POS-Komplettlösung für Kleinbetriebe

Marco Börries will Enfore mithilfe der Telekom zum Erfolg führen

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Acht Jahre haben Marco Börries und sein Team getüftelt, um ihre Cloud-basierte Business-Software für Kleinbetriebe fertigzustellen. Seit ein paar Wochen ist das Startup Enfore nun am Markt – und mit der Deutschen Telekom als Vertriebspartner hofft das Softwareunternehmen schnell zu wachsen.

Zu Marco Börries muss man nicht viele Worte verlieren. Mitte der 70er Jahre gründete der damalige Schüler aus Lüneburg im zarten Alter von 16 Jahren das Softwareunternehmen Star Division, das mit großem Erfolg eine Alternative zum Office-Paket von Microsoft anbot. Ende der 90er verkaufte Börries die Firma für einen hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag an Sun Microsystems und muss seitdem nicht mehr arbeiten. Eigentlich.

Marco Börries will es noch einmal wissen: Sein Startup Enfore liefert einfache Komplettsysteme für Gastronomie, Handwerk und Dienstleister.
Marco Börries will es noch einmal wissen: Sein Startup Enfore liefert einfache Komplettsysteme für Gastronomie, Handwerk und Dienstleister.

Tatsächlich blieb der Software-Unternehmer, der 2014 in die Hall of Fame der bedeutendsten IT-Persönlichkeiten Deutschlands aufgenommen wurde, immer ruhelos. Enfore heißt das Unternehmen, das nun nach beträchtlicher Entwicklungsphase durchstarten und den Star-Division-Erfolg wiederholen oder sogar toppen soll. Die Idee: Kleinbetriebe aus dem Einzelhandel, Gastgewerbe oder dem Dienstleistungssektor erhalten eine Komplettlösung aus Hardware und Cloud-basierter Software, mit der sie ihre Geschäfte abwickeln können.

Enfore hat dazu ein integriertes Point-of-Sale-(POS-) und Service-Angebot entwickelt, das unter anderem ein Kassensystem (enforeDasher), ein Karten-Terminal (enforePaypad) sowie eine Business-Anwendung namens "enforePOS" mitbringt - wobei letztere je nach Branche mit unterschiedlichen Softwaremodulen geliefert wird. Diese sollen lokale Kleinbetriebe in allen Arbeitsschritten, von der Warenwirtschaft und der Lagerhaltung über die Abrechnung bis hin zur Kundenmanagement, digital unterstützen.

Für Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleister

Auf der IFA in Berlin hatte Enfore einen Vertrag mit der Deutschen Telekom unterzeichnet, der den Carrier berechtigt, die Lösung unter dem etwas sperrigen Namen "MagentaBusiness POS" zu vermarkten und dazu Service und Support bereitzustellen. In ausgewählten Telekom-Shops, über die Telefon-Hotline, den Telekom-Vertrieb sowie im Online-Shop der Telekom ist das IT-Paket für "Restaurants, Einzelhändler oder Friseursalons", wie das "Manager Magazin" in einer Titelstory resümierte, heute verfügbar.

Enfore Dasher - ein POS-System für Kleinbetriebe, made in China.
Enfore Dasher - ein POS-System für Kleinbetriebe, made in China.
Foto: enfore

Die Lösung setzt dabei konzeptionell an einem Punkt an, den jeder Kleinbetrieb kennt: an der Kasse. Direkt über das POS-Terminal werden branchenspezifische Software-Module für Prozesse wie vorbereitende Buchhaltung, Personalplanung oder Kundenbetreuung zur Verfügung gestellt. Nutzer haben so im Kassen-, Theken- oder Rezeptionsbereich Zugriff auf diese Softwaremodule. Bezahlt wird für Hardware, Connectivity und Support, die Softwaremodule sind indes kostenfrei.

iPad, Mac und PC werden unterstützt

Die Apps laufen dabei nicht nur auf dem POS-Terminal, sondern auch auf anderen Endgeräten vom iPad übers iPhone bis hin zu PC und Mac. Anwender können also, sofern sie einen Business-Account haben, ortsunabhängig auf verschiedenen Endgeräten mit ihrer gewohnten Nutzeroberfläche und ihren jeweiligen Daten arbeiten. Sie können Rechte für Mitarbeiter vergeben, Geschäftsdaten in der Cloud archivieren und in Kürze auch ihre Online-Profile auf Seiten wie Facebook, Google oder Yelp pflegen. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen Nutzer die Möglichkeit haben, Produkte und Services "mit wenigen Klicks" auf Plattformen wie Amazon Marketplace, Ebay, Google oder Facebook anzubieten.

Ein einfaches Kartenlesegrät namens PayPad gehört ebenfalls zum Angebot.
Ein einfaches Kartenlesegrät namens PayPad gehört ebenfalls zum Angebot.
Foto: enfore

"Meine Mission ist es, den über 200 Millionen kleinen Unternehmen weltweit die Tür ins digitale Zeitalter zu öffnen", gab sich Börries auf der IFA selbstbewusst. Es gebe viele Firmen, die wenig Geld und wenig digitales Know-how hätten. Die wolle er mit Enfore erreichen. Dass der Softwareunternehmer groß denkt, verwundert angesichts seiner Biographie und seinen Erfahrungen im Silicon Valley wenig. 60 Prozent vom Markt hofft er zu erobern, und das, obwohl beispielsweise mit Firmen wie Lexware, Sage, Scopevisio, Weclapp und anderen jede Menge Konkurrenz vorhanden ist.

Eine Komplettlösung inklusive Hardware bieten die allerdings nicht. Enfore liefert einer Tablet-Kasse mit integriertem Bondrucker und Barcodescanner (Dasher) für knapp 800 Euro und das Kartenzahlungsgerät "PayPad" für 200 Euro. Es handelt sich dabei um Android-Gadgets, die in China produziert werden.

Gesamtlösung der Telekom auf Enfore-Basis: MagentaBusiness POS

Hagen Rickmann, für Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH zuständig, ist von dem Konzept überzeugt. Kleinere Handwerker oder Dienstleister, die oft kein eigenes digitales Geschäftsmodell hätten, könnten hier auf den fahrenden Zug aufspringen und von der Digitalisierung profitieren. Sie bekämen Hardware, Business-Software, High-Speed-Internet und Support im Paket. "Die Kooperation mit Enfore ist für die Telekom ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der Partnerstrategie des Konzerns", so Rickmann. In der Regel hätten Kleinbetriebe Einzelanwendungen für Buchhaltung, Kundenmanagement oder die Kasse im Einsatz. "MagentaBusiness POS bietet diese Elemente aus einem Guss und ermöglicht ihnen einen deutlichen Effizienzsprung."