Industrial Data Space

Ein neuer Standard für Datensouveränität

25.09.2017
Von Rolf Röwekamp

Der zweite Konnektor, der Trusted Connector, soll für maximale Sicherheit sorgen, weshalb Fraunhofer hier den Security-Chip "Trusted Platform Module" einsetzt. Künftig soll es noch weitere Konnektoren geben, die Anbieter auf dem freien Markt entwickeln sollen. Das Fraunhofer-Institut will dann als Zertifizierungsstelle für diese Konnektoren fungieren.

Regeln für die Datenfreigabe festlegen

Neben der technischen Umsetzung besteht eine weitere zentrale Aufgabe der Initiative darin, die auf den Konnektoren hinterlegten Nutzungsbedingungen, sprich den Daten angeheftete Regeln, zu definieren. Regeln wie Verwendungsdauer, Anonymisierung oder geografische Nutzung lassen sich überwiegend standardisieren. "Wir müssen dazu aber ein gemeinsames Begriffsverständnis über Branchen hinweg aufbauen, also idealerweise ein Datenesperanto für diese Regeln schaffen", sagt Boris Otto, Forschungschef des IDS und Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST.

Salzgitter AG entwickelt App für Regeln

Spezielle Regeln müssen Unternehmen unter sich aushandeln, so macht es auch die Salzgitter AG. "Auf einer App hinterlegen wir spezifische Informationen und Sonderregeln, mit denen wir den Basis-Connector anpassen können", berichtet CIO Niederau-Buck. So gibt es beispielsweise keine einheitlichen Standards für die Bezeichnung von Stahlqualitäten in der Branche. Deswegen hat Salzgitter eine App entwickelt, die die verschiedenen von Herstellern, Lieferanten und Kunden verwendeten Begriffe übersetzen kann.

Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: "Wir brauchten also eine alternative IT-Architektur, die nicht auf einem zentralen Datenpool basiert, sondern auf einem dezentralen Ansatz."
Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft: "Wir brauchten also eine alternative IT-Architektur, die nicht auf einem zentralen Datenpool basiert, sondern auf einem dezentralen Ansatz."
Foto: Fraunhofer

Um Unternehmen wie die Salzgitter AG von dem Projekt zu überzeugen, musste ihnen zunächst ein Produkt gezeigt werden, das die Machbarkeit demonstrieren konnte. Dafür waren Vorabinvestitionen nötig, denn der IDS basiert auf einer neuen, einzigartigen Architektur, für die es weltweit keine Referenz gibt. Deshalb sprang das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein, das nicht nur Innovationen deutschlandweit vorantreiben will, sondern auch die Hightech-Strategie der Bundesregierung verantwortet.

Kritik aus der Wirtschaft

"Daten kommt eine enorme wirtschaftliche Bedeutung zu, sie sind eine Schlüsselressource für neue Geschäftsmodelle. Deswegen muss es einen sicheren und fairen Datenaustausch geben", beschreibt Bundesforschungsministerin Johanna Wanka die Motivation des BMBF. "Die Digitalisierung wird sehr viel im Marktgeschehen verändern, das müssen wir als Staat begleiten. Dabei müssen wir immer die gesamte Gesellschaft im Blick haben, die Volkswirtschaft, den Lebensstandard und die Arbeitsplätze."

Boris Otto, Forschungschef Industrial Data Space und Institutsleiter, Fraunhofer ISST: "Wir wollen unseren Architekturansatz mit den Modellen anderer internationaler Initiativen integrieren."
Boris Otto, Forschungschef Industrial Data Space und Institutsleiter, Fraunhofer ISST: "Wir wollen unseren Architekturansatz mit den Modellen anderer internationaler Initiativen integrieren."
Foto: Fraunhofer ISST

Die Hilfe bestand nicht nur in der Finanzierung der ersten Phase mit fünf Millionen Euro für das Fraunhofer-Institut, sondern vor allem auch in der Moderation des Vorhabens. So öffnete das BMBF anfangs die Türen und lud Unternehmen ein, denen Fraunhofer sein ­Konzept vorstellen konnte. Die Kritikpunkte aus der Wirtschaft betrafen vor allem die Datensicherheit, die ­Gefährdung des eigenen Geschäftsmodells und grundsätzlich die technische Umsetzbarkeit.