IDC Marketscape Worldwide IoT Platforms 2017

IoT-Plattformen: Kaum Chancen für kleinere Anbieter?

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Marktforscher von IDC haben versucht, Licht in den dichten Dschungel von IoT-Plattformen zu bringen. Hier die aus Sicht der Analysen wichtigsten Anbieter sowie Empfehlungen, worauf Unternehmen bei der Auswahl der geeigneten IoT-Lösung achten sollten.

Obwohl das Marktsegment "Horizontale kommerzielle IoT-Plattformen" noch relativ jung ist und sich rasant entwickelt, besteht auf Kundenseite starkes Interesse nach passenden Lösungen. Die Analysten von IDC befassten sich daher in einer ersten Marktübersicht mit IoT-Plattformen von Anbietern, die im Wesentlichen aus den Bereichen Enterprise- oder Industrie-Software kommen und Stärken bei IT-Infrastruktur, Anwendungen und Analytics vorweisen.

Das Thema Internet of Things (IoT) zieht sowohl Kunden wie auch Anbieter scharenweise an.
Das Thema Internet of Things (IoT) zieht sowohl Kunden wie auch Anbieter scharenweise an.
Foto: a-image - shutterstock.com

Um aus der Vielzahl an IoT-Lösungen eine Vorauswahl zu treffen, wurden die Unternehmen für den IDC MarketScape-Bericht "Worldwide IoT Platforms Vendor Assessment" anhand einer umfangreichen Kriterienliste evaluiert.

Damit sie in die engere Auswahl kamen, mussten Hersteller in ihrer Lösung unter anderem mindestens vier der sechs Kernelemente einer IoT-Plattform bereitstellen (Device Konnektivitäts-Fähigkeiten - Punkt 1 - waren erforderlich, um grundsätzlich in Betracht gezogen zu werden):

  • Verbindung zu den IoT-Endpunkten

  • Verwaltung der IoT-Endpunkte/Identitäten

  • Aufnahme und Verarbeitung der IoT-Daten

  • Visualisierung und Analyse der IoT-Daten

  • Bau von IoT-Applikationen

  • Integration von IoT-Daten in bestehende Applikationen

Als weiteres Kriterium wurde gefordert, dass die Anbieter bereits im Dezember 2016 eine eigenständige kommerzielle IoT-Plattform im Markt angeboten hatten und mindestens drei Referenzen von Kunden vorweisen, die das Produkt seit sechs Monaten oder mehr genutzt haben. Ferner musste die Lösung horizontal geeignete Fähigkeiten bieten und für mehrere vertikale Branchen angeboten werden.

Zwölf Sieger, keine Verlierer

Nach Anlegen dieser Filter kamen für IDC letztendlich nur noch zwölf Anbieter von IoT-Plattformen für die Marktübersicht in Frage. Mit IBM, PTC, GE, Microsoft und AWS platzierten sich dabei gemessen an den Fähigkeiten und der Strategie gleich fünf Unternehmen im "Leaders"-Bereich.

Die restlichen sieben Hersteller (SAP, Ayla Networks, HPE, Oracle, Bosch SI, Fujitsu und LogMeIn) zählt das Marktforschungsinstitut zu dem Major Players. Herausforderer (Contenders) und Marktteilnehmer (Participants) führt IDC keine auf - vermutlich erfüllten viele Anbieter die Auswahlkriterien nicht.

Empfehlung für Käufer

IDC bewertete im Rahmen der Studie im Allgemeinen horizontal ausgelegte Fähigkeiten der IoT-Plattformen, die in zahlreichen Anwendungsfällen zum Erfolg führen können. Gleichzeitig betrachteten die Marktforscher nach eigenen Angaben aber auch fallspezifische Merkmale, achteten aber darauf, dass diese nicht übergewichtet wurden. So erforderten auf Industrie 4.0 fokussierte Lösungen starke Fähigkeiten im Edge-Bereich, solche mit Fokus auf vernetzte Produkte eher Werkzeuge für die Mobile-App-Entwicklung.

Generell geht IDC davon aus, dass Unternehmen nach Anbietern von IoT-Plattformen suchen sollten, die folgende Charakteristika aufweisen:

Breite Produktfunktionalität: Auch wenn nicht alle Unternehmen sämtliche Komponenten einer IoT-Plattform nutzen - der Kunde sollte selbst bewerten können, ob ein Anbieter das Produkt so verpackt, dass es einfach zu verwalten ist - auch was die Kosten über den Lebenszyklus betrifft.

