ISG-Studie

Bosch, Telekom und PTC sind erste IoT-Adressen

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Das Anbieterfeld rund um Plattformen für das Internet of Things (IoT) wird immer dichter. Die Analysten der Information Services Group (ISG) Germany GmbH haben die Angebote verglichen.
  • Weder eine "Killerapplikation" noch besonders disruptive Geschäftmsodelle sind derzeit in Sicht
  • Offenheit und Funktionsvielfalt der Plattform Bosch SI hebt sich von anderen ab
  • Neben Bosch, Telekom und PTC schaffen es auch die Software AG, IBM und Microsoft in den Quadranten der Besten

Das Internet of Things (IoT) hat insbesondere im industriellen Umfeld eine große Euphorie ausgelöst. Einen genaueren Blick auf das, was gerade in den Bereichen Industrie 4.0 und Smart Factory passiert, hat die Information Services Group (ISG) Germany GmbH geworfen. Die Studie "ISG Provider Lens - Germany 2018 Internet of Things (I4.0) Platforms, Services & Solutions" zeigt, dass wir immer noch am Anfang stehen: Funktionierende Geschäftsmodelle rund um vernetzte Geräte, Maschinen und Produkte sind bislang die Ausnahme.

Der Quadrant bildet nur einen Auszug aus der Studie. Spezifische Industrie-4.0-Plattformen für die Fertigungsindustrie, die so aufgebaut sind, dass sie auf die verschiedenen Monitoringsysteme in der Produktion zugreifen können (zum Beispiel Siemens, Forcam, ITAC oder Beckoff) sind hier nicht enthalten.
Der Quadrant bildet nur einen Auszug aus der Studie. Spezifische Industrie-4.0-Plattformen für die Fertigungsindustrie, die so aufgebaut sind, dass sie auf die verschiedenen Monitoringsysteme in der Produktion zugreifen können (zum Beispiel Siemens, Forcam, ITAC oder Beckoff) sind hier nicht enthalten.
Foto: ISG

Unternehmenslenker sind in der Planung und Umsetzung von Industrie-4.0-Vorhaben noch zögerlich, weil sie hohe Investitionskosten stemmen und mit Komplexität rechnen müssen. Hinzu kommen viele ungeklärte Fragen rund um IT-Sicherheit und Datenschutz. Laut ISG sind außerdem weder eine "Killerapplikation" noch besonders innovative oder disruptive Geschäftsmodelle in Sicht. Predictive Analytics, um die Robotik in den Fertigungsanlagen abzusichern, sei letztendlich nicht neu. Hier verfüge das produzierende Gewerbe längst über Erfahrungen.

Innovative Geschäftsmodelle durch vernetzte IoT-Inseln

Fortschritte versprechen sich Produktionsleiter laut ISG aber davon, bestehende IoT-Insellösungen sicher und über offene Standards miteinander zu vernetzen, um so die Automatisierung voranzutreiben. Erst wenn das gelungen sei, könne man über innovative Geschäftsmodelle nachdenken. Angestrebt werde dabei eine flexiblere Produktion, so dass Kunden eine reichhaltigere und individuellere Auswahl hätten. Zudem gelte es, eine solche Mikroproduktion möglichst in der Nähe des jeweiligen Absatzmarktes aufzubauen. Damit könnten etwaige Transportkosten gesenkt werden, außerdem könnten Produzent und Kunde verzahnt interagieren.

IoT-Plattformen, die vernetzte Dinge, Endgeräte, Unternehmensanwendungen und Web-Services verbinden, werden zu Datendrehscheiben in den Unternehmen. Die gängigen Full-Service-Plattformen bieten als Kernfunktionen das Daten- und Device-Management, über das sich Maschinen, Geräte und Produkte vernetzen, zentral verwalten und ihre Daten verarbeiten lassen.

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Hinzu kommen Data-Analytics-Komponenten, Connectivity Management und Tools für die Datenvisualisierung. Auch die Integration von Unternehmensanwendungen wie ERP, CRM oder PLM ist ein Feature, zudem können externe Web Services wie Social-Media-Daten oder Wetterinformationen angedockt werden. Manche Plattformen stellen auch Konnektoren bereit, mit denen sich unterschiedliche Daten-, Device- und Prozess-Management-Lösungen anbinden lassen.

