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Welche Skills Arbeitgeber von Freiberuflern in Corona-Zeiten erwarten

25.11.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Im Schnitt muss sich ein Freiberufler heute mehr als doppelt so lange um ein Projekt bemühen, als noch vor einem Jahr. In einigen Bereichen finden Freelancer auch jetzt ein neues Projekt; in anderen wiederum ist es eher unwahrscheinlich.
Freelance Pages untersuchte die gefragtesten Skills bei Freiberuflern - besonders in Zeiten von Corona.
Freelance Pages untersuchte die gefragtesten Skills bei Freiberuflern - besonders in Zeiten von Corona.
Foto: mihalec - shutterstock.com

Um festzustellen, welches die Bereiche und die spezifischen Skill-Kombinationen sind, die auch unter den aktuellen Pandemie-Bedingungen gute Chancen bieten, hat das Tübinger Freiberuflerportal Freelance Pages tausende von Projekten unterschiedlicher Anbieter und Profile mit Hilfe von künstlicher Intelligenz analysiert und gematcht.

Wenig Sorgen machen müssen sich Test-Management-Spezialisten, die am besten auch noch über Expertise im Bereich Testautomatisierung verfügen. Ansonsten bestätigen die Ergebnisse zum Teil bereits Bekanntes - etwa, dass SAP-Experten und Softwareentwickler nach wie vor gefragt sind. Andererseits zeigt sich aber auch, dass es "auf vermeintlich angesagten Gebiete überraschend schwierig sein kann, ein passendes Projekt zu finden", so Firmengründer Ulrich Conzelmann. Dies gelte zum Beispiel für Data Scientists, KI-Spezialisten oder auch für Security-Experten. "Ein Freiberufler mit soliden Erfahrungen im Mainframe-Umfeld hat es da sogar noch leichter", kommentiert Conzelmann die Ergebnisse seiner Erhebung.

Ulrich Conzelmann, Freelance Pages: "Insgesamt sind die Anforderungen der Auftraggeber an die Experten in aller Regel sehr technisch und konkret."
Ulrich Conzelmann, Freelance Pages: "Insgesamt sind die Anforderungen der Auftraggeber an die Experten in aller Regel sehr technisch und konkret."
Foto: Freelance Pages

"Ein Grund dafür könnte sein, dass Unternehmen Aufgaben, die ihre Kernprozesse betreffen, nicht an Freiberufler vergeben, weil sie diese entweder komplett selbst in der Hand behalten oder an einen größeren Partner geben wollen, mit dem sie längerfristige Kooperationen pflegen", analysiert er. Es könne aber auch sein, dass einige Arbeitgeber zurzeit keine Schritte in Richtung Digitalisierung unternehmen, solange die Angst vor Corona grassiert.

Conzelmann, selbst ein erfahrener IT-Freiberufler, gibt weiterhin zu Bedenken: dass Java-Entwickler händeringend gesucht werden, stimme zwar, wenn man an Fullstack-Java-Entwickler mit Expertise im DevOps-Bereich denke. Ein Entwickler, der viel Erfahrung in Java und C++ mitbringe, darüber hinaus aber keine "Unique Selling Proposition" anzubieten habe, könnte sich dagegen schwertun. Im Systembereich wird Cloud und Virtualisierung stark nachgefragt. Auch Softwareverteilung ist noch ein aussichtsreiches Thema.

Größere Probleme ein attraktives Projekt zu bekommen, haben im Moment Projektmanager als reine Methodenspezialisten. "Diese Rolle wird weitgehend durch das Duo Product Owner und Scrum Master ersetzt", weiß Conzelmann. Gute Chancen boten sich jedoch Projektmanagern, die über gute Domänenkenntnisse verfügten - vor allem in Einführungs- und Rolloutprojekten.

"Insgesamt sind die Anforderungen der Auftraggeber an die Experten in aller Regel sehr technisch und konkret", beobachtet der Freelancer-Spezialist. Ein Berater-Generalist tue sich daher wesentlich schwerer als zum Beispiel ein Berater mit spezifischem Know-how im Sharepoint-Umfeld.

Erschwerend hinzu komme für die Freiberufler, dass aufgrund von Gesetzesänderungen und Urteilen zum Thema Scheinselbständigkeit viele Unternehmen auf ihre Dienste verzichteten. "Der nach wie vor hohe Bedarf an Experten, die Arbeitgeber in Digitalisierungsvorhaben unterstützen können, lässt hoffen, dass die Zeiten für Freelancer bald wieder besser werden", zeigt sich Conzelmann zum Schluss optimistisch.