KfW-Studie Digitalisierung im Mittelstand

Mittelstand droht bei Digitalisierung den Anschluss zu verlieren

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Einer aktuellen Studie von KfW Research zufolge geht der deutsche Mittelstand das Thema Digitalisierung nur sehr zaghaft und mit geringem Kapitaleinsatz an. Der Grund: Neben mangelndem IT-Know-how, Sorge um die Datensicherheit und geringer Bandbreite können viele Unternehmen keinen Nutzen für ihr Geschäftsmodell erkennen.
Die Schnaitmann Maschinenbau GmbH ist Beispiel - und Ausnahme - für erfolgreiche Digitalisierung im Mittelstand.
Die Schnaitmann Maschinenbau GmbH ist Beispiel - und Ausnahme - für erfolgreiche Digitalisierung im Mittelstand.
Foto: KfW-Bildarchiv / Espen Eichhöfer, OSTKREUZ

Wie eine neue Studie von KfW Research (PDF) zeigt, befindet sich der deutsche Mittelstand noch in einer frühen Phase der Digitalisierung. Zwar haben vier von fünf kleinen und mittleren Unternehmen in den zurückliegenden drei Jahren Digitalisierungsprojekte umgesetzt und in neue Technologien oder eine Verbesserung der IT-Kompetenz investiert. Die einzelnen Vorhaben hatten jedoch meist nur einen überschaubaren Umfang: Vor allem kleine Unternehmen (unter zehn Beschäftigte) setzten dafür weniger als 10.000 Euro pro Jahr ein - und planen häufig für die nächsten Jahre keine höheren Ausgaben. Knapp die Hälfte der großen Mittelständler (150 und mehr Beschäftigte) geben über 100.000 Euro im Jahr dafür aus. Hochgerechnet auf den gesamten deutschen Mittelstand entspricht dies nach Berechnungen der KfW jährlichen Ausgaben in Höhe von etwa zehn Milliarden Euro für Projekte zum Ausbau der Digitalisierung.

83 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben in den Jahren 2013 bis 2015 Digitalisierungsvorhaben durchgeführt - teilweise jedoch mit überschaubaren Umfang.
83 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben in den Jahren 2013 bis 2015 Digitalisierungsvorhaben durchgeführt - teilweise jedoch mit überschaubaren Umfang.
Foto: KfW

"Die mittelständische Wirtschaft schöpft das Potential der Digitalisierung bisher bei weitem noch nicht aus", kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, entsprechend auch die Studienergebnisse, die auf einer repräsentativen Befragung mittelständischer Unternehmen mit mehr als fünf Mitarbeitern basieren. Die meisten mittelständischen Unternehmen bauten ihre Digitalisierung zwar aus, gingen dies jedoch überwiegend in kleinen Schritten an. Damit liefen die Firmen schlimmstenfalls Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Ein Drittel des Mittelstands gehört zu den Digitalisierungs-Nachzüglern

Insgesamt befindet sich laut Studie etwa ein Drittel der Mittelständler aktuell noch in einem Grundstadium der Digitalisierung, d.h. bei ihnen sind selbst grundlegende Anwendungen wie ein eigener Internet-Auftritt unterdurchschnittlich verbreitet. Dabei zählen besonders häufig die kleinen Mittelständler mit weniger als 50 Mitarbeitern zu diesen Digitalisierungs-Nachzüglern. Rund die Hälfte der mittelständischen Firmen hierzulande liegt im Mittelfeld und nutzt z.B. einzelne Anwendungen digital vernetzter Information und Kommunikation. Digitale Vorreiter, also Unternehmen, die bereits auf digitale Produkte, Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0 setzen, stellen mit einem knappen Fünftel des Mittelstands die Minderheit dar.

Die besten Digitalisierungsprojekte - Foto: IDG

Die besten Digitalisierungsprojekte

78 Prozent der Unternehmen haben zwischen 2013 und 2015 in technologische Projekte investiert (Hardware, Software, IT-Sicherheit, Website, IT-Bezugsformen, Verknüpfung von Prozessen). Projekte zur Erweiterung von Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung (IT-Weiterbildung, IT-Beratung, Reorganisation des Workflows, Konzepte für Internetmarketing und -vertrieb) wurden von 64 Prozent der Mittelständler umgesetzt. Vorreiterunternehmen realisieren fast doppelt so häufig Kompetenzprojekte wie Nachzügler. "Für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands geht kein Weg an der Digitalisierung vorbei", betont Zeuner. "Dafür muss nicht nur in Soft- und Hardware, sondern unbedingt auch in Wissen investiert werden, um die besten Lösungen für das eigene Unternehmen zu entwickeln."

Nutzen für ihr Geschäftsmodell oft nicht erkannt

Als wesentliche Hemmnisse einer weitergehenden Digitalisierung nennen die Unternehmen mangelnde IT-Kompetenzen ihrer Belegschaft (67%), Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit (62%), und die mangelhafte Geschwindigkeit der Internetverbindung (58%). Doch auch ein schneller Abbau dieser Hemmnisse dürfte nicht ausreichen, um einen 'Digitalisierungsschub" im deutschen Mittelstand auszulösen: Viele Unternehmen scheinen den Nutzen einer weitergehenden Digitalisierung für ihr Geschäftsmodell noch nicht erkennen zu können - sie fürchten die hohen Investitions- sowie Betriebskosten (59%) und investieren aus diesem Grund nicht oder zu wenig in digitale Projekte.

Die KfW empfiehlt in diesem Zusammenhang, den mittelständischen Unternehmen die Möglichkeiten der Digitalisierung stärker aufzuzeigen und anhand von Best-Practice-Beispielen zu verdeutlichen. So ließen sich etwa durch intelligenteren IT-Einsatz konkrete Einsparpotenziale umsetzen, beispielsweise durch die Verringerung von Ausschuss bei der Produktion, eine effizientere Lagerhaltung oder einen geringeren Energieverbrauch.

Weitere Handlungsempfehlungen der KfW umfassen den Abbau von Unsicherheiten rund Themen wie IT-Sicherheit, technische Standards und Haftungsfragen, die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften und die Beschleunigung des Breitbandausbaus.

Finanzierungprobleme bei Digitalisierungsprojekten

Bankkredite spielen bei Digitalisierungsprojekten mit vier Prozent des Finanzierungsvolumens eine untergeordnete Rolle.
Bankkredite spielen bei Digitalisierungsprojekten mit vier Prozent des Finanzierungsvolumens eine untergeordnete Rolle.
Foto: KfW

Außerdem rät die KfW, dass die externe Finanzierung von Digitalisierungsprojekten erleichtert werden sollte. In der Studie nannte immerhin knapp ein Drittel der Mittelständler Finanzierungsprobleme als ein Digitalisierungshemmnis. Aktuell finanzieren mittelständische Unternehmen ihre Digitalisierungsprojekte zu 77 Prozent aus laufenden Einnahmen. Bankkredite spielen dagegen mit vier Prozent eine untergeordnete Rolle. "Der Finanzierungsbedarf in der Breite des Mittelstandes wird sich erhöhen, wenn die Unternehmen in Zukunft eine stärkere Dringlichkeit der Digitalisierung wahrnehmen", ist sich KfW-Mann Zeuner sicher. "Ein deutlicher Schritt nach vorne in digital vernetzter Information und Kommunikation in Unternehmen sowie in der Vernetzung von Produkten und Dienstleistungen ist nur mit erheblich höheren Ausgaben möglich."