rechenzentren meist eine sichere Bank für Intel war und saisonale Schwankungen im PC-Geschäft ausgleichen konnte.

Kosten senken - Effizienz erhöhen

Intel-CEO Pat Gelsinger bemühte sich trotz des Gegenwinds um Zuversicht. "Angesichts der sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen haben wir solide Ergebnisse", sagte der Manager und sprach von Fortschritten bei Produktstrategie und den operativen Prozessen. Um der Flaute zu begegnen, kündigte Gelsinger an, die Kosten zu senken und das gesamte Unternehmen auf mehr Effizienz zu trimmen. Im kommenden Jahr sollen die Ausgaben um drei Milliarden Dollar gedrückt werden, bis 2025 peilt das Intel-Management Einsparungen von acht bis zehn Milliarden Dollar jährlich an.

Ohne Personalabbau wird das nicht möglich sein. Noch ist nicht bekannt, wie viele Beschäftigte ihren Job verlieren werden. Finanzchef David Zinser sprach aber von einer bedeutenden Zahl, ohne allerdings konkret zu werden. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg hatte erst kürzlich berichtet, Intel plane massive Einschnitte in seiner Belegschaft. Die Vertriebs- und Marketingabteilungen könnten ein Fünftel ihrer Leute verlieren, hieß es. Derzeit beschäftigt der Halbleiterhersteller weltweit etwa 110.000 Menschen.

Lesen Sie, vor welchen Herausforderungen Intel steht und wie sich der Halbleitergigant umbauen will:

Gelsinger erklärte, Intel stehe vor einigen großen Herausforderungen. Hohe Investitionen in den Bau neuer Werke in Ohio und Deutschland müssten mit mehr Effizienz in Einklang gebracht werden. Um Geld zu sparen, will Intel auch sein Portfolio zurechtstutzen und die Support-Organisation verkleinern, hieß es. Der Konzern hatte bereits einige Unternehmensbereiche geschlossen beziehungsweise abgestoßen, darunter das Geschäft mit Optane-Speichern sowie die Entwicklung und den Bau von Drohnen.

Neue Werke, mehr Entwicklung - Intel muss investieren

Der Geschäftseinbruch trifft Intel in einer schwierigen Phase. Im klassischen PC-Chipmarkt erstarkt die Konkurrenz. AMD macht Intel hier das Leben schwer, auch wenn der Wettbewerber ebenfalls unter der Flaute im PC-Geschäft leidet. Im Data-Center-Bereich geht es inzwischen um mehr als nur leistungsstarke Server-CPUs. Hier sind zunehmend Spezialprozessoren gefragt, beispielsweise Grafikprozessor-Einheiten, die sich besser für KI-Workloads eignen. Auch hier gibt es starke Konkurrenz, allen voran Nvidia. Intel müsste an dieser Stelle eigentlich mehr in die Entwicklung investieren.

In Magdeburg will Intel in den kommenden Jahren ein gigantisches Chip-Werk bauen.
In Magdeburg will Intel in den kommenden Jahren ein gigantisches Chip-Werk bauen.
Foto: Intel

Nicht zuletzt will sich Intel als Auftragsfertiger im weltweiten Halbleitergeschäft positionieren. Gelsinger hatte bereits im vergangenen Jahr eine ehrgeizige Strategie zum Aufbau der Intel Foundry Services (IFS) ausgerufen. Das erfordert allerdings Milliarden-Investitionen in den Ausbau der Fertigungskapazitäten - Geld das angesichts der angespannten Geschäftslage nicht mehr so leicht locker gemacht werden dürfte.