Artificial Intelligence

Wie autonome Prozessautomation unser Leben einfacher macht

Kommentar  10.01.2018


René Büst ist Research Director in Gartners Managed Business and Technology Services Team mit Hauptfokus auf Infrastructure Services & Digital Operations. Er analysiert Entwicklungen im Bereich Cloud Computing (Anbieter von Managed Cloud-Services und Public Cloud sowie Cloud-Strategien wie IaaS, PaaS und Multicloud), digitale Infrastrukturen und Managed Services sowie den Einfluss der digitalen Transformation auf die IT. Seit Mitte der 90er Jahre konzentriert sich Herr Büst auf den strategischen Einsatz der IT in Unternehmen und setzt sich mit deren Einfluss auf unsere Gesellschaft sowie disruptiven Technologien auseinander.
Wir sind aktuell weit davon entfernt, eine bedrohliche Super-Intelligenz zu entwickeln. Statt sich zu fürchten, sollten Sie AI-Technologien als einen Ansatz verstehen, der unser Leben einfacher macht.

Mal ernsthaft, sind Sie nicht auch langsam von Leuten wie Elon Musk oder Stephen Hawking gelangweilt, welche die Artificial Intelligence (AI) ständig als größte Bedrohung der Menschheit verteufeln? Deren Behauptungen lassen die Menschen denken, dass AI sämtliche Arbeitsplätze überflüssig machen oder den nächsten Weltkrieg starten wird. Schlimmer noch, die Erwartungshaltungen werden damit so weit nach oben geschraubt, dass die Öffentlichkeit davon ausgehen könnte, dass die Forschung und Entwicklung rund um AI kürzlich Quantensprünge gemacht hat. Und dank solcher übertriebenen Erwartungshaltungen ist es ein Leichtes, dass wir wieder geradewegs in den nächsten AI-Winter laufen.

Statt als Bedrohung sollte man AI-Technologien als einen Ansatz sehen, der das Leben vereinfacht.
Statt als Bedrohung sollte man AI-Technologien als einen Ansatz sehen, der das Leben vereinfacht.
Foto: Zapp2Photo - shutterstock.com

Ruhig bleiben, wir sind aktuell weit davon entfernt, eine Super-Intelligenz zu entwickeln, vor der sich Musk und Hawking fürchten oder welche uns Hollywood mit Filmen wie "Ex_Machina", "Her" or "AI" präsentiert. Lassen Sie mich Ihnen lieber erzählen, was viel besorgniserregender ist. Nach Angaben einer Sage-Studie haben 43 Prozent der Befragten in den USA und 46 Prozent der Befragten in UK keine Ahnung, um was es sich bei AI überhaupt handelt. Somit besteht aktuell die größte Problematik darin, dass die Allgemeinheit nicht darüber informiert ist, was AI tatsächlich bedeutet.

Selbstverständlich ist es absolut notwendig im Kontext von AI über Regulierungen und Ethik zu sprechen! Und in der Tat sind Boston Dynamics' Roboter "Atlas" und "Handle" echt gruselig. Aber was passiert, wenn Tesla's Autopilot jemanden über den Haufen fährt - wer ist dafür verantwortlich? Oder wenn der Autopilot entscheiden muss, wer überlebt. Der Fahrer? Der alte Mann oder der kleine Junge auf der Straße? Das sind aktuell die Fragen, welche ich regelmäßig aus dem Publikum bekomme. Das besorgt die Menschen derzeit. Aber vielleicht äußert sich Elon Musk eines Tages auch einmal dazu...

Stephen Hawking verteufelt Artificial Intelligence (AI). Am selben Tag erkennt Google's AI "Deepmind" eine Schildkröte als eine Waffe.
Stephen Hawking verteufelt Artificial Intelligence (AI). Am selben Tag erkennt Google's AI "Deepmind" eine Schildkröte als eine Waffe.
Foto: René Büst/Feedly-Screenshot

Nichts ist unmöglich, aber ...

Derzeit leben wir in einer Zeit des exponentiellen technologischen Fortschritts. Das bedeutet, eine "Dies wird niemals geschehen"-Haltung ist die falsche Einstellung. Schließlich findet die Forschung und Entwicklung neuer Technologien in immer kürzeren Zeitabständen statt. Dennoch lösen die derzeit erfolgreichsten AI-Systeme gerade einmal die Strategiespiele "Go" oder "FreeCiv".

Hinzu kommt, dass heutige AI-Projekte in den meisten Fällen auf Machine Learning setzen, welche dabei helfen Muster innerhalb von riesigen Datensätzen zu erkennen, um auf Basis existierender Daten Vorhersagen zu treffen. Allerdings ist es hierfür wichtig, Zugriff auf die richtigen und vor allem qualitativ hochwertigen Daten zu besitzen.

Weiterhin muss im Nachgang unbedingt die Genauigkeit und Plausibilität der Ergebnisse überprüft werden. Schließlich lässt sich in riesigen Datenmengen immer etwas finden. Und das ist dann gleichzeitig auch ein großer Nachteil, wenn man sich im Rahmen seiner AI-Strategie ausschließlich auf Machine Learning konzentriert. Machine Learning benötigt Unmengen an Trainingsdaten, um in der Lage zu sein, wertvolle Informationen bzw. Resultate in Mustern zu erkennen.

Artificial Intelligence ist autonome Prozess-Automation

Überführen wir die große AI-Diskussion mal in Richtung vernünftiger Überlegungen. Heute geht es bei AI nicht darum, das menschliche Gehirn nachzubilden. Es geht darum, ein System zu entwickeln, das sich verhalten kann wie ein Mensch. Unterm Strich bedeutet AI somit die Vereinigung von Analysen, Problemlösungen und autonomer Automation. Und dieses unter der Berücksichtigung von Daten, Wissen und Erfahrungen.

Versuchen Sie mal die ganze AI-Diskussion von einem anderen Blickwinkel zu sehen. Betrachten Sie unser Leben als einen Prozess. Betrachten Sie jeden einzelnen Tag als einen Prozess, der in einzelne Schritte (Sub-Prozesse) unterteilt ist. Und dann betrachten Sie AI als autonome Prozess-Automation, welche uns mehr Komfort bietet und damit unser Leben einfacher macht.