CDO

Was einen Chief Digital Officer auszeichnet

17.10.2017
Von 
Wolfgang Herrmann war Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.

Braucht Ihr Unternehmen einen CDO?

Wann sollte eine Organisation überhaupt einen CDO einstellen? Auch diese Frage beantworten Experten höchst unterschiedlich. Deloitte-Mann Gurumurthy lehnt sich relativ weit aus dem Fenster, verweist aber zugleich darauf, dass es dazu noch keine validen Studien gebe. Nach seiner Einschätzung braucht etwa ein Handelsunternehmen, das in der Regel vor großen digitalen Herausforderungen stehe, ab einem Jahresumsatz von zwei Milliarden Dollar einen CDO. Andere Unternehmen, die in geringerem Ausmaß vom digitalen Wandel betroffen sind, sollten ab einem Umsatz von fünf Milliarden Dollar darüber nachdenken. Zu dieser Gruppe zählt er etwa klassische Fertigungsunternehmen.

CIO und CDO in Personalunion: Markus Sontheimer vom Logistikdienstleister DB Schenker
CIO und CDO in Personalunion: Markus Sontheimer vom Logistikdienstleister DB Schenker
Foto: DB Schenker

In jedem Fall aber müssen sich Firmen darüber klar werden, warum genau sie einen CDO benötigen, warnt Mike Doonan von der Personalberatung SPMB. Er kennt viele Unternehmen, die einen Digitalchef ohne fundierte Begründung engagierten: "In Boomzeiten fragen Analysten gerne, mit welcher Strategie ein Unternehmen im Wettbewerb mit innovativen Konkurrenten bestehen will. Das Topmanagement bastelt dann eine Digitalstrategie und richtet ein Innovation Center ein, das von einem Chief Digital Officer geführt wird. Entwickelt sich der Markt wieder nach unten, fragen die Analysten: Wo bleibt die Profitabilität? Dann wird das Innovation Center flugs wieder eingestampft." Bevor Doonan sich auf die Suche nach einem CDO-Kandidaten macht, stellt er deshalb einige unbequeme Fragen: "Wenn ein Unternehmen nicht in maximal 20 Worten erklären kann, warum es einen CDO will, werde ich nicht tätig."

Doch was wäre ein guter Grund, einen CDO einzustellen? - Wenn der CTO sich nur auf das Engineering konzentriert, der Produktverantwortliche nur an sein Produkt denkt und der CIO sich einzig um das Backend kümmert, sei der Bedarf für einen CDO klar auszumachen, sagt der Berater. Unternehmen mit einem Business-orientierten CIO könnten dagegen durchaus auf einen CDO verzichten, auch darin sind sich viele Experten einig. CIOs dieses Typs übernehmen schon mal zusätzlich die Rolle des CDO.

Markus Sontheimer, der als CIO beim Logistikdienstleister DB Schenker einstieg, ist dafür ein gutes Beispiel. Nachdem er Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung erkannt und offen angesprochen hatte, ernannte ihn der Aufsichtsrat zusätzlich zum CDO. Seitdem treibt er die Digitalisierung der Bahntochter mit Macht voran. Der Manager sieht CIO- und CDO-Ziele nicht als Gegenpole. Erst das Zusammenwirken beider Rollenmodelle bringe Unternehmen in Sachen Digitalisierung wirklich voran, lautet sein Credo.

Das führt zur beliebten Frage, ob der CDO in einer immer stärker digitalisierten Welt nicht ohnehin bald überflüssig wird. Julian Kawohl, Professor für Strategisches Management an der HTW Berlin und Initiator der deutschen CDO-Studie, hat darauf eine klare Antwort: "Unternehmen werden noch auf Jahre, eher Jahrzehnte damit beschäftigt sein, die digitale Transformation zu meistern." Deloitte-CDO Gurumurthy sieht das etwas anders: "Es ist wie in den 90er Jahren, als die Unternehmen Internet-Verantwortliche ernannten. Die sind längst wieder verschwunden, weil das Internet heute integraler Bestandteil jedes Unternehmens ist."