Licht und Schatten im Kabelschacht

Pro und Contra Highspeed Ethernet

23.02.2012
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Versteckte Kosten

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Nicht umsonst raten etliche Experten aufgrund dieser versteckten Kosten derzeit zu einer abwartenden Haltung. "Unternehmen sollten genau prüfen, ob sich die Migration für sie lohnt, denn 40- und 100-GbE-Interfaces werden ein Vielfaches von 10-GbE-Equipment kosten", empfiehlt etwa Andreas Herden, Leader Data Technical Operations bei Avaya Emea. "Ein Trunk mit viermal 10 GbE ergibt in der Summe auch 40 GbE - das ist für viele Firmen derzeit noch wirtschaftlicher." Ähnlich sieht es Mathias Wietrychowski, Architekturverantwortlicher Borderless Networks bei Cisco: "Für eine sinnvolle Migration sollte man 40 GbE in Betracht ziehen und hier insbesondere, dass die 40-GbE-Anschlüsse auch mit jeweils viermal 10 GbE betrieben werden können."

Letztlich kommen die Unternehmen um einen kritischen Blick auf ihre Netzlast nicht herum. Wird etwa 100 GbE kurzfrisstig überhaupt benötigt? Gerade im Zuge der Diskussionen um Cloud Computing und Virtualisierung ist eine Detailvorhersage schwierig. Wer kann heute wirklich sagen, wie sich die virtualisierten Apps von morgen im RZ-Betrieb verhalten? Werden sie wirklich häufig von einem Server-Rack zum anderen verschoben und generieren so eine Netzlast, die sogar 100 GbE benötigt?

Migration im RZ beginnen

Zumindest in einem Punkt sind sich die Experten einig: Der größte Datenzuwachs ist im Data Center zu erwarten, weshalb hier mit einer Migration begonnen werden sollte, der Campus-Bereich folgt dann später. "40/100 GbE wird auf absehbare Zeit eine Aggregationstechnologie im Rechenzentrum bleiben", zeigt sich Markus Nispel, Technikexperte bei der Siemens-Enterprise-Networks-Tochter Enterasys, überzeugt. Er glaubt, dass Unternehmen in diesem Jahr bereits punktuell 40 Gbit/s einsetzen werden. "100 GbE wird dann erst 2013 relevant", so Nispel weiter.

Allerdings könnte sich so manches Unternehmen früher mit einer HSE-Migration beschäftigen müssen, als ihm lieb ist. Denn die angesprochene Link Aggregation lässt sich nicht überall realisieren. In vollen Racks fehlt häufig schlicht der Platz, um weitere Lichtwellenleiter oder Kupferkabel zu verlegen. Auch das Kühlungsproblem sollte nicht unterschätzt werden: Zum einen sind die erforderlichen Transceiver weitere Wärmequellen im Rack, zum anderen kann eine zusätzliche Verkabelung den Luftstrom in den Racks so stören, dass eine ausreichende Kühlung nicht mehr gewährleistet ist.