Berliner Charité

CIO Martin Peuker hebt den Datenschatz

21.08.2020
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Auch mit dem Thema Blockchain beschäftigen sich die Berliner schon länger. Im Projekt eBTM entwickelten der Charité-Mediziner Christian Sigler und die auf Cybersicherheit spezialisierte McKinsey-Beraterin Irina Hardt ein Blockchain-basiertes System für elektronische Betäubungsmittelrezepte. Alle Transaktionen werden dabei über ein verteiltes Register (Distributed Ledger) abgewickelt und sind nachvollziehbar und unveränderbar gespeichert. Im Ideenwettbewerb "Zukunftswerkstatt Blockchain im Gesundheitswesen" des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) gewann das Projekt den ersten Preis.

Chief Medical Information Officer

Eine Innovation anderer Art betrifft die IT-Organisa­tion selbst. Seit Juni dieses Jahres gibt es in der Charité einen Chief Medical Information Officer (CMIO). Er soll die Anforderungen von Ärzten und Pflegekräften für die IT übersetzen. "Hier gab es immer eine große Lücke", sagt Peuker. "Man braucht dafür medizinisches Know-how mit klinischer Expertise, muss aber gleichzeitig sehr IT-affin sein und informationstechnologische Kompetenz mitbringen." Der Medizininformatiker Felix Balzer bringe dafür mit seiner Erfahrung als Facharzt für Anästhesiologie die richtigen Voraussetzun­gen mit. Balzer ist am Berliner Einstein Center Digi­tal Future Professor für E-Health and Shared Decision Allocation.

Im Prinzip agiert der CMIO ähnlich wie der Business Relationship Manager (BRM) in anderen Branchen, der als Bindeglied zwischen IT und Fachabteilungen wirkt. Organisatorisch ist er in der IT aufgehängt und berichtet direkt an den CIO. In vielen US-amerikanischen Kliniken ist die CMIO-Position bereits etabliert.

Change Management in der IT

Peukers Umbaupläne gehen noch weiter. Anfang 2020 setzte er einen Change Manager ein, der einen neuen Change-Bereich aufbauen soll. "Wir müssen uns auf einen permanenten Wandel in der IT einstellen", erklärt er die Hintergründe. "Schnelligkeit und die Fähigkeit, immer wieder neu zu justieren, sind dabei entscheidend." Vor allem in Digitalisierungsvorhaben wolle man weg vom klassischen Wasserfallmodell mit mehrjährigen Projektlaufzeiten.

Dazu setze die Charité verstärkt auf übergreifende Teams und agile Methoden mit Sprints, Dailys und Kanban-Boards. Die Erfahrungen aus der Coronakrise helfen im Change-Prozess, resümiert der CIO: "Vielleicht braucht man einen gemeinsamen Feind, um auf einigen Feldern einfach schneller voranzukommen."