Protokoll- und Geräteunterstützung: Sowohl bei Connected Products wie auch in Industrie-4.0-Szenarien spielt die Integration eine wichtige Rolle. Kunden sollten sich bei der Suche nach einer geeigneten Lösung erkundigen, ob der Anbieter die benötigten IoT-Endpunkte unterstützt - und zwar über die bevorzugten Anschlussprotokolle, was von Anfang an unterstützt wird und was zusätzliche benutzerdefinierte Entwicklung erfordert.

Integrationsmöglichkeiten: Unternehmen müssen sich überlegen, wie die IoT-Plattform in Backend-System und/oder anderen Cloud-Services, einschließlich Datenbanken oder Analytics-Lösungen, integriert wird. Es ist wichtig zu verstehen, wie IoT-Daten in Hinblick auf die Integration mit anderen Systemen gesichert werden. In diesem Zusammenhang werden laut IDC APIs und API-Verwaltung zunehmend wichtiger, da Unternehmen darauf zielen, IoT-Daten zu vermarkten.

Edge-Support: Einer IDC-Umfrage zufolge plant mehr als die Hälfte der Unternehmen, IoT-Daten zu sammeln und in ein Business-taugliches Rechenzentrum zu übertragen. Gleichzeitig favorisieren 43 Prozent der untersuchten Firmen Edge-Computing. Diese Ergebnisse belegen, wie wichtig es ist, dass eine IoT-Plattform Daten nicht nur am Edge sammeln, sondern auch verarbeiten und analysieren kann. Dies gilt insbesondere im IIoT-Umfeld.

Breite des Zusatzangebots: Die Mehrheit der aktuellen IoT-Plattform-Implementierungen sind auf Services angewiesen. IDC empfiehlt in diesem Zusammenhang, dass die Kunden das Serviceportfolio des Plattformanbieters zur erfolgreichen Strategiefindung, Umsetzung und Verwaltung von IoT-Deployments evaluieren. Zusätzlich würden vorhandene Anwendungen oder Lösungen den Kunden dabei helfen, die Wertschöpfung zu beschleunigen. Last but not least geht IDC zwar davon aus, dass Prescriptive Analytics zur Grundausstattung einer IoT-Plattform gehört. Die Kunden sollten aber auch verstehen, wie der Anbieter Predictive/Prescriptive Analytics unterstützen will.

Bereitstellungsformen: Während einige Kunden bei ihren ersten Piloten kein Problem mit eingeschränkten Optionen haben, könnte sich das mit der Ausweitung des IoT-Programms auf zusätzliche Business Units oder Regionen mit strengeren Datenschutzbestimmungen schlagartig ändern. Bei Managed-Cloud-Angeboten besteht die (potenzielle) Möglichkeit, die Unterhaltskosten für die IoT-Lösung zu senken.

Preisgestaltung: Laut IDC monierten viele Kunden ihnen gegenüber, dass die Preismodelle ziemlich undurchsichtig seien und nur wenig Möglichkeiten zur Planung böten. Gleichzeitig wären sie aber nachsichtig angesichts des frühen Stadiums des Rollouts. Nichtsdestotrotz sollten Käufer die verschiedenen Anwendungsfälle berücksichtigen, die die IoT-Plattform unterstützen muss, und prüfen, ob das Preismodell des Verkäufers für alle geeignet ist.

Ökosystem: Bei IoT spielt das dazugehörige Ökosystem eine große Rolle, da verschiedene Unternehmen Technologie auf Device-, Netzwerk- und Software-Ebene bereitstellen müssen. Kein Anbieter kann dies allein machen - und sollte es auch nicht versuchen, so der Hinweis von IDC. Kunden sollten ihre IoT-Strategien mit potenziellen Plattform-Anbietern diskutieren, um zu verstehen, welche Art von Partnerschaften diese unterhalten, um diese Pläne zu unterstützen.

Kundenservice: Laut IDC besteht eine der Herausforderungen in diesem Raum darin, dass die IoT-Daten während ihres Wegs vom Sammelpunkt zum endgültigen Ziel (es können auch mehrere Orte sein) mit vielen potenziellen Fehlerquellen und Sicherheitsrisiken interagieren werden. Kunden sollten ihren Anbieter fragen, welche potenziellen Probleme im Rahmen der IoT-Plattform adressiert werden und mit welchen Problemen man sich an einen Dritten zur Auflösung richten kann.