Einstieg in die Künstliche Intelligenz

So wird Ihr KI-Projekt ein Erfolg

15.09.2020
Von 
Johann Toll ist Executive Director Transformations bei IPSoft.

4. Wie schnell erwarten Sie welchen ROI?

Bevor Sie eine KI-Lösung implementieren, sollten Sie klären, welche Einsparungen Sie durch Automatisierung erzielen möchten:

  • Geht es darum, das gleiche – oder gar ein höheres – Arbeitsaufkommen innerhalb kürzerer Zeit zu erledigen?

  • Können Sie das Outsourcing Ihres Kundenservices zurückfahren oder ganz darauf verzichten?

  • Versetzen Sie Ihre Mitarbeiter in die Lage, produktiver zu sein oder können Sie Ihnen mehr Zeit verschaffen, innovative Lösungen für komplexe Herausforderungen zu finden, da sie weniger zeitraubende Routineaufgaben erledigen müssen?

Die Höhe Ihrer ersten KI-Investition sollte die von Ihnen erwarteten Kosteneinsparungen widerspiegeln. Auf diese Weise können Sie schnell erkennen, ab wann Sie eine positive Rendite erzielen. Unterschiedliche Investitionen führen zu unterschiedlichen Ergebnissen – in einem jeweils anderen Tempo. Welche Schwerpunkte Sie setzen, sollte auch von den Erkenntnissen abhängen, die Sie im Rahmen der zuvor erwähnten Zielgruppenanalyse gewonnen haben.

Vielleicht stehen zunächst auch gar nicht konkrete Einsparungen im Fokus, sondern Sie möchten das Image Ihrer Marke stärken, oder die Kundenzufriedenheit und den Net Promotor Score steigern? Auch solche Maßnahmen werden sich langfristig in konkreten wirtschaftlichen Vorteilen auszahlen, selbst wenn dies zunächst nicht das primäre Ziel ist.

5. Wie viel Testaufwand können Sie tolerieren?

In der Regel empfehle ich, jeden neuen KI-Anwendungsfall in kurzen Test-Zyklen zu testen. Machen Sie einen Schritt nach dem anderen und stellen Sie sicher, dass Sie mit der Funktionsweise des Systems vollkommen zufrieden sind, bevor Sie den KI-Einsatz an einer anderen Stelle in Ihrer Organisation reproduzieren. Um festzustellen, wie nutzbringend jeder einzelne Use Case ist, sollten Sie in 60- bis 90-tägigen Implementierungszyklen arbeiten, die in mehrere Sprints untergliedert sind.

Wenn Sie mit Ihrer AI-Lösung komplett neu starten und zunächst selbst den optimalen Umgang damit erlernen müssen – in einigen Fällen müssen Sie auch eigene Programmierarbeit leisten – sollte die anfängliche Investition überschaubar bleiben. Wenn Ihre Tests jedoch erfolgreich sind und vielleicht sogar Ihre Erwartungen übertreffen, können Sie mit einem neuen Use Case fortfahren. Oder Sie nutzen die Zeit, um die Nutzererfahrung weiter zu verbessern, indem Sie zum Beispiel den Avatar Ihres virtuellen Mitarbeiters optimieren oder an dessen Konversationsfähigkeiten feilen.

Mit der Implementierung alleine ist die Arbeit nicht getan

Jede Implementierung eines KI-Systems ist anders und abhängig von den jeweiligen Zielen, Anwendungsfällen und individuellen Rahmenbedingungen. Aber wie die hier angesprochenen Fragen zeigen, gibt es eine Reihe von Überlegungen, für jedes Unternehmen anstellen sollte, bevor es sich auf seine „KI-Reise“ begibt.

Gehen Sie davon aus, dass Sie Änderungen und Modifikationen an Ihrer KI-Lösung vornehmen werden, um diese optimal an die Bedürfnisse Ihres Unternehmens anzupassen. Doch wenn Sie die zuvor aufgeführten Fragen früh genug stellen – und beantworten – haben Sie schon einen sehr wichtigen Schritt getan um sicherzustellen, ob Ihr Investment in Künstliche Intelligenz sich auszahlt und Ihr KI-Projekt erfolgreich sein kann. (bw)