ISG hat in seiner Bewertung der Plattformen eine Reihe von Kriterien festgelegt, darunter:

  • Funktionsbreite und -tiefe,

  • USP,

  • Partnerschaften mit Systemintegratoren, Entwicklern und Vertriebspartnern,

  • Kooperationen mit anderen IoT-Playern und Plattformen (Ökosystem),

  • Skalierbarkeit und

  • erfolgreiche lokale Kundenprojekte.

Offenheit der Bosch-Plattform ist ein Vorteil

Die Spitzenposition im Quadranten konnteBosch SI erobern, eine "starke Plattform, die nicht bei Software aufhört, sondern auch Devices anbietet", wie es heißt. Positiv vermerkt wird die Zusammenarbeit mit Cloud-Providern wie Amazon Web Services (AWS), SAP und IBM. Dadurch könnten Kunden die Suite auch aus der Cloud heraus einsetzen und theoretisch Millionen von Devices in aller Welt anschließen, ohne sich Gedanken um Skalierbarkeit und Performance machen zu müssen.

ISG lobt zudem, dass die Lösungen vonBosch allesamt innerhalb des eigenen Konzerns eingesetzt würden, also praxiserprobt seien. Außerdem habe der Konzern einen guten Zugang zu deutschen Kunden. Bemängelt wird indes, dass die Plattform, obwohl grundsätzlich für Kunden und Partner offen, doch auf unternehmenseigene Lösungen fokussiert sei. Es mangele an klaren Konzepten für die Anbindung von Drittanbietern.

Telekom und PTC ebenfalls gut positioniert

Die Deutsche Telekom und der Softwarehersteller PTC schafften es ebenfalls aufs Siegertreppchen. Mit der Multi-IoT-Plattform (MISP) der Telekom erhalte der Kunde Zugriff auf ein riesiges Portfolio, da auch die Plattformen der Telekom-Partner zugänglich gemacht würden. Die Lösungen seien aus bewährten Komponenten zusammengesetzt und würden "End-to-End-integriert" geliefert. Erprobte Use Cases helfen den Kunden, einen Einstieg zu finden, außerdem können die Kunden rechtssicher RZ-Ressourcen des Carriers nutzen.

ISG mahnt allerdings an, die MISP-Pattform weiter auszubauen, indem Use Cases aus Kundenprojekten in die Plattform übernommen werden. Bemängelt wird auch die lückenhafte Erklärung der Plattform auf der Website.

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PTC schließlich kenne sich gut mit Maschinen aus und sei deshalb besser als andere in der Lage, Maschinenparks Richtung IoT zu erweitern. Gelobt wird die schnelle und einfache Erstellung von Anwendungen sowie der gute Marktzugang in Deutschland dank langjähriger PLM-Erfahrung. Das bestehende Ökosystem an Partnern und Systemintegratoren sei groß, PTC sei zu einem echten Plattformanbieter herangereift. Das Haar in der Suppe findet IGS in Schwächen der ThingWorx-Plattform, die noch nicht aus einem Guss sei und stärker integriert werden müsse.

IoT-Watson-Strategie überfordert die Kunden

Weitere Player im Leader-Quadranten sind IBM, Microsoft und die Software AG. IBM biete viele Konnektoren für Devices, überfordere die Kunden aber mit der allzu umfangreichen IoT-Watson-Strategie. Microsofts Vorteil liege in der mittlerweile weit verbreiteten Azure-Technologie, die den Kunden einen IoT-Einstieg über diese Plattform leichtmache. Allerdings sei die Anzahl der Konnektoren begrenzt und es gebe keine dedizierte Entwicklungs-Roadmap.

Die Software AG indes habe mit der Übernahme von Cumulocity einen großen Schritt nach vorne getan, außerdem habe sie für ihre IoT-Plattform mit Siemens und der Deutschen Telekom starke Partner vorzuweisen. Allerdings konzentrierten sich laut ISG die bisherigen Use Cases zu stark auf Kosteneinsparungen. Mit entsprechender Vermarktungs-Power könne die Software AG aber weitere Schritte nach vorne machen.

Hier scheinen die Hessen tatsächlich in die Offensive zu gehen: Gemeinsam mit den Industriekonzernen DMG Mori AG, Dürr AG, Carl Zeiss AG sowie ASM Pacific Technology wurde vor wenigen Wochen die IoT-Plattform "Adaptive Manufacturing Open Solutions" (Adamos) angekündigt. Diese und weitere Anbieter sollen ihren Kunden darüber Lösungen für die digital vernetzte Produktion anbieten. Adamos hat zum 1. Oktober 2017 seinen Betrieb aufgenommen.