Bitkom-Studie

Was die Deutschen von Künstlicher Intelligenz halten

17.11.2017
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Simon Lohmann ist Volontär bei der IDG Business Media GmbH. Im September 2017 beendete er sein Studium „Medienkommunikation & Journalismus“ an der FHM in Hannover, seit 2015 ist er freier Journalist bei der Macwelt.
Ist Künstliche Intelligenz eine große Chance oder vielleicht sogar gefährlich? Eine Studie geht der Frage auf den Grund.

Schon in wenigen Jahren werden viele Produkte und Dienstleistungen mit Maschinenintelligenz ausgestattet oder von ihr geprägt sein, erwartet Bitkom-Präsident, Achim Berg. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien hat in einer repräsentativen Telefon-Umfrage 1.006 Bundesbürger ab 14 Jahren zu diesem Thema befragt - mit eindeutigen Ergebnissen.

Künstliche Intelligenz ist bereits in verschiedenen Bereichen in unserem Alltag im Einsatz. Worum es sich dabei handelt, ist immerhin rund 75 Prozent der Umfrageteilnehmern bewusst. Je nach Anwendungsbereich zeigen die Deutschen aber unterschiedliches Interesse.

Gefahr oder Chance? Die Deutschen denken gespalten über KI.
Gefahr oder Chance? Die Deutschen denken gespalten über KI.
Foto: carlos castilla - shutterstock.com

Dabei wird Künstliche Intelligenz in der Praxis häufig nicht als solche wahrgenommen. Die Hälfte der Befragten gab an, schon einmal Geräte oder Anwendungen genutzt zu haben, die auf KI aufbauen. Auf genauere Nachfrage haben sogar schon 73 Prozent KI-Anwendungen genutzt, wie zum Beispiel automatische Übersetzungen von Sprachen. Rund 34 Prozent machten von letzterer Funktion schon mal Gebrauch.

Deutlich weniger beliebt sind digitale Sprachassistenten in den eigenen vier Wänden: Rund die Hälfte der Teilnehmer zeigt bisher für derartige Technologie kein Interesse. Während nur neun Prozent diese schon einmal genutzt haben, können sich immerhin 39 Prozent den Einsatz eines Sprachassistenten vorstellen.

Auf dem Smartphone sieht das Nutzungsverhalten ganz anders aus. Mit 45 Prozent nutzte fast die Hälfte der Befragten bereits einen digitalen Sprachassistenten wie Siri oder Cortana. Doch auch hier findet rund ein Drittel diesen Aspekt völlig uninteressant.

Ist Künstliche Intelligenz gefährlich?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. 47 Prozent sagen: Ja, KI stellt eine Gefahr dar. Allerdings sehen auch 48 Prozent die KI als eine echte Chance, etwa bei der Verbesserung von Verkehrssteuerungen, um somit Staus zu reduzieren (83 Prozent). "Fast ebenso viele glauben, dass dank KI in der Industrie körperlich belastende Tätigkeiten auf Maschinen übertragen werden können", schreiben die Studienautoren.

Manche der Befragten fürchten sogar, dass sich die KI irgendwann gegen den Menschen richten wird.
Manche der Befragten fürchten sogar, dass sich die KI irgendwann gegen den Menschen richten wird.
Foto: Phonlamai Photo - shutterstock.com

In fast allen Lebensbereichen kann laut Studie KI als Chance betrachtet werden, so beispielsweise auch bei Verwaltungstätigkeiten, in der Forschung, Verbrechensbekämpfung und im Bank- und Gesundheitswesen. Dass KI den Menschen Jobs wegnehme, sei aber eher unwahrscheinlich, erklärt Berg:

"Es geht nicht darum, dass ein KI-System den Polizisten oder den Arzt ersetzt." Stattdessen sollten die intelligenten Systeme ihnen zuarbeiten. "So kann die Software zum Beispiel eine Vielzahl von Daten über einen erkrankten Patienten verarbeiten und diese in kurzer Zeit mit einer Vielzahl zurückliegender Diagnosen und den jüngsten Forschungsergebnissen abgleichen."

Im Arbeitsalltag kann KI viel Positives bewirken, da ist sich die Mehrheit der Befragten sicher. So glauben rund 60 Prozent, dass Arbeitnehmer mittels KI den Arbeitsalltag besser organisieren oder Berufstätige sich auf sinnvollere Arbeiten konzentrieren könnten.

KI-Zukunft in Deutschland: Jetzt ist die Politik gefragt

Die Studie deckt jedoch auch zahlreiche Bedenken gegenüber künstlicher Intelligenz auf. Laut Befragung befürchten mehr als drei Viertel der Teilnehmer, dass "der Einsatz von KI Machtmissbrauch und Manipulation Tür und Tor öffnet." Die Technik würde demnach die Vorurteile der Programmierer abbilden und faktenbasierte Entscheidungen nur vorgaukeln.

Dabei sehe die Realität größtenteils anders aus, findet Berg:

"Wir erleben immer bessere KI-Systeme, die jeweils für eine bestimmte Aufgabe trainiert sind und diese zum Teil auch besser als wir Menschen erledigen. Wir müssen besser und breiter darüber aufklären, was Künstliche Intelligenz kann, und was sie aber auch nicht kann."

Wie schnell sich die KI-Technik entwickeln wird, hängt von der Politik ab, sagt der Bitkom-Präsident.
Wie schnell sich die KI-Technik entwickeln wird, hängt von der Politik ab, sagt der Bitkom-Präsident.
Foto: Mariia Golovianko - shutterstock.com

Eine wichtige Rolle spiele dabei die Politik. Mit 88 Prozent spricht sich der Großteil der Befragten dafür aus, dass die Politik die Regeln vorgeben soll. Mehr als die Hälfte wünscht sich zudem, dass die Politik den Ängsten der Bevölkerung entgegenwirkt. Der Bitkom fordert, dass die Regierung für die KI-Forschung Ausgaben in Höhe von mindestens vier Milliarden Euro bereitstellen soll: "Was wir dringend brauchen, ist eine bundesweite Strategie zu Entwicklung und Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Wenn wir die nächsten Jahre darauf verwenden, alleine das Für und Wider der Technologie zu debattieren, werden wir international abgehängt."