Aktuelle Sicherheitssoftware

10 Antivirus-Lösungen für Mac im Vergleich

Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Viren sind auf dem Mac noch recht selten, sicherheitsbewusste Anwender suchen aber trotzdem eine gute Antivirensoftware. Wir vergleichen zehn aktuelle Virenscanner für Sierra
Vor allem nicht stören dürfen die Antivirenprogramme auf dem Mac. Das Betriebssystem von Apple erledigt den Rest.
Vor allem nicht stören dürfen die Antivirenprogramme auf dem Mac. Das Betriebssystem von Apple erledigt den Rest.
Foto: Mikael Damkier - shutterstock.com

Malware auf dem Mac ist nicht so weit verbreitet wie auf Windows-PCs, doch sollte man die Gefahr nicht unterschätzen. Laut dem McAfee Labs Threats Report von Juni 2017 ist die Masse an Mac-Malware geradezu rasant angestiegen - bis Mitte 2016 zählten die Forscher des Antivrensoftware-Herstellers weniger als 100 000 Mac-Attacken, im ersten Quartal 2017 waren es dagegen schon über 700 000. Dabei handelte es sich vor allem um Adware.

Vor allem durch Adware sind die Angriffe auf Macs gestiegen.
Vor allem durch Adware sind die Angriffe auf Macs gestiegen.

Nicht jede Malware kommt so plump daher wie neulich die Ransomware OSX/Filecoder.E , die man sich nur in dubiosen Quellen und unter Umgehung jedweder Sicherheitsvorkehrung installieren konnte. So warnt etwa Bitdefender davor, dass die russische Hackergruppe APT28 nun auch den Mac als Ziel für ihre Malware auserkoren hat. Dagegen hilft Antivirensoftware - die aber auch nur so gut ist, wie sie ihre Hersteller pflegen. In Eset Endpoint Antivirus 6 haben Forscher des Google Security Teams eine Sicherheitslücke in einer veralteten XML-Parsing-Bibliothek entdeckt, die den Mac potentiellen Angreifern aussetze. Die Lücke namens CVE-2016-9892 hat der Hersteller ESET Mitte Februar mit einem Update geschlossen, bevor sie publik wurde - diese Gefahr ist erst einmal gebannt. Damit Sie nicht in andere Fallen tappen, haben wir haben zehn aktuelle Antivirus-Programme für Sie getestet und bewertet.

Ist der Mac denn noch sicher? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat so sein Zweifel, besonders Ransomware hat sich im Jahr 2016 als zunehmende Gefahr erwiesen. Wenngleich nach des Amtes Windows- und Linux-System noch weit gefährdeter sind. Doch kann es - fast wie im richtigen Leben - keine absolute Sicherheit geben, das beweisen Proof of Concepts wie ein erfolgreicher Hack des Desktop-Browsers Safari auf der Sicherheitskonferenz Pwnfest oder der vom Sicherheitsforscher Samy Kankar entwickelte Dongle PoisonTap , der sich selbst auf gesperrten Computern in Web-Konten einloggen konnte - das gleichermaßen unter macOS, Windows und Linux.

Aber im Unterschied zur von Viren geplagten Windows-Plattform sind Schadprogramme, auch Malware genannt, auf dem Mac eher selten. So muss Apples ins System integrierter Download-Schutz Xprotect bei Redaktionsschluss gerade einmal knapp 78 Schädlinge blockieren - vor allem Adware wie Genieo-Varianten. Dagegen registriert das Testinstitut AV-Test ganze 390 000 neue PC-Viren pro Tag! Virenscanner haben auf dem Mac daher weit weniger Daseinsberechtigung als auf der Windows-Plattform, einige Hersteller von Mac-Antiviren-Software übertreiben unserer Meinung nach die Gefährdung. Doch völlig frei von Bedrohung sind Macs nicht. Vor allem in den USA scheinen sich recht aggressive Adware-Attacken zu häufen. Mit dem iWorm-Botnet gab es die ersten von Hackern kontrollierten Mac-Netze, die Fachleute von Kaspersky erwarten auch auf der Mac-Plattform das häufigere Auftreten von Erpressersoftware (Ransomware). In vielen Unternehmen ist außerdem ein Schutzprogramm für Macs ganz einfach vorgeschrieben, nicht zuletzt, um auch auf einem Mac schlummernde Windows-Malware zu entfernen. Gibt es doch viele Firmenangehörige, die ihr privates Macbook in der Firma nutzen bzw. ihr Firmen-Macbook privat verwenden.

