Silicon Valley State of Mind

Wegbereiter für eine neue, mutige Welt

Michael Ramsperger ist Senior Director für Central EMEA und Country Manager von Pivotal Deutschland. Er beschäftigt sich vor allem damit, wie Unternehmen in Zukunft ihr Geschäftsmodell mit Hilfe von IT weiterentwickeln können und wettbewerbsfähig bleiben. In seinen Beiträgen schreibt er deshalb rund um die Themen digitale Transformation, agile Software-Entwicklung, Big Data, Cloud Computing und Open-Source, aber auch Connected Cars oder die Digitalisierung in der Automobilindustrie, im Versicherungswesen beziehungsweise im Handel.
"Silicon Valley State of Mind" - Was genau ist das eigentlich? Wir klären auf.

Kurz zusammengefasst ist der "Silicon Valley State of Mind" die Bewegung hin zu einem 'digital-first'-Geschäftsmodell, in dessen Rahmen Technologie Innovation und Wachstum ermöglicht. Unternehmen, die dem Konzept folgen, sind absolut auf ihre Kunden fokussiert. Sie beschleunigen ihre Innovationszyklen mit Software und hochskalierbaren sowie automatisierten Entwicklungsplattformen. Erst dadurch wird eine ganz andere Innovationskultur möglich, weil neue Ideen schnell und unkompliziert ausprobiert werden können. Mit der Innovationskultur geht fast zwangsweise eine veränderte Unternehmenskultur einher. Sie ist insbesondere agil nach allen Seiten und sehr flexibel.

Das Erfolgsrezept des Silicon Valley

Der Erfolg des Silicon Valley ist unter anderem ein Resultat der technologiegetriebenen und progressiven Haltung der dort ansässigen Unternehmen in Bezug auf die gesamte Arbeits- und Unternehmenskultur. Aber: Das ist nicht alles! Die mit dem "Silicon Valley State of Mind" einhergehende digitale Transformation stellt Individuen und ihre Interaktionen über Prozesse und Tools. Sie ist offen für Veränderung und folgt nicht blind einer festgefahrenen Strategie. Dabei ist Software intuitiv und baut nicht mehr auf umfangreichen Dokumentationen auf. Unternehmen pflegen mit ihren Kunden und Interessenten eine echte Zusammenarbeit und machen sie nicht zu ihren Geiseln während Vertragsverhandlungen. Und: Sie sind offen für alternative Ideen der Anwender.

Die Übernahme der Werte und der Mentalität des Silicon Valley hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, wie Unternehmen an neue Aufgaben herangehen - von der agilen Software-Entwicklung über die Einführung von mobilen Arbeitsplätzen oder der Kundenakquise bis hin zur Mitarbeiterbindung. Mit Hilfe der heute möglichen Technologien wird das Feedback der Kunden erfasst und darauf aufbauend agil entwickelt. So lassen sich gewinnbringende Innovationen schneller auf den Markt bringen. Wettbewerbsvorteile und Erfolg sind vorprogrammiert - und wer arbeitet nicht gerne für ein erfolgreiches Unternehmen?

Mentalität für eine andere Welt

Der Schlüssel zu dieser neuen Mentalität ist Software. Und Software ist mittlerweile allgegenwärtig. Unternehmen sind so gezwungen, den digitalen Ansprüchen ihrer Kunden genüge zu leisten, wobei die Erwartungen der Konsumenten das Rückgrat dieser Veränderungen bilden. Unternehmen, die sich nicht als Software-Unternehmen sehen und nicht agil auf die Erwartungen der Kunden reagieren, riskieren Beeinträchtigungen in ihren Märkten, wenn Start-Ups dazukommen und Kunden etwas völlig anderes anbieten - nämlich das, was diese wollen.

Allerdings basiert der Erfolg des Silicon Valley nicht rein auf Technologie: Es reicht nicht, die IT zu upgraden oder das Management-Team mit Tablets auszustatten. Die zentrale Frage, die sich ein CIO stellen sollte ist: "Wie können wir unsere Unternehmensziele am besten erreichen?" Diejenigen Unternehmen sind erfolgreich, die ihre digitale Aufstellung als Kernkompetenz verstehen und nicht als nachgelagerten Zusatz.

Speed, Kunden & Markt im Fokus

Schnelle Entwicklung und Implementierung sind daher in der digitalen Welt Top-Prioritäten. Denn es geht darum, schnell handeln zu können, Wettbewerbern voraus zu sein, sofort auf neue Anforderungen der Kunden zu reagieren und die aktuelle Marktentwicklung zu verstehen bzw. ihr zu entsprechen. Kleine, agile Teams, die in einem gewissen Maße autonom im Sinne des Unternehmens handeln dürfen, sind eine mögliche Antwort darauf - Jeff Bezos 'Two Pizza Rule' könnte dafür ein Maßstab sein.

Agile und moderne Unternehmen sind dabei auch bereit, gewisse Risiken einzugehen. Sie folgen dem 'release early, release often'-Mantra - immer unter Beachtung der Kundenanforderungen und des Marktumfeldes. Dabei ist Scheitern kein Stigma mehr und 'schnelles Scheitern' wird nun als wichtiger Teil des Entwicklungsprozesses gesehen - wenn etwas nicht passt, wird eben weiter entwickelt. Dabei steht der Kunde im Zentrum allen Tuns und nicht das Unternehmen selbst. Denn wenn die Kunden etwas nicht mögen, werden sie es auch nicht kaufen - und es muss schnell für Abhilfe gesorgt werden.

Viele Befürworter echter Transformation, die einen iterativen Technologieansatz bevorzugen, folgen den folgenden zwei Entscheidungszyklen: plan, decide, check, act (PDCA), oder observe, orient, decide, act (OODA). In der Praxis bedeutet das beispielsweise einen neuen Markttrend beziehungsweise die Ansprüche der Kunden zu analysieren, dann zu kalkulieren wie sich das auf das eigene Geschäft auswirkt, wie man darauf reagiert und mit welchen Konsequenzen dann wiederum zu rechnen ist. Die Unternehmen, die als erste handeln, sind dabei klar im Vorteil. Denn sie können ihre Entscheidungen eher weiter ausarbeiten und revidieren, bis das Ergebnis stimmt, als ihre Wettbewerber.

Fazit: Digitale Mentalität fördern

Der 'Silicon Valley Approach' ist ein Projekt, das nie endet, weil es die Kunden und deren Ansprüche im Blickfeld hat - und diese verändern sich. Der Begriff 'digitale Transformation' hilft dabei, zu verstehen, dass künftig fast alle Unternehmen auch Software-Unternehmen sein werden - und den Unternehmen klar zu machen, welche Schritte sie gehen müssen, um ihre Management-Teams von der digitalen Mentalität zu überzeugen.

Neue Geschäftsmodelle, einzigartige Herangehensweisen und innovative Ideen sind außerdem Ausdruck von Kreativität. Die Stanford University in Kalifornien plädiert beispielsweise für mehr 'Entrepreneurship' anstatt traditionellem akademischem Streben - weil das für die Gesellschaft und ihre Weiterentwicklung von Vorteil ist. Der "Silicon Valley State Of Mind" ermöglicht und beschleunigt diese Entwicklung, bringt die digitale Transformation in die Unternehmen und macht sie letztendlich zum Mainstream. (fm)