DSAG-Investitionsumfrage

SAP-Anwender schimpfen über Cloud-Preise

28.04.2023
Von 
Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
SAP-Kunden müssen Geld in die Hand nehmen, um Migrationsprojekte voranzutreiben. Doch es herrscht Unmut – über höhere Preise für SAPs Cloud-Lösungen und vernachlässigte Branchenlösungen.
SAPs Preispolitik sorgt wieder einmal für Ärger in Reihen der Anwenderschaft.
SAPs Preispolitik sorgt wieder einmal für Ärger in Reihen der Anwenderschaft.
Foto: Patrick Parks - shutterstock.com

Die SAP-Anwenderunternehmen nehmen mehr Geld für ihre IT- und SAP-Landschaften in die Hand. Das hat die aktuelle Investitionsumfrage der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) ergeben. Demzufolge steigen bei mehr als der Hälfte der 265 befragten Unternehmen die IT- und SAP-Budgets.

IT- und SAP-Budgets steigen. Das verwundert nicht - viele Unternehmen haben aufwendige und teure Migrationsprojekte vor der Brust.
IT- und SAP-Budgets steigen. Das verwundert nicht - viele Unternehmen haben aufwendige und teure Migrationsprojekte vor der Brust.
Foto: DSAG

Den Aufwärtstrend wertet der DSAG-Vorstandsvorsitzende Jens Hungershausen trotz schwieriger Zeiten als Zuversicht bei den Unternehmen, dass Krisensituationen gut gemeistert werden. "Zudem laufen einige etablierte SAP-Lösungen demnächst aus der Wartung und die Projekt-Pipelines der Unternehmen sind gut gefüllt - entsprechend wird Budget benötigt", stellt der Anwendervertreter fest.

Die S/4HANA-Uhr tickt

SAP drängt seine Kunden, auf das aktuelle ERP-Release S/4HANA zu wechseln, am besten gleich in die Cloud. Die Standardwartung für die Business Suite läuft 2027 aus. Die teurere Extended Maintenance läuft bis 2030 - dann ist Schluss und SAP wird den S/4HANA-Vorgänger nicht weiter unterstützen.

DSAG-Mann Hungershausen warnt davor, die Migration trotz des vermeintlich langen Zeithorizonts auf die leichte Schulter zu nehmen. "Je nach Komplexität können Migrationsprojekte mehrere Jahre in Anspruch nehmen." Es gelte, alten Code zu ersetzen und Stammdaten zu bereinigen. Neue Technologien müssten evaluiert und eingeführt, sowie Prozesse neu gedacht werden. "Eine rein technische Migration bringt keine Vorteile", stellt Hungershausen fest.

Es kann eng werden mit dem Umstieg, warnt DSA-Chef Jens Hungershausen. Die Unternehmen dürften die Komplexität der Migration auf S/4HANA nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Es kann eng werden mit dem Umstieg, warnt DSA-Chef Jens Hungershausen. Die Unternehmen dürften die Komplexität der Migration auf S/4HANA nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Foto: DSAG

Dazu kommen Unterschiede in der Funktionalität zwischen S/4HANA und dem Vorgänger. SAP habe Features aus dem Anwendungs-Layer in die Infrastrukturebene, genauer gesagt in die Business Technology Platform (BTP) verlagert. Daher müssten die Anwenderunternehmen genau analysieren, an welchen Stellen zusätzliche Lösungen und Tools in die künftige SAP-Landschaft einzubauen sind.

S/4HANA-Migration: Henkel wechselt mit neuem SAP-System in die Cloud

Um die Herausforderungen im Zuge der Migration zu meistern, benötigten die Anwenderunternehmen Unterstützung von Partnern, konstatieren die DSAG-Verantwortlichen. Das Problem: Aus Sicht der Anwender gibt es derzeit nicht genug Ressourcen am Markt. Der Verband sieht SAP hier in der Pflicht, die Partner stärker zu befähigen, bei Migrationsprojekten adäquat zu unterstützen.

Auch in SAPs Business Suite investieren die Kunden weiter.
Auch in SAPs Business Suite investieren die Kunden weiter.
Foto: DSAG

Angesichts des näher rückenden Wartungsendes überrascht es nicht, dass die Investitionsbereitschaft in S/4HANA wächst. Zwei Drittel der Befragten planen hier hohe (28 Prozent) beziehungsweise mittlere (38 Prozent) Investitionen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei insgesamt 44 Prozent. Als überraschend wertete Hungershausen indes die steigenden Investitionen in die Business Suite. 28 Prozent planen hohe (sechs Prozent) oder mittlere (22 Prozent) Investitionen. Im vergangenen Jahr waren es 24 Prozent, die hohe (sechs Prozent) beziehungsweise mittlere (18 Prozent) Investitionen budgetiert hatten.

Business Suite hält sich hartnäckig

Ein Blick auf die von den Anwendern aktuell eingesetzten SAP-Lösungen verrät jedoch, dass die Business Suite weiter deutlich in Führung liegt. 79 Prozent der Befragten (2022: 75 Prozent) setzen nach wie vor auf das beliebte SAP-Release. Auf Platz zwei liegt S/4HANA in der On-premises-Variante mit 41 Prozent (2022: 32 Prozent), gefolgt von S/4HANA Private Cloud mit acht Prozent (2022: sechs Prozent) und der Public-Cloud-Edition von S/4HANA mit drei Prozent (2022: zwei Prozent).

Die Zahlen belegen, dass die meisten Anwenderunternehmen ihr SAP-System im eigenen oder gemanagten Rechenzentrum betreiben wollen. Die Cloud ist aus Sicht der DSAG-Mitglieder nur für die wenigsten eine Option. Damit scheint auch das von SAP Anfang 2021 gestartete Programm Rise with SAP, das darauf abzielt die Migrationsbewegungen in Richtung Cloud zu lenken, zumindest in Kreisen der DSAG-Mitglieder bislang wenig zu verfangen.

Zumindest das Interesse an der BTP scheint zu wachsen. SAP positioniert die Cloud-Plattform als zentrale Drehscheibe für den künftigen SAP-Betrieb. Über die Plattform werden beispielsweise verschiedene Lösungen - SAP wie auch Non-SAP - miteinander verknüpft. Knapp ein Viertel der von der DSAG befragten Betriebe gab an, in die BTP investieren zu wollen. Einziger Wermutstropfen: Viele der Unternehmen, die die BTP lizenziert haben, nutzen die Plattform derzeit nicht produktiv.

Studie SAP S/4HANA 2022: Wie Anwenderunternehmnen migrieren

Offenbar gibt es noch Vorbehalte unter SAP-Kunden oder es fehlen Ideen, wie die BTP sinnvoll eingesetzt werden kann. Grundsätzlich sei es aus DSAG-Sicht positiv, dass SAP erste Migrationsservices entwickelt habe, die etwa dabei unterstützen, bestehende Integrationsarchitekturen auf die Integration Suite der BTP umzustellen, heißt es in einer Mitteilung der Anwendervertretung. Allerdings seien die Kosten für den Betrieb der Plattform zu hoch.