Trotz geringer Gefährdung ist das Angebot an Mac-Virenscannern groß. Fast alle bekannteren PC-Scanner sind für macOS verfügbar, wir testen eine Auswahl von zehn Programmen. In unserem Sommer-Test 2017 tritt das kostenlos nutzbar Tool von Sophos gegen neun kostenpflichtige Virenscanner von Kaspersky, Eset, Bitdefender, Norton, Mac Keeper, Trend Micro, Protect Works, Canimaan und Intego an. Die Meßdaten für die Erkennung von Mac-Viren stammen vom Institut AV-Test, das die Messungen April und Mai 2017 durchführte. Mit Mac Keeper ist eine recht umstrittene Tuning-Software im Testfeld, da aber das Programm jetzt der Firma Kromtech gehört und eine Antiviren-Funktion integriert ist, erschien die Aufnahme gerechtfertigt.

Vor Viren schützen

Wichtigste Aufgabe einer Antivirensoftware ist die zuverlässige Erkennung von Mac- und Windows-Viren. Der Aufwand ist für die Hersteller hoch und die Rangfolge unter den Antivirensoftware-Programmen kann sich schnell ändern.

Das magere Aufkommen an Mac-Malware beeinflusst die Anzahl der Testobjekte: Beim Test durch das Labor von AV-Test müssen die Probanden lediglich 184 ausgesuchte Mac-Schädlinge identifizieren, das Testsample an Windows-Viren umfasst dagegen 5368 Schädlinge. An der lästigen Adware, auch PUA genant, herrscht auf dem Mac kein Mangel. Hier stehen 195 Testobjekte zur Verfügung.

Trotz schmaler Testbasis können aber nur vier Probanden alle 184 Mac-Malware-Objekte erkennen. Dabei handelt es sich um die Programme von Bitdefender, Kaspersky, Intego und Symantec. Noch akzeptabel sind die Ergebnisse von Trend Micro. Nicht mithalten können dagegen MacKeeper und Protect Works. Vor allem MacKeeper enttäuscht bei der Malware-Erkennung. Bei der für Firmenanwender wichtigen Erkennung von Windows-Viren trennt sich der Spreu vom Weizen - einige Hersteller verzichten nämlich komplett auf gute Windows-Virenerkennung. Bitdefender und Kaspersky liefern auch heir ein erstklassiges Ergebnis und werden somit Gesamt-Sieger bei der Erkennungsleistung. Gar keine PC-Viren erkennt Intego, unter 20 Prozent identifizieren ClamXAV und Protect Works. Auch Symantec zeigt hier mit nur 70 Prozent Erkennungsleitung Schwächen, nach unserer Meinung ein Ausschlußkriterium. Hervorragend schneiden bei der PC-Malware-Erkennung dagegen Eset, Sophos und Trend Micro ab.

Es gibt aber neben Erpresser- und Schadsoftware auch Lästlinge. Bei diesen Potentially Unwanted Applications handelt es sich beispielsweise um System-Tuner wie Macbooster, die sich über Freeware-Installer auf den Rechner schmuggeln oder Werbetools. Hier schneiden beim Test von AV-Test die meisten Programme gut ab. Allerdings erkennt Protect Works nur 85 Prozent, ClamXAV und Mac Keeper nur magere 90 Prozent.

Zwischenstand Virenerkennung: Ist gute Virenerkennung wichtig, empfehlen wir Bitdefender und Kaspersky. Das als Sophos Home kostenlos nutzbar Sophos bietet ebenfalls eine noch akzeptable Erkennungsleistung.

Positiv überrascht sind wir von den recht guten Werten von ClamXAV, früher konnte das Programm nie mit seinen kommerziellen Konkurrenten mithalten. Seit das ehemals kostenlose Programm eine einmalige Lizenzgebühr kostet, haben die Entwickler aber anscheinend viel Arbeit investiert. Sehr schlechte Ergebnisse erzielte es allerdings bei der Erkennung von PC-Malware.