Nutanix Enterprise Cloud Index 2023

Hybride Multi-Cloud wird zum Goldstandard

11.07.2023
Von 
Ariane Rüdiger ist freie Autorin und lebt in München.
Eine aktuelle Studie zeigt: Die hybride Multi-Cloud wird zum Standard-Infrastrukturmodell, Applikationen werden beweglicher, gleichzeitig steigt dadurch aber die Komplexität beim Datenmanagement erheblich.
Während die Cloud-Nutzung mittlerweile für Unternehmen gesetzt ist, variieren die Betriebsmodelle.
Während die Cloud-Nutzung mittlerweile für Unternehmen gesetzt ist, variieren die Betriebsmodelle.
Foto: Golden Dayz - shutterstock.com

Die hybride Multicloud entwickelt sich weltweit zur Leitinfrastruktur. Während sie heute von zwölf Prozent der Anwenderunternehmen verwendet wird, sollen es bis 2026 satte 38 Prozent sein. In Deutschland, wo derzeit nur sechs Prozent eine hybride Multicloud verwenden, wollen bis dahin sogar 50 Prozent der Anwender diesen Infrastrukturtyp nutzen.

Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die Vanson Bourne zwischen Dezember 2022 und Januar 2023 im Auftrag von Nutanix vorgenommen hat. Die Marktforscher befragten für die fünfte Auflage des Enterprise Cloud Index 1.450 IT-Entscheider aus unterschiedlichen Branchen weltweit - darunter 100 aus Deutschland - zu verschiedenen Themen rund um die Cloud.

Nahezu alle Befragten haben im vergangenen Jahr mindestens eine Anwendung auf andere Infrastruktur verlagert. Das wird von 86 Prozent als komplex und schwierig empfunden.
Nahezu alle Befragten haben im vergangenen Jahr mindestens eine Anwendung auf andere Infrastruktur verlagert. Das wird von 86 Prozent als komplex und schwierig empfunden.
Foto: Nutanix

Zügige Migration nach langer Anlaufzeit

Möglicher Grund für die starke Nachfrage bei deutschen Unternehmen nach dem Betriebsmodell hybride Multicloud: Nachdem sie lange gebraucht haben, um die infrastrukturellen Voraussetzungen für diesen Schritt zu legen und sich von der prinzipiellen Funktionsfähigkeit dieses Paradigmas zu überzeugen, wollen sie nun eine zügige Migration dorthin vollziehen.

Ausschließlich On-Premises-Infrastruktur nutzen heute weltweit 24 Prozent (Deutschland: 22 Prozent), zukünftig noch 11 Prozent (Deutschland: 18 Prozent). Es gibt also hierzulande durchaus etwa ein Fünftel Anwender, die beharrlich ihre bisherige On-Prem-Strategie weiterverfolgen.

Deutschland verabschiedet sich von Hostern

Großer Verlierer ist laut Enterprise Cloud Index die Kombination aus On-Premises-Infrastruktur und gehosteter Infrastruktur oder Private Clouds. Sie nimmt weltweit von derzeit 23 Prozent (Deutschland: 26 Prozent) auf fünf Prozent (Deutschland: sechs Prozent) ab.

Noch extremer sieht es in Deutschland bei ausschließlich gehosteter Infrastruktur aus: Während aktuell noch 18 Prozent der Unternehmen auf diesen Infrastrukturtyp setzen, soll er innerhalb der nächsten drei Jahre komplett verschwinden. Die Cloud-Vorteile scheinen vor allem damit zusammenzuhängen, dass ein externer Betreiber die IT-Infrastruktur stellt, skaliert und wartet. Das gilt bei Co-Lokationsmodellen nicht.

Deutschland: IT-Modelle aktuell und geplant

Infrastrukturtyp

Aktuell**

In 1-3 Jahren**

Nur On-Premises-Infrastruktur*

22 Prozent

18 Prozent

Nur Hosted-Infrastruktur*

18 Prozent

0 Prozent

Nur eine Public Cloud*

3 rozent

8 Prozent

On-Premises- und Hosted-Infrastruktur

26 Prozent

6 Prozent

Hybrid Cloud

25 Prozent

9 Prozent

Hybrid Multicloud

6 Prozent

50 Prozent

Nur Multicloud*

0 Prozent

8 Prozent

Nicht bekannt

0 Prozent

1 Prozent

*Ausschließlich genutzt/geplant **Gerundet - Gesamtwert nicht unbedingt 100 Prozent.

