IT-Orakel

Das erwarten die Analysten für 2010 - Part 1

30.12.2009
Von 
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.

Vertragen sich Virtualisierung und ITIL?

Frage: ITIL und Virtualisierung sind aktuelle Trendthemen in vielen Unternehmen. Wie verträgt sich Virtualisierung mit ITIL, sind beide Disziplinen bezüglich der Change-Prozesse vereinbar?

Foto: PAC

Stephan Kaiser (PAC): Insbesondere die Problematik in einer stärker virtualisierten IT-Umgebung, die Configuration Management Database (CMDB) nach ITIL laufend aktuell zu halten, wird auch im nächsten Jahr ein Spannungsfeld in den IT-Abteilungen bleiben. Abhilfe kann hier die Einführung von Automatisierungstechniken schaffen, die mittlerweile immer öfter als Standardlösungen am Markt erhältlich sind.

Foto: Forrester

Thomas Mendel (Forrester): Es gibt bei den Disziplinen keine Widersprüche - im Gegenteil, die Bedeutung der ITIL-Prozesse wird durch die verstärkte Nutzung von Virtualisierung noch zunehmen. Wir sehen die Adaption der ITIL-Prozesse in einem Unternehmen als primäres Zeichen für ein Erwachsenwerden der IT. Es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, aber ITIL ist de-facto der Standard für IT-Prozesse geworden. Mit zunehmender IT- Prozessreife nimmt auch der Grad der Standardisierung zu, und somit auch die Möglichkeit der Automatisierung. Genau hier sehen wir das größte Potential der Virtualisierung.

Dan Bieler (IDC): Die größte Gefahr von ITIL besteht darin, es als Sinn und Zweck an sich zu interpretieren. Wenn IT-Abteilungen sich ITIL als das generelle Allheilmittel zu neuen Herausforderungen in Bereichen wie Virtualisierung oder anderen Cloud Themen verschreiben, dann sollte das zu Denken geben. ITIL ist letztendlich eine Methologie für die Planung der ITK-Infrastruktur und der damit zusammenhängenden Prozesse. Aber eine Methode muss sich nach der Zielsetzung eines Vorhabens richten - und nicht umgekehrt. Mit anderen Worten: Firmen müssen erst einmal klar festlegen, welche Ziele sie verfolgen. IT-Abteilungen müssen dann versuchen, die adäquate ITK-Infrastruktur sicherzustellen, um diese Ziele und die sich entwickelnden Geschäftsprozesse zu unterstützen. ITIL hilft dabei, den richtigen Rahmen dafür zu schaffen. Change Management muss ein elementarer Bestandteil dieses Prozesses sein. Aber IT Abteilungen müssen sich als Dienstleister verstehen. ITIL per se wird wenig ausrichten.

Foto: Microsoft

Andreas Klein (Techconsult): Virtualisierung braucht ein stringentes Management sowie eine gute Dokumentation, um beispielsweise Anforderungen in Bezug auf IT-Services definieren und Leistungen messen zu können. Vor dem Hintergrund gewachsener IT-Infrastrukturen, nicht selten geprägt von Anwendungswildwuchs und ungenügend dokumentierten Prozessen, ist ein IT-Service-Management auf Basis der ITIL Best Practices selten auf einen Schlag umsetzbar. Virtualisierung und ITIL können hingegen bei guter Prozess- und Anforderungsdokumentation ineinandergreifen, so dass Virtualisierung letzten Endes sogar dazu führen kann, den Erfüllungsgrad des notwendigen IT-Service-Anforderungskatalogs in Echtzeit zu überprüfen und zeitnahe Change-Prozesse zu entwickeln.

Foto: Experton Group

Andreas Zilch (Experton Group): ITIL-Prozesse sind mittlerweile Standard in Rechenzentren. Virtualisierungs-Prozesse müssen hier integriert werden. Wir sehen darin keinen Widerspruch.

Lesen Sie im zweiten Teil des großen IT-Orakels die Analysteneinschätzungen zu weiteren spannenden Fragen aus der IT-Branche. Welcher IT-Gigant hat die besten Chancen als Komplettanbieter? Und schafft es Microsoft, mit Windows 7 an alte Erfolge anzuknüpfen?