Harte Sanierer haben Hochkonjunktur

15.07.2004
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Schreibt und bearbeitet Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.

Dabei gibt es in Krisenzeiten für Unternehmen seiner Meinung nach durchaus andere Maßnahmen, als lediglich die Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Oberste Maxime sei es, die Lage mit den Angestellten offen zu besprechen. Diese kämen oft mit guten eigenen Vorschlägen, die den Personalabbau abwenden könnten. Schütte führt das Beispiel Volkswagen an. In seiner Krisenzeit vor zehn Jahren habe der Konzern intern offen mitgeteilt, dass die Kosten um 30 Prozent reduziert werden sollten. "Daraufhin kamen die Mitarbeiter mit einem eigenen Maßnahmenplan, darunter freiwillige Reduzierung der Arbeitszeit. Die Folge: Es wurden keine weiteren Stellen gestrichen." Nach den ersten Entlassungen hätten sonst weitere 30000 Beschäftigte den Gang zum Arbeitsamt antreten müssen. Durch die freiwillige Einführung der Vier-Tage-Woche bei 20 Prozent Lohnverzicht konnte diese Maßnahme jedoch abgewendet werden.

"Die meisten Führungskräfte glauben: Was man nicht messen kann, kann man nicht managen." Martin Schütte, Ex-Vorstandsmitglied der Hypovereinsbank
"Die meisten Führungskräfte glauben: Was man nicht messen kann, kann man nicht managen." Martin Schütte, Ex-Vorstandsmitglied der Hypovereinsbank

Auch andere Unternehmen wie Opel haben laut Schütte diese Methode inzwischen erfolgreich angewandt. Zudem praktizierten viele Firmen alternative Kostenreduktionsmodelle wie die Einführung von flexiblen Arbeitszeitkonten, Vorruhestandsregelungen oder Sabbaticals, wo Mitarbeiter sich bei geringerer Lohnfortzahlung eine Auszeit vom Job nehmen. Eine weitere Alternative zur Entlassung bestehe in firmeneigenen Jobbörsen, wie sie etwa die Hypovereinsbank habe, wodurch Mitarbeiter intern und extern neu vermittelt werden.

Manager müssen umdenken

Der Ex-Manager rief die Unternehmenslenker zum Umdenken auf: Sie müssten die Mitarbeiter künftig als entscheidende Leistungsquelle sehen, sich auf deren Potenziale und Fähigkeiten konzentrieren und sie in alle Management-Prozesse wie Strategieentwicklung, Zielsetzungen, Controlling und externe Berichterstattung einbeziehen.

Manager sollten herausfinden, was ihre Angestellten zu Höchstleistungen motiviert, die Leistungs- und Potenzialträger regelmäßig ermitteln und fördern. Notwendig seien zudem konkrete Führungsgrundsätze, die verbindlich und Gegenstand von Zielen und Beurteilung sind. Führungskräfte sollten daran gemessen werden. "Wir müssen es schaffen, dass das Management Humankapital ernst nimmt, Ziele setzt und diese intern und extern kontrollierbar macht", forderte Schütte.