Microsoft .NET Compact Framework

29.05.2002
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 

Die eigentliche Applikation schreibt der Programmierer dann als eine Art Metafile für .NET Compact. Diese, erläutert der Manager, wird dann nach dem Herunterladen auf dem mobilen Endgerät nicht interpretiert, sondern kompiliert. Aufgabe der als Compiler fungierenden Runtime-Umgebung ist dabei nicht nur einen schnellen Code zu generieren, sondern in den Libraries die hardwarespezifischen Features herauszusuchen und in den Code einzubinden. Wehrs zufolge ist dieses Verfahren schneller als Java, auch wenn es nicht die Performance von nativem Code erreicht. Ferner habe es den Vorteil, dass etwa bei neuer Hardware nicht die Anwendung an sich geändert werden müsste, sondern nur eine Anpassung der entsprechenden Library erfoderlich sei. Ein Feature, das laut Wehrs besonders die Mobilfunk-Carrier schätzen würden, die sich jedes halbe Jahr mit einer neuen Handy-Generation konfrontiert sehen.

Damit dieses Zusammenspiel funktioniert, ist ein Applikationszertifkiat - ähnlich dem Windows-Logo - für mobile Endgeräte im Gespräch. Entsprechende Vorbereitungen für ein solches Zertifikat laufen derzeit unter dem Arbeitstitel „Mobile the Market“. Will der Entwickler aus Performance-Gründen jedoch jedes Hardware-Feature ausreizen, so führt auch in der mobilen Welt kein Weg an der maschinennahen Programmierung vorbei.

Microsofts Zurückhaltung in Sachen hardwarespezifischer Programmteile zeigt sich bei .NET Compact noch in anderer Hinsicht. Zwar engagiert sich der Konzern in Gremien wie der GSM Association, der internationalen Allianz der großen Mobilfunkbetreiber, direkt will das Softwarehaus mit der Problematik der Übertragungsverfahren wenig zu tun haben.

Bandbreite spielt eine Rolle

Der Grund: „Wir setzen bei .NET Compact erst auf der Netzebene 3 des OSI-Modells an“, erklärt Wehrs. Primär könnte damit Microsoft die Diskussion um die Mobilfunkstandards der Zukunft, also die Frage, ob sich UMTS oder WLANs in Form von Hotspots etablieren, egal sein. „Allerdings kommen wir in letzter Konsequenz auch nicht darum herum, uns mit diesem Thema zu beschäftigen, denn die zur Verfügung stehende Bandbreite hat Auswirkungen auf den Applikationsaufbau“, schränkt der Manager ein. Ziel müsse es dabei sein, Anwendungen zu entwickeln, die ihren Funktionsumfang aufgrund der zur Verfügung stehenden Bandbreite automatisch ändern. Ein Beispiel hierfür könnte ein E-Mail-Client sein, der im Falle einer schmalbandigen, teuren Übertragung - etwa GPRS - nur die Absender sowie die Betreffzeilen der Mails herunterlädt. Ist dagegen ein schneller, günstiger Wireless-LAN-Zugang verfügbar, empfängt der gleiche Client

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