Deutliche Abweichungen gibt es bei den deutschen Daten hinsichtlich der hybriden Cloud, also der Kombination zwischen On-Premises-Infrastruktur und einer Public Cloud: Während der Anteil diese Infrastrukturtyps weltweit mit 19 Prozent in etwa gleich bleibt, fällt er in Deutschland von 25 Prozent auf neun Prozent.

Hyperkonvergente Infrastruktur im On-Premises-Bereich haben bereits 53 Prozent der Organisationen weltweit - in Zukunft sollen es 93 Prozent sein. 94 Prozent der Befragten haben zudem Kubernetes als Orchestrierungsplattform für Container-Infrastrukturen implementiert, nutzen also Container, um zumindest einen Teil ihrer Anwendungen zu betreiben.

Gründe für die Infrastrukturauswahl

Warum wählen Unternehmen die jeweiligen Infrastrukturtypen? Entscheidend (38 Prozent weltweit) sind dafür Sicherheitserwägungen, es folgen mit 32 Prozent der Datenschutz und mit 30 Prozent die Datensouveränität.

Weitere Gesichtspunkte sind:

  • die Datenverteilung auf Edge, Datacenter und Clouds,

  • die Verschiebbarkeit von Applikationen in die Public Cloud,

  • die Flexibilität, Anwendungen auf privater der öffentlicher Infrastruktur laufen zu lassen, und

  • die angebotenen Datenservices (je 24 Prozent).

Daneben spielen noch Aspekte wie Nachhaltigkeit und Leistung, Compliance, die Anforderungen der Anwendungen und - erstaunlicherweise - Kosten eine Rolle.

Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung von Prioritäten im Vergleich zu früheren Erhebungen. So wurden Sicherheitsüberlegungen noch 2018 von nur 31 Prozent als Grund für Infrastrukturentscheidungen angeführt. Am deutlichsten hat aber der Aspekt der Mobilität an Bedeutung gewonnen: Ihn nannten 2018 nur sechs Prozent, bei der aktuellen Untersuchung sind es 24 Prozent und damit vier Mal so viele Befragte.

Deutschland: Fokus auf Datenschutz, -souveränität und -mobilität

Bei den deutschen Anwendern sind generell die Kriterien Datensouveränität, Datenverteilung, Datenschutz, Datendienste, Leistung, Nachhaltigkeit und Anwendungsanforderungen geringfügig wichtiger als dem Rest Europas und der Welt. Bei Cybersicherheit, Regulierung und Compliance, einfache Cloud-Migration, flexible Laufzeitumgebung (On Prem/Cloud) und Kosten ist es anders herum.

Die Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb der hybriden Multicloud ist die Interoperabilität der unterschiedlichen Infrastrukturtypen. Hier geht es langsam, aber sicher voran. Weltweit gaben 39 Prozent an, dass alle Umgebungen voll miteinander kooperieren können (2021: 36 Prozent). Ein gewisses Maß an Interoperabilität verzeichnen mittlerweile 56 Prozent (2021: 53 Prozent), sehr begrenzte Interoperabilität 8 Prozent und überhaupt keine Interoperabilität niemand mehr (2021: noch 7 Prozent).

Datenmanagement: Mehr Überblick gewünscht

Durch die Infrastrukturvielfalt wird das Datenmanagement komplizierter. 94 Prozent (Deutschland: 93 Prozent) der Befragten wünschen sich kompletten Überblick darüber, wo sich ihre Daten befinden. Doch nur 40 Prozent (Deutschland: 46 Prozent) haben diese Übersicht. Hier gibt es also noch viel zu tun.

Die Herausforderungen beim Datenmanagement in gemischten Umgebungen liegen besonders bei den Kosten, der Orchestrierung und Datenanalyse (je 43 Prozent). In Deutschland heißt der Problem-Spitzenreiter davon abweichend Datensynchronisierung mit 47 Prozent der Nennungen.

Je 41 Prozent nennen Sicherheit, Disaster Recovery und kontinuierlichen Betrieb, 40 Prozent die Datensynchronisierung, 38 Prozent das Wissen darüber, wo die Daten liegen. Weitere Aspekte: 36 Prozent empfinden die Datenportabilität, Compliance und Daten-Governance als schwierig, vergleichsweise geringe 29 Prozent Datensilos. Letzteres lässt darauf schließen, dass die Versuche der letzten Jahre, solche Silos aufzubrechen, anscheinend vielerorts erfolgreich waren.

Warum Daten verlagern?

Wenn Anwender Daten verlagern - und in Deutschland taten dies 2022 alle befragten Anwender - geschieht dies vor allem aus Sicherheits- oder regulatorischen Gründen - in Deutschland etwas öfter (52 Prozent) als weltweit (46 Prozent). Der zweitwichtigste Grund ist ein schnellerer Zugriff auf die Daten, gefolgt von besserer Kontroller der Applikationen (Deutschland/Welt je 40 Prozent). Immerhin 39 Prozent der Befragten aus der ganzen Welt, aber auch aus Deutschland, wollen dadurch mehr Nachhaltigkeit erreichen. 42 Prozent der Befragten weltweit (Deutschland: 37 Prozent) streben die Integration mit Cloud-Native-Services an.

Überraschenderweise rangiert das Kostenargument ganz hinten (Welt: 21 Prozent, Deutschland: 18 Prozent), während es in der vorjährigen Umfrage bei den deutschen Anwender noch auf Platz 4 lag. Das deutet an, dass die Befragten insbesondere auch aus Deutschland die strategischen Vorteile von Anwendungsmobilität inzwischen verinnerlicht haben. Daten als Ressource sind inzwischen so wertvoll geworden, dass die Kosten für infrastrukturelle Themen demgegenüber nicht mehr ins Gewicht fallen.

Herausforderungen beim Kubernetes-Management

Auch wer Kubernetes-Anwendungen betreibt, muss sich mit Herausforderungen herumschlagen. Hier wurden weltweit vor allem drei Bereiche als führend genannt:

  • das Multicloud-Management von Kubernetes-Workloads,

  • der Umgang mit Storage- und Datenbank-Services und

  • die Entwicklung und Konfiguration der unterlegten Infrastruktur.

Darauf folgen in geringem Abstand mit je 40 Prozent Nennungen das Upgrade von Kubernetes- und Node-OS-Versionen sowie die Migration angestammter Applikationen auf Kubernetes.

36 Prozent nennen die Kostenoptimierung, 35 Prozent die Suche nach fachkundigem Personal, 23 Prozent die Skalierung als Kubernetes-Herausforderung. Je 2 Prozent haben sich keinerlei Probleme im Zusammenhang mit Kubernetes gegenübergesehen oder nutzen die Technologie noch nicht, haben das aber vor. Nur 1 Prozent der Befragten hat auch in Zukunft keine Kubernetes-Pläne.

Dauerthema Cloud-Kosten

Wenig überraschend sind 85 Prozent und damit die weit überwiegende Mehrheit der Befragten besorgt um die Kontrolle der Cloud-Kosten, immerhin 30 Prozent sogar sehr besorgt. Um die Kosten im Griff zu behalten, wollen Anwender im kommenden Jahr vor allem mehr Einblick in den Verbrauch von Cloud-Services und die dadurch erzeugten Kosten haben (55 Prozent). Etwas über die Hälfte der weltweit Befragten gab außerdem an, die Verschwendung von Cloud-Ressourcen eingrenzen zu wollen. Hierfür kommen vor allem sogenannte FinOps-Lösungen in Frage.

Ähnlich häufig wurde auch der Plan genannt, einige Applikationen zu einem anderen Public-Cloud-Provider zu verschieben. Das geht nur in Multiclouds oder hybriden Multiclouds und könnte ein Grund für die steigende Beliebtheit dieser Infrastrukturform sein.

Andere haben vor, Serviceprovider einzuspannen, um ihre RZ-Betriebskosten zu verringern (47 Prozent). Immerhin 46 Prozent planen die Rückverlagerung von Ressourcen auf On-Premises-Datencenter. Nur 1 Prozent plant keine Optimierungen hinsichtlich des Standorts von Daten und Applikationen.