Lernmethoden

Kompetenzbasiertes Mitarbeiter-Empowerment

04.05.2020
Von   IDG ExpertenNetzwerk


Sven R. Becker ist bei der IMC AG Vorstand für die Bereiche Vertrieb und Marketing in der DACH-Region. Er bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung im Bereich digitaler Aus- und Weiterbildungslösungen mit.
In unserer agilen Arbeitswelt geht es vor allem darum, den Mitarbeiter zu ermächtigen, Wissen auf neue Sachverhalte zu übertragen. Dieser transferorientierte Ansatz kann mit kompetenzbasiertem Lernen verwirklicht werden.
Kompetenzbasiertes Lernen orientiert sich - wie der Name schon sagt - an der Kompetenz des Lernenden. Eine Überforderung sollte demnach nicht stattfinden.
Kompetenzbasiertes Lernen orientiert sich - wie der Name schon sagt - an der Kompetenz des Lernenden. Eine Überforderung sollte demnach nicht stattfinden.
Foto: frankie's - shutterstock.com

Wenn wir in Kompetenzen denken, dann müssen Fähigkeiten geschult werden, die bei der persönlichen Wissensaufnahme helfen und den Menschen dabei unterstützen, diese Kompetenzen aufzubauen. Gleichzeitig sollten diese in praxisnahen Situationen prüfbar sein.

Was kompetenzbasiertes Lernen ausmacht

Es geht beim kompetenzbasierten Lernen darum, Wissen für die Praxis zu erwerben und nicht für einen Test zu büffeln. Das steht im Gegensatz zum curricularen Lernen, das zwar ein Zertifikat ausstellt, aber die erworbenen Kompetenzen und ihre Anwendbarkeit nicht testet. Der Lernende hat bei dieser Lernmethode jederzeit die Möglichkeit, zu herausfordernden Lektionen zurückzukehren oder einfache Einheiten zu überspringen.

Er kann in seinem Tempo lernen und muss nicht einzelne Module in vorgegebenen Zeitspannen durchlaufen. Je nach Vorwissen und persönlicher Erwerbsgeschichte sind die Wege, ein Lernziel zu erreichen, sehr unterschiedlich. Und das Lernziel ist dabei immer der Transfer und die Anwendung in der Praxis - im Gegensatz zu einem einmalig erworbenen Zertifikat, das nicht in der Realität auf Transfer hin geprüft wurde.

Lernmethoden - das Ziel entscheidet

Die digitale Transformation wirkt sich bereits tiefgreifend zum Beispiel auf die Versicherungslandschaft aus. Die Versicherungsbranche ist schnelllebig und von einer hohen Veränderungsgeschwindigkeit geprägt. Beispielsweise bieten Axa, Talanx, DEVK und andere bereits erste digitale, datenbasierte Versicherungsprodukte mit individueller Risikobewertung oder ermöglichen es ihren Kunden, Geschäfte per App und Videokonferenzen abzuwickeln.

Die veränderten Anforderungen machen es nötig, Geschäftsmodelle dieser Branche zu modernisieren und die Prozesse agil zu gestalten. Mitarbeiter wie Makler und Außendienstmitarbeiter repräsentieren das Unternehmen nach außen und müssen in kurzen Zeitabständen geschult und individuell weiterqualifiziert werden. Auch der traditionell hohe Anteil an Quereinsteigern in der Versicherungsbranche macht passgenaue und zielgerichtete Lernmethoden nötig.

"Mastery over Knowledge" - die Beherrschung des Wissens - nennt es Greg Blackburn in seinem Artikel über kompetenzbasiertes Lernen. Wer diese Art der Kompetenzerweiterung in seine Lernstrategie aufnimmt, entscheidet sich dafür, individuelle Kompetenzlücken zu füllen, statt wie bisher vordefinierte Lernpfade zu absolvieren. Nicht falsch verstehen: Kompetenzbasiertes Lernen arbeitet ebenfalls strukturiert auf ein Ziel hin. Die Wege dieses zu erreichen, sind allerdings sehr unterschiedlich.

Kompetenzbasiertes Lernen umsetzen

Wie bei jeder Lernmethode ist auch beim kompetenzbasierten Lernen eine entsprechende Vorbereitung nötig:

  • Individuelle Kompetenzen sowie die Kompetenzlücken der jeweiligen Beschäftigten ermitteln (z.B. über Tests)

  • Individuelle Trainings-/Weiterbildungsangebote anbieten, um die vorhandenen Kompetenzlücken zu schließen (z.B. mit Hilfe von KI)

  • Beschäftigte dabei unterstützen, die gewonnen Kompetenzen anzuwenden beziehungsweise umzusetzen, statt sie zu vorgegebenen Tests zu zwingen

  • Informell erworbene Kompetenzen ermitteln sowie anerkennen und zertifizieren

  • Mit modularen und feinteilig aufgebauten Kursen arbeiten, die sich für Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten zu unterschiedlichen Zeitpunkten bzw. bei unterschiedlichen Modulen - basierend auf deren Vorwissen - eignen

  • Eine sichere Infrastruktur schaffen - Stichwort Datenschutz

  • Das verfügbare (freiwillige) Lernangebot so aufbereiten, dass Beschäftigte die für sie passenden Lerninhalte sowohl finden als auch unkompliziert nutzen können (Learning on Demand)

  • Mitarbeiter im Kompetenzentwicklungsprozess begleiten

  • Adaptive Lernsysteme nutzen die basierend auf den ermittelten Stärken, Schwächen und Lernzielen eines Beschäftigten passgenaue Vorschläge für Lerninhalte machen (statt Gießkannenprinzip)

Mit diesem Vorgehen können Unternehmen durch kompetenzpasiertes Lernen nicht nur ihre Beschäftigten auf der aktuellen Wissensbasis für Geschäftsziele halten. Durch den auf dem Wissensstand des Lernenden aufgebauten Ablauf fühlt sich niemand überfordert. (bw)