Frauen machen Karriere

"Ist das Wasser zu kalt, krabbelt man raus"

04.04.2019
Von 
Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 20 Jahren. Langweilig? Nein, sie entdeckt immer neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und im eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisiert.
Als Managing Director für Bosch Connected Industry verantwortet Susann Herrmann das Sales-Order-Management, Order to Cash und Operation & Support. Karriereorientierten Frauen empfiehlt sie Mut, ihre Leistung ins rechte Licht zu rücken, und nichts persönlich zu nehmen.
Als Managing Director für Bosch Connected Industry verantwortet Susann Herrmann das Sales-Order-Management, Order to Cash und Operation & Support. Ihre Karriere begann sie als Bankkauffrau. Nach einem berufsbegleitenden Studium machte sie Karriere bei IBM, bevor sie für einen Automobilzulieferer den Bereich Messdaten-Management/Big Data/IoT aufbaute und 2016 zu Bosch wechselte.
Als Managing Director für Bosch Connected Industry verantwortet Susann Herrmann das Sales-Order-Management, Order to Cash und Operation & Support. Ihre Karriere begann sie als Bankkauffrau. Nach einem berufsbegleitenden Studium machte sie Karriere bei IBM, bevor sie für einen Automobilzulieferer den Bereich Messdaten-Management/Big Data/IoT aufbaute und 2016 zu Bosch wechselte.
Foto: Bosch

Wie gelang der erste Karriereschritt?

Susann Herrmann: Hohe Eigenmotivation, Disziplin, Leistungs- und Qualitätsorientierung sowie Offenheit für Herausforderungen waren der Schlüssel zum Erfolg. In meiner Zeit als Volleyball-Bundesliga­spielerin wurden diese Fähigkeiten gefördert, die ich auf den Job übertrug. Von Anfang an war mir wichtig, mein Wissen zu erweitern und Zertifizierungen abzuschließen. Mein Auslandsaufenthalt hat meine Sprachkenntnisse erweitert und meinen interkulturellen Blick geschärft.

Ihr Tipp für junge Frauen?

Susann Herrmann: Sie sollten sich überlegen, was ihre Neigungen sind, was sie erreichen möchten, und dann springen und sich ausprobieren. Ist das Wasser zu kalt, krabbelt man einfach wieder heraus. Die nächste Chance kommt auf jeden Fall.

Welche Eigenschaften braucht man in der IT-Branche, um Karriere zu machen?

Susann Herrmann: Entscheidend ist das Ab­straktionsvermögen, die Technologien als nutzbare Anwendungen in die Geschäftswelt zu transferieren. Da wir Frauen anders ticken, sind wir gut geeignet, um die Sprache der Softwareingenieure in den Business-Content zu übersetzen. Zugleich muss man fit sein in den Basic-Anwendungen und Methoden, um komplexe Sachverhalte zu lösen. Strukturiertes Denken und der Mut, als Fachfremde Fragen zu stellen, können zum Erfolg führen. Mein Geheimtipp: das Zehn-Finger-Schreibsystem - genauso schnell schreiben zu können, wie man spricht und denkt!

Wie gehen Sie damit um, dass Sie es oft nur mit Männern zu tun haben?

Susann Herrmann: Seit vielen Jahren tausche ich mich mit meinem Mentor aus, um männliche Verhaltensweisen verstehen und besser einordnen zu können. Dadurch konnte ich erfolgreicher agieren. Wichtig ist auch, immer seinen Dienstgrad zu nennen und sich so zu positionieren. Ich halte aber nichts davon, sich optisch oder vom Charakter her den Männern anzupassen. Besser ist es, auf weibliche Stärken zu setzen, etwa auf die Fähigkeit, zu vermitteln und alles zusammenzuhalten.

Gibt es geheime Spielregeln der Macht?

Susann Herrmann: Hier empfehle ich Peter Modlers "Das Arroganzprinzip", in dem er aufzeigt, wie Frauen im Beruf erfolgreich sein können. Männer scheuen sich nicht vor klaren Worten in Konfliktsituationen, sie verstehen sich artbedingt und wissen, wie das Gegenüber tickt. Frauen nehmen vieles persönlich, das ist aber falsch, selbst wenn es eine Beleidigung ist, sollte man darüber hinweggehen oder mit gleicher Münze kontern. Das männliche Gegenüber wird nicht beleidigt sein. Frauen sollten sich auch genau überlegen, wer ist ein Unterstützer und wer nicht. Vorsicht vor zu viel Loyalität.

Braucht es Marketing in eigener Sache?

Susann Herrmann: Zu viel Selbst-Marketing für Frauen gibt es nicht. Sie sollten in Ich-Form sprechen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort der richtigen Person von ihrer Leistung erzählen.

Susann Herrmann

Ihre Karriere begann Susann Herrmann als Bankkauffrau bei der Volksbank Böblingen. Danach wechselte sie in den IBM-Finanzbereich. Parallel zum Job studierte sie Marketing und zertifizierte sich beim Project Management Institute (PMI) als internationaler Projektleiter.

Diverse berufliche Stationen folgten in der 20-jährigen IBM-Laufbahn, darunter Change-Managerin, Leitung internatio­nale IT-Projekte mit internationalem Berichtsweg und Abteilungsleitung Sales Transformation. Sie nahm die Herausforderung an, für einen Automobilzulieferer den Bereich Messdaten-Management/Big Data/IoT aufzubauen. 2016 wechselte sie zu Bosch.

Peter Modler, Das Arroganz Prinzip
Peter Modler, Das Arroganz Prinzip
Foto: Fischer Taschenbuch

Frauen, die im Beruf erfolgreich sein wollen, empfiehlt Herrmann "Das Arroganzprinzip" von Peter